Handball

Aus dem Nichts zum Sieg

Pfadi schien in der Axa-Arena einer sicheren Niederlage entgegenzusteuern, schaffte vom 17:24 an aber die Wende, bezwang St. Otmar 34:31 und verteidigte seine Leaderposition.

Fünf Tore steuerte Filip Maros dank einer Steigerung in der zweiten Halbzeit zu Pfadis Heimsieg über St. Otmar bei.

Fünf Tore steuerte Filip Maros dank einer Steigerung in der zweiten Halbzeit zu Pfadis Heimsieg über St. Otmar bei. Bild: Martin Deuring

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Eines steht fest: Pfadi-Heimspiele haben Unterhaltungswert. Der Ablauf gestern entsprach gewiss nicht dem vorgesehenen Programm. Doch das Resultat passte. Und am Ende standen die 1000 in der Arena als Anerkennung für die letzten 24 Spielminuten, in denen die Winterthurer praktisch aus dem Nichts heraus in bemerkenswertem Stil doch noch den Weg zum Sieg einschlugen.

Eigentlich gehen solche Spiele verloren. Da fehlte bis zum 17:24 in der 37. Minute nahezu alles, was Pfadi sechs Tage zuvor beim grandiosen Heimsieg über die Kadetten noch geboten hatte. Konzentration und Konsequenz in den Aktionen lagen unter einem erträglichen Level, die Abwehr war mitunter ungeheuerlich löchrig und liess zu viele zu einfache Tore zu. Vorne liefs vergleichsweise etwas besser, aber zwei, drei Serien von missglückten Angriffen verhinderten eine Korrektur des defensiven Wirkens beziehungsweise ein ausgeglichenes Skore.

«Nicht fokussiert»

Nichts passte, die Abpraller landeten, teils selbst verschuldet, beim Gegner, und die Schiedsrichter waren nicht gnädig gestimmt. Dazu stand ein Gegner auf dem Feld, der über die Altmeister Bo Spellerberg und Andrija Pendic viele schön herausgespielte Abschlüsse produzierte. Kurz: Es deutete alles, wirklich alles auf eine Niederlage hin.

In der Pause sei er «richtig sauer» gewesen, erklärte Trainer Adrian Brüngger. «Wir sind in die Falle getappt.» Denn nach dem starken Match gegen die Kadetten und vielleicht im Glauben, es würde einfach so weitergehen, hätten seine Leute «unbewusst ein paar Prozent weniger Leistung» gebracht. «Wir waren nicht fokussiert, in der Abwehr war keiner richtig wach», ergänzte Brüngger. «Normalerweise kommt das nicht gut...»

Sein Weckruf zur Pause zeigte zunächst keine Wirkung. Sondern es wurde noch schlimmer. Die ersten vier Angriffe von Hälfte 2 missrieten. Der aus Winterthurer Sicht zähe, unwirtliche Match schien beim 17:24 gelaufen, zumal Anzeichen der Besserung fehlten. Bis dahin.

Ein erstes Aufbäumen war der Anschluss zum 20:24. Dann scheiterten die Winterthurer verschiedentlich daran, die Distanz entscheidend zu verkürzen, ehe sie aus dem 24:28 ein 28:28 machten. Acht Minuten vor Schluss war plötzlich wieder alles möglich. Mit einem Kunstschuss und unter Zeitdruck erzielte Kreisläufer Markus Dangers in Minute 56 das 30:29, die erste Führung seit dem 7:6. Peter Schramm mit drei Toren und Filip Maros mit einem Treffer besorgten den Rest zum unverhofften 34:31. Dazwischen hatte St. Otmars Benjamin Geisser beim Anspiel übers leere Pfadi-Tor geschossen und war völlig frei an Matias Schulz gescheitert.

Die Paraden von Schulz

Nachdem Simon Schelling gegen die Kadetten gross aufgetrumpft hatte, war nun Schulz der beste Goalie des Abends. Seine Schlüsselparaden brachten Pfadi zurück in die Spur. «Er hat diesen Match gewonnen», lobte Brüngger den Nationalkeeper Argentiniens. Weitere entscheidende Faktoren: Maros, in Halbzeit 1 ausgesprochen diskret, hielt Pfadi nach der Pause mit seinen Treffern im Spiel. Im Moment der Wende war Regisseur Kevin Jud der Antreiber und Skorer. Zudem gelangen Marvin Lier da drei kapitale Treffer. Schramm mit seinen Durchbrüchen war ebenso wertvoll wie Dangers Präsenz am Kreis.

17:7 in letzten 23 Minuten

Daneben fand nun sogar die Verteidigung vermehrt Zugriff auf die St. Galler, bei denen Spellerberg und Pendic allmählich nachliessen. Am Ende gabs im vierten Saisontreffen mit St. Otmar den vierten knappen Sieg.

Die Winterthurer hatten die letzten 23 Minuten 17:7 gewonnen! Sie erzwangen die Wende in einem Spiel, das schon verloren schien. Auch so etwas macht eine Spitzenmannschaft aus. Der Lohn ist der 1. Platz, der weiter einen Punkt vor den Kadetten gehalten wird. Und das Publikum erlebte ein weiteres Mal, dass Abende in der Axa-Arena kein schlechter Zeitvertreib sind.

Pfadi - St. Otmar St. Gallen 34:31 (15:19)

Axa-Arena. – 1013 Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Torfolge: 1:0, 1:2, 5:6, 7:6, 7:7, 7:10, 10:13, 12:13, 12:16, 15:17, 15:19; 15:22, 17:24, 20:24, 21:26, 24:28, 28:28, 28:29, 30:29, 30:30, 32:30, 32:31, 34:31. – Strafen: 6x2 gegen Pfadi, 5x2 gegen St. Otmar. – Pfadi: Schelling (14. Schulz); Quni, Maros (5), Tynowski, Pecoraro, Dangers (5), Lier (7/2), Heer, Jud (8/3), Bräm (1), Lutz, Schramm (8). – St. Otmar: Bringolf (49. bis 58. Kindler); Spellerberg (4), Hedin, Fricker (1), Gwerder (1), Pendic (6/1), Wüstner, Geisser 6), Rauch (1), Wetzel (6), Kaiser (5), Milovic (1). – Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier, Svajlen, Freivogel und Ott, St. Otmar ohne Hörler, Höning und Jurilj (alle verletzt). 12. Schelling hält Penalty von Kaiser. 16. Lier schiesst Penalty an Pfosten. 48. Spellerberg schiesst Penalty über Tor. (Der Landbote)

Erstellt: 06.03.2019, 23:15 Uhr

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