Pfadis Rettung

«An diesen Punkt geraten wir nicht mehr»

Nach der ertragreichen Sammelaktion geht die Sanierung des wichtigsten Winterthurer Handballclubs weiter. Präsident Jürg Hofmann hofft auf ruhigeres Fahrwasser und plant eine Auslagerung des NLA-Teams.

Bei der Pressekonferenz wurde bekanntgegeben, dass Pfadi vorerst gerettet ist: bei der Sammelaktion kamen 600 000 Franken zusammen.

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Jürg Hofmann, am 15. Januar mussten Sie den drohenden Kollaps von Pfadi verkünden. Jetzt ist der Club vorderhand gerettet. Wie fühlen Sie sich?
Natürlich fühle ich mich gut. Es wäre vermessen, etwas anderes zu sagen. Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Phase eins ist jetzt sehr gut abgeschlossen worden, und ich bin glücklich, dass wir noch im Spiel sind, dass wir überhaupt weitermachen dürfen. Mir ist aber auch bewusst, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Ich hoffe allerdings, dass wir nun wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten. Die Pace, die wir in den letzten Wochen hatten, können wir nicht weiterziehen.

Welche Arbeit steht an?
Im Sommer an der GV wollen wir ein Budget mit einer Null vorweisen können. Ein Budget, das auf der Einnahmenseite keine Hoffnungskomponenten mehr beinhaltet, sondern eines, das standhält. Jetzt haben wir viereinhalb Monate Zeit, die noch fehlenden knapp 200000 Franken mit Sponsorenverträgen heranzubringen. Daran werden wir mit Vollgas arbeiten.

Für ein Budget in welcher Höhe?
Etwas mehr als zwei Millionen Franken für den ganzen Verein.

Pfadi will ein Club im Schweizer Spitzenhandball bleiben. Der finanzielle Aufwand wird also nicht reduziert?
Schon seit 2016 sind wir mit den Kosten sehr runtergefahren. Der Spielraum, dies jetzt noch weiter zu tun, ist relativ klein. Aber wir überprüfen jede Ausgabe. Beispielsweise: Ist ein Trainingslager nötig? Letztes Jahr haben wir darauf verzichtet und sind in der Axa-Arena geblieben. Es war bestens. Dort, wo wir die Chance sehen, Geld zu sparen, werden wir es tun. In einem Jahr auf Ende Saison 2019/20 laufen diverse Spielerverträge aus. Wir schauen, was wir bis dahin finanziell erreicht haben. Vielleicht wird es dann einen Schnitt geben, vielleicht muss man dann zum Schluss kommen, dass wir nicht mehr auf diesem Niveau weiterspielen können. Das hoffe ich natürlich nicht, und wir geben unser Bestes.

Wie wollen Sie längerfristig die Finanzen ins Lot bringen?
In der Saison 2019/20 müssen wir nochmals 200000 Franken wettmachen. Dafür haben wir zwölf Monate Zeit. Wir haben bereits jetzt interessante Gespräche für längerfristige Zusammenarbeiten geführt. Dass es bis zum kommenden Sommer zu einem grossen Abschluss mit einem Hauptsponsor kommt, ist nicht realistisch. Schön wäre, wenn wir aufs Jahr darauf etwas bewerkstelligen könnten.

Und darüber hinaus? 1,5 Millionen Franken Darlehen belasten den Verein. Welche Massnahmen sind vorgesehen?
Geplant ist, dass wir bis 2025 die Schulden reduzieren können, und werden dies in die Budgetierung miteinbeziehen. Wie gross der Abbau effektiv sein wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir haben die Tilgung in der Budgetierung so aufgeführt, dass sie auch zu bewerkstelligen ist. Mit den Darlehensgebern haben wir eine Vereinbarung unterzeichnet, die uns etwas Luft verschafft. Wir spüren diesbezüglich keine Guillotine am Hals, die zu jeder Zeit fallen kann. Wir können unsere Vereinsziele verfolgen, ohne Angst davor zu haben.

Mit 1,27 Millionen Franken sind Sie der grösste Darlehensgeber. Kein gutes Geschäft?
Nein, aber auf der Bank erhält man auch keinen Zins. Ich stehe dazu, was ich getan habe. Für mich stimmt es.

Sie sind Geldgeber, Pfadi-Präsident sowie Verwaltungsratspräsident von Win4, das die Axa-Arena, Pfadis Heimhalle, führt. Drei Funktionen mit Konfliktpotenzial. Sehen Sie das auch so?
Ich trete sowohl bei Pfadi als auch bei Win4 in den Ausstand, wenn Geschäfte, die beide Organisationen betreffen, besprochen werden. Es trifft schon zu, dass es Interessenkonflikte geben kann. Mit dem können wir umgehen, da sind wir professionell genug. Fürs Projekt Win4 war es damals wichtig, dass ich 2014 als Fahnenträger dastand. Wir haben uns schon letztes Jahr im Win4 Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Ich habe intern immer wieder gesagt, dass ich kein Verwalter bin, sondern ein Macher. Ich habe das alles gemacht, es passt, aber das Verwalten soll nun ein anderer übernehmen. Deshalb werden wir, unabhängig von Pfadis Situation, in dieser Beziehung nächstens eine Entflechtung heranbringen.

Unter Ihrer Führung sind die Schulden nicht kleiner geworden. Sind Sie noch der Richtige als Pfadi-Präsident?
Die Frage, ob ich der richtige Präsident bin, ist legitim. Ich habe sie mir auch schon gestellt. Man soll sich selbst und alles, was wir machen, immer hinterfragen. Für mich stimmt es, wie es ist, ich bin mit Herz bei der Sache. Ich habe immer gesagt, dass ich kein Sesselkleber bin, das möchte ich als Letztes sein. Ich habe immer noch das Gefühl, ich könne Impulse setzen und meine Erfahrung einbringen. Die Generalversammlung entscheidet, ob sie das auch so sieht. Wenn nicht, muss man eine Lösung suchen, die stimmig ist für den Verein.

Wann wird die NLA-Mannschaft, die das grösste finanzielle Risiko in sich birgt, vom Rest des Vereins losgelöst?
Die Schulden sind noch das Problem. «Pfadi4ever» hat sieben Arbeitsgruppen. Eine davon befasst sich mit der künftigen Gesellschaftsform für die erste Mannschaft. Wir suchen Lösungen. Wir haben schon mit Sportclubs gesprochen, die eine AG gegründet haben. Aus ihrem Erfahrungsschatz wollen wir lernen. Im Oktober werden wir mit dem Verband zum Thema «Lizenzierung und Lizenzauflagen» zusammensitzen. Und wir werden an der nächsten Pfadi-GV im Sommer einen Antrag stellen, dass wir offiziell dem Thema Gesellschaftsform nachgehen können. Spätestens ein Jahr darauf an der GV, vielleicht auch schon früher an einer ausserordentlichen Versammlung, wird eine Entscheidung getroffen, ob es eine andere Form für den Verein gibt oder ob es so bleibt wie bisher. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Ich wollte eigentlich schon 2015 die Mannschaft als AG aus dem Verein ausgliedern, musste jedoch bremsen, als die Schuldenlast ersichtlich wurde.

Wie gross ist die Gefahr, dass Pfadi nochmals vor dem finanziellen Kollaps steht?
An diesen Punkt geraten wir nicht mehr.

Erstellt: 01.04.2019, 08:27 Uhr

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