Handball

Zwischen WM-Qualifikation und Paris

Die Winterthurerin Lea Schüpbach trifft mit dem Schweizer Nationalteam in der WM-Qualifikation auf Dänemark. Eine Herkulesaufgabe. Doch Schüpbachs grosse Herausforderung folgt erst nächste Saison.

Lea Schüpbach steht vor grossen Herausforderungen.

Lea Schüpbach steht vor grossen Herausforderungen. Bild: Heinz Diener

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Einst ging sie mit Olympiasnowboarder Kalle Koblet und Ex-Pfadi Goalie Magnus Staub im beschaulichen Schulhaus Eidberg in Winterthur in eine Klasse. Nun zieht sie in die Weltstadt Paris. Die 21-jährige Lea Schüpbach wechselt vom Cupsieger Spono Nottwil zu Paris 92, ehemals Issy Paris Hand, in die erste französische Liga. «Es wird sportlich, aber auch sprachlich eine Herausforderung», sagt die Torhüterin und spricht dabei wie von etwas, das weit in der Zukunft liegt. Um der sprachlichen Herausforderung beizukommen, wird Schüpbach in Paris eine Sprachschule besuchen, ansonsten wird sie aber als Profi leben.

Paris 92 wurde letzte Saison als Issy Paris Hand Fünfter in einer Liga, die im internationalen Vergleich zwar deutlich stärker einzustufen ist als die Schweizer Liga, aber nicht zu den absoluten Topligen gehört. Der grösste Unterschied zur Schweiz ist wahrscheinlich die Leistungsdichte. «Es ist eine spannende Liga, man muss in jedem Spiel 100 Prozent geben, ansonsten verliert man auch gegen vermeintlich schwächere Teams», sagt Schüpbach.

In Paris wird sie mit Kreisläuferin Ulrika Toft-Hansen, der Ehefrau von Henrik Toft-Hansen spielen. Henrik Toft-Hansen ist Kreisläufer von Weltformat bei Paris St. Germain Handball, das sich im Windschatten der Fussballer zu einer Handballgrossmacht entwickelte. «Viel Kontakt zwischen PSG und Paris 92 gibt es aber nicht», erklärt Schüpbach. Nur zweimal pro Saison würde zusammen ein Heimspielevent im grossen Stade Pierre de Coubertin mit über 4000 Zuschauerplätzen ausgetragen. Ansonsten spielt das Damenteam im kleineren Palais des Sports Robert-Chartpantier mit immerhin 1500 Plätzen.

Ein Verein im Umbruch

Bei Paris 92 ist nicht nur der Name neu, der ganze Verein steht in einem Umbruch. Neben den neuen Spielerinnen kommt auch ein neuer Trainer. Nach über 14 Jahren verlässt «l’entraineur historique» Arnaud Gandais Paris 92. Der Neue ist aber für Schüpbach kein Unbekannter. Yacine Massouidi war letzte Saison Trainer in Metz und damit Trainer von Daphne Gautschi, der Nationalmannschaftskollegin von Schüpbach. «Kontakt zu ihm hatte ich noch nicht, aber Daphne Gautschi hat mir von ihm erzählt. Er sei fordernd und streng.» Doch das ist genau das, was Schüpbach sucht und kennt. «Paris ist noch weit weg»

«Lea Schüpbach passt genau in unser Konzept.»Yacine Massouidi,
neuer Trainer von Paris 92

Messaoudi hingegen weiss mehr über seine neue Torhüterin. Zum einen sei er ja Gautschis Trainer bei Metz, sagt er, zum anderen beobachte er junge Schweizer Talente genau. Und Schüpbach passe gut nach Paris. «Wir suchen junge Talente, die sich entwickeln wollen», sagt Messaoudi. Dies passt auch zu Schüpbach. Auf die Frage, was nach Paris denn noch kommen solle, antwortet sie: «Jeder hat seine Träume.» Und: «Es wäre spannend mehr zu erreichen.»

Doch Paris ist noch nicht wirklich im Kopf von Schüpbach, «ich versuche das noch etwas zu verdrängen. Paris ist eigentlich noch weit weg.» Zuerst steht heute Abend in Winterthur das Rückspiel mit dem Nationalteam gegen Dänemark an. Doch nach der 22:35 Niederlage im Hinspiel ist der sportliche Reiz der Affiche zwischen der Schweiz und Dänemark eigentlich schon dahin. Zu gut sind die Däninnen im Vergleich mit den Schweizerinnen. Das überrascht nicht. Mit Platz 6 bei der Europameisterschaft 2018 und Rang 8 bei der Weltmeisterschaft 2017 gehören die Däninnen zur erweiterten Weltspitze.

«Es fehlte überall ein bisschen etwas»

«Etwas mehr hatten sich die Schweizerinnen aber schon erhofft», sagte Schüpbach am Telefon direkt nach dem Hinspiel. Und: «Es fehlte überall ein bisschen etwas, vor allem in der Abwehr standen wir nicht genug kompakt.» Der Nationaltrainer Martin Albersten ergänzte nach dem Spiel: «Der Rückraum war gut, aber von unseren Aussen und vom Torhüterduo habe ich mehr erwartet.»

Zufrieden ist auch Schüpbach nicht mit ihrer persönlichen Leistung, auch wenn sie mit drei Paraden ins Spiel gestartet war, «das war es dann aber halt auch schon», relativiert sie, «dann bin ich zu schnell von meinem Plan abgewichen.»

Das Rückspiel heute Mittwoch ist für Dänemark also nur noch Formsache. Für die Schweizerinnen ist es jedoch mehr. Sie wollen möglichst viel mitnehmen. Sie sind noch am Anfang ihres Weges. «Lass uns sehen, wo wir in zwei drei vier Jahren sind», sagt Trainer Albertsen. Der Vergleich mit Dänemark sei «ein Gigant im Vergleich mit unserer Mannschaft», sagt Albertsen. Das Ziel von Schüpbach ist dann auch realistisch, «ein möglichst gutes Resultat erzielen.»

«Ich gehöre bereits zu den Alten»

Lea Schüpbach

Im Nationalteam hat Schüpbach eine ganz andere Rolle, wie sie in Paris haben wird. «Ich gehöre im Training beim Fussballspiel zwischen jung und alt bereits zu den Alten», sagt die 21-jährige. Die Integration der Jungen ins Nationalteam ist ihr ein Anliegen, darin sieht sie auch ihre Aufgabe als erfahrene Spielerin. Die Nummer eins im Tor sei sie aber nicht, Nationalcoach Albertsen achte genau auf die Trainingsleistungen und mache auf dieser Basis seine Aufstellungen.

In Paris hingegen wird sie die klare Nummer zwei sein. Stammgoalie in Paris ist die tschechische Nationalgoalie Lucie Satrapova. Trotzdem rechnet sich Schüpbach Spielzeit aus. Das erwartet ihr neuer Trainer auch von ihr: «Wir erwarten, dass sich Lea schnell an die französische Liga gewöhnt», sagt Messaoudi.

Nach der WM-Qualifikation kann Schüpbach Paris wohl nicht mehr verdrängen, dann steht langsam der Umzug an. Eine Wohnung muss sie sich in Paris aber nicht suchen. Das macht der Verein. «Im Umkreis von einem Kilometer von der Halle», schwärmt Schüpbach.

Erstellt: 04.06.2019, 19:31 Uhr

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