Handball

Weitere sechs Siege sind nicht undenkbar

Auf direktem Weg stösst Pfadi gegen den HC Kriens-Luzern in den Playoff-Halbfinal vor und setzt zugleich eine Erfolgsgeschichte fort.

Nach dem Sieg über Kriens-Luzern bedankt sich Pfadi (vorne Kevin Jud und Cédrie Tynowski) beim Playoff-Publikum und für die finanzielle Rettung.

Nach dem Sieg über Kriens-Luzern bedankt sich Pfadi (vorne Kevin Jud und Cédrie Tynowski) beim Playoff-Publikum und für die finanzielle Rettung. Bild: Martin Deuring

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Neun Siege brauchts im Schweizer Playoff-Handball für einen Meistertitel. Die ersten drei hat Pfadi ohne Umweg eingefahren. Der 3:0-Schlussstand in der Viertelfinalserie täuscht allerdings etwas darüber hinweg, dass der HC Kriens-Luzern einen hartnäckigen Gegner abgegeben hatte. Der Sieger der Abstiegsrunde, der ebenso gut in die Finalrunde gehört hätte, war in den drei Spielen während fünf Halbzeiten und einer Verlängerung ein ernsthafter Widersacher.

Erst in der zweiten Hälfte von Spiel 3 am Samstag in der Axa-Arena, das sie 30:23 (12:11) gewannen, konnten sich die Winterthurer entscheidend absetzen. Zuvor hatten sie vorne wie hinten Mühe, ins Spiel zu kommen. Nach 17 Minuten lagen sie 7:10 im Hintertreffen. Dann kam Torhüter Matias Schulz nach überstandener Muskelverletzung erstmals in dieser Viertelfinalserie zum Einsatz - und kehrte die Partie. Bis zur Pause parierte er fünf der sechs Würfe der Krienser (darunter zwei Penaltys). «Er hat uns im Spiel gehalten», lobte Trainer Adrian Brüngger den argentinischen Nationalgoalie. Pfadi holte auf und beendete die erste Hälfte gar mit einer Führung; Marvin Lier erzielte drei Sekunden vor der Pause im Konter das 12:11.

Die Winterthurer drehten in der zweiten Halbzeit massiv auf. Ihr Trainer hatte zur Pause zu Recht «mehr Intensität» gefordert. Sie griffen nun druckvoller und beweglicher an und sie steigerten sich in der Verteidigung. Die ersten neun Anläufe landeten im Tor, was Pfadi eine 21:15-Führung einbrachte.

Der HC Kriens-Luzern konnte nicht mehr reagieren, kam nur noch auf 21:17 heran, ehe Pfadis Kreisläufer, zweimal Markus Dangers und einmal Luigj Quni, mit dem 24:17 endgültig alles klärten. Die Kür war am Ende Fabrizio Pecoraro vorbehalten. Pfadis Linksaussen erzielte die letzten drei Treffer für sein Team, einmal vom Flügel aus, einmal im Konter und einmal mit einem Penalty.

Mehr Reserven

Im dritten Playoffmatch innerhalb von fünf Tagen besassen die Winterthurer mehr Reserven. «Natürlich waren wir müde. Aber die Krienser waren noch müder», bemerkte Brüngger. Auch waren Pfadis personellen Ressourcen grösser: Mittlerweile fehlen nur noch die verletzten Pascal Vernier und Yannick Ott, der irgendwann im Verlauf des Playoffs zurück erwartet wird.

Beim HCK musste sich für Samstag nach Thomas Hofstetter und Aleksandar Radovanovic, dem Linkshänder, der ab Sommer für Pfadi spielt, ein dritter wichtiger Rückraumspieler abmelden: In der Verlängerung von Spiel 2 in Kriens hatte sich Luca Spengler an der Schulter verletzt. Zudem stieg Hleb Harbuz, der recht dynamische Aufbauer aus Weissrussland, Anfang der zweiten Hälfte von Spiel 3 angeschlagen aus. Das alles war dann doch zuviel der Absenzen – abgesehen davon, dass Pfadi ohnehin über mehr Substanz verfügen sollte. «Man muss eine Playoffserie auch irgendwie überleben können», sagt Brüngger. «Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn dem Gegner ein paar Spieler fehlen.»

Den Job gut erfüllt

Als sich der dritte Sieg immer deutlicher abzeichnete, konnte Brüngger seine Stammkräfte schonen. Kein Winterthurer verlässt diesen Viertelfinal angeschlagen, was für den weiteren Verlauf des Playoffs zuversichtlich stimmt. Wer eine Serie gegen einen gewiss nicht schlechte Mannschaft 3:0 gewinnt, der hat seinen Job gut erfüllt. In entscheidenden Momenten waren die Torhüter ebenso da wie die Intensität auf dem Feld. Als herausragend präsentieren in den drei Partien die Wurfquoten der Aussenspieler und Kreisläufer: Auf 47 Versuche kamen 39 Tore. Rechtsaussen Cédrie Tynowski, der zuletzt 18 Mal in Folge ohne Fehlwurf blieb, sowie Linksaussen Marvin Lier, der Topskorer der Liga, sind die Besten auf ihrer Position und Dangers ist der offensiv stärkste Kreisläufer der Liga. Von «Superquoten» spricht Tynowski, der häufiger als üblich zum Abschluss kam. Aufbauer Filip Maros habe ihm die Bälle «sehr gut hinausgereicht».

«Rechnen uns alles aus»

Noch nicht alles verlief ideal. Die Abwehr trat solider als früher in dieser Saison auf, liess mitunter aber Lücken erkennen. Der Rückraum – angetrieben vom unverzichtbaren Kevin Jud – hat, zumal Maros im Abschluss jeweils eher spät in die Gänge kam, weiter Potenzial nach oben. Doch grundsätzlich fand Pfadi auch in diesem Viertelfinal in engen Spielen einen Weg, den Gegner hinter sich zu lassen. Die Mannschaft funktioniert.

«Wir rechnen uns schon alles aus, das Selbstvertrauen stimmt», bemerkt Tynowski, der 22-jährige Captain. «Wir wollen das weiterziehen. Sonst wäre alles Bisherige für nichts gewesen.» Den Winterthurern sind weitere sechs Siege durchaus zuzutrauen, wenn sie es – mehr noch als in dieser Viertelfinalserie – schaffen, das Optimum aus sich heraus zu holen. So, wie es ihnen in der aktuellen Saison bereits auffallend häufig gelungen ist. Und die Gegnerschaft (mit den Kadetten als erstem Titelanwärter) hat bisher nicht jenseits von Pfadis Möglichkeiten gespielt.

Die nächste Hürde

Während es die Krienser auch im vierten Anlauf nicht schafften, eine Playoffserie für sich zu entscheiden, setzten die Winterthurer eine beeindruckende Erfolgsgeschichte fort: Seit 2011, der Wiedereinführung des Playoffs, sind sie stets mindestens im Halbfinal gestanden.

Die nächste Hürde wird höher sein. Pfadi trifft auf den Sieger der Viertelfinalserie zwischen dem HSC Suhr Aarau, dem Dritten der Finalrunde, und Wacker Thun, dem Titelverteidiger, Cupsieger und Sechsten der Finalrunde. Seit dem 31:24-Sieg am Sonntag in Aarau liegen die Thuner 2:1 in Führung.«Wacker ist im Playoff immer extrem gefährlich und gegen Suhr haben wir in dieser Saison nicht überragend gespielt», vergleicht Brüngger. Die Saisonstatistik sagt dies: Pfadi gewann gegen Wacker zwei der drei Meisterschaftsspiele (plus den Supercup), gegen Suhr Aarau wars genau umgekehrt. «Wir nehmen, was kommt», blickt Brüngger voraus.

Seine Spieler erhielten über Ostern am Sonntag frei, der Montag war für individuelles Training vorgesehen. Der erste Halbfinal ist auf kommenden Sonntag um 17 Uhr in der Axa-Arena angesetzt, der Viertelfinal zwischen Thun und Suhr Aarau wird am Dienstag oder Donnerstag enden.

Pfadi - Kriens-Luzern 30:23 (12:11)

Axa-Arena. - 1318 Zuschauer. - SR Brunner/Salah. - Torfolge: 0:1, 2:3, 4:3, 4:5, 6:7, 6:9, 7:10, 10:10, 10:11, 12:11; 13:11, 13:12, 16;12, 18:13, 21:15, 21:17, 24:17, 26:19, 30:23. - Strafen: 4x2 gegen Pfadi, 6x2 inklusive Disqualifikation (Vögtli) gegen Kriens-Luzern. - Pfadi: Schelling (18. Schulz, 55. Staub); Quni (1), Maros (4), Tynowski (4), Pecoraro (3/1), Cvetkovic, Dangers (5), Lier (3), Heer, Jud (5/1), Bräm (1), Freivogel, Svajlen, Schramm (4). - Kriens-Luzern: Willimann (39. Eicher); Lengacher (2), Harbuz (2/1), Blättler (4/1), Vögtli (1), Gavranovic (3), Oertli (6), Ramseier (5), Delchiappo. - Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier und Ott, Kriens-Luzern ohne Bar, Engler, Hofstetter, Radovanovic und Spengler (alle verletzt). 1. Lier schiesst Penalty an die Latte. Schulz hält Penaltys von Ramseier (26.) und Harbuz (30.). Der ehemalige Pfadi-Linkshänder Julian Krieg war unter den Zuschauern.

Erstellt: 20.04.2019, 22:04 Uhr

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