Pfadi

Ballgefühl und etwas Fitness müssen reichen

Am Samstag lässt Pfadi seine goldenen Zeiten aufleben: In der Axa-Arena treffen sich Altmeister aus den Neunziger- und Nullerjahren zum Nostalgiematch am «Celebration Day» des Vereins.

Der «Corner-Champ» in Aktion: Rechtsaussen Daniel Spengler, als er (wie hier 1997 in der Eulachhalle) seine Tore für Pfadi warf.

Der «Corner-Champ» in Aktion: Rechtsaussen Daniel Spengler, als er (wie hier 1997 in der Eulachhalle) seine Tore für Pfadi warf. Bild: Heinz Diener

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Aufs Schusstraining verzichtete er. Das überliess er Goalie Meinrad Landolt und Alex Mierzwa, dem ehemaligen Bundesliga-Spieler, die sich unter der Woche beim Torwurf duellierten. Daniel Spengler verlässt sich auf sein Ballgefühl und trimmt dafür die Kondition, um fürs All-Star-Spiel, das genauso gut Altstar-Spiel heissen könnte, bereit zu sein.

Der «Corner-Champ» der WM 1995 auf Island, der Flügel mit der besten Wurfquote des ganzen WM-Turniers, hat seine Fitnesseinheiten im Win4-Gebäude im Hinblick auf den grossen Match «zielorientiert intensiviert», wie er sagt. Seit dem 22. Dezember trainiert der 51-Jährige jeden zweiten Tag «eine kleine Kraftrunde und eine halbe Stunde Ausdauer». Für wie viele Minuten Einsatzzeit das am Samstag reichen wird, lässt sich vorderhand nicht abschätzen. «Wahnsinnig fit fühle ich mich noch nicht, und allzu viel Substanz darf man ja auch nicht verlieren», lacht er.

Daniel Spengler ist einer aus jener grossen Generation der Neunzigerjahre, die Pfadi zu fünf Meistertiteln in Serie und das Schweizer Nationalteam zum 4. und 7. Rang an den Weltmeisterschaften 1993 und 1995 sowie zu Platz 8 an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta gebracht hat. 111 Länderspiele bestritt der Rechtsaussen aus Basel, der sich noch in den Neunzigerjahren in Wiesendangen niederliess und begann, für eine Winterthurer Elektrofirma zu arbeiten. Ballgefühl und Torhunger bewies er zuletzt auf dem Fussballplatz am Wiesendanger Grümpelturnier.

Neunziger gegen Nuller

Als Pfadi letztes Jahr ums finanzielle Überleben kämpfte, kam Stefan Schärer, ehemaliger Captain und Präsident des Clubs, auf die Idee für diesen Match. Spengler, Landolt, Mierzwa und Walter Baer, bei Pfadi jahrzehntelang der Mann für alle Fälle, schlossen sich ihm an. Im Verlauf der Planung erweiterte Pfadi den Match zum «Celebration Day», der an die erfolgreichen Rettungsaktionen von Pfadi4ever erinnern soll. Das Altstar-Spiel beginnt um 16 Uhr, um 17.45 Uhr wird der neue Pfadi-Song von Giovanni Giorgi und Gotthard-Gitarrist Freddy Scherer aufgeführt. Und um 18 Uhr trifft Pfadis NLA-Team im Testmatch auf den Bundesliga-Siebten MT Melsungen; es ist das Ablösespiel von Roman Sidorowicz, der im Dezember 2018 zu Melsungen wechselte.

Nach diversen Zu- und Absagen werden, so schätzt Spengler, 20 bis 25 Altmeister spielen. Grundsätzlich treten die Cracks der Neunziger- gegen jene der Nullerjahre an. Falls irgendwo Mangel oder Überkapazität herrscht, wird ausgeholfen. «Wir teilen die Mannschaften am Samstag ein», sagt Spengler. Stefan Schärer und Urs Schärer, zwei seiner ehemaligen Kollegen zu den grossen Zeiten von Pfadi und Nationalteam, sind auch am Start – ebenso Mierzwa, Landolt, Manuel und Raphael Liniger, Thomas Gautschi, Rolf Spiller, Heinz Bollinger, Pascal Stauber, Iwan Ursic, Mathias Kasapidis, Oliver Scheuner oder Rolf Dobler, der auf Facebook Bilder seiner Polster und Gelenkschoner stellte und dazu schrieb: «Zum letzten Mal für die Pfadfinder, weil ich ihnen viel zu verdanken habe.»

«Zum letzten Mal für die Pfadfinder»: Die Ausrüstung von Rolf Dobler ist bereit. Bild: Facebook

Von den vielen Handballern aus dem Ausland, die für Pfadi antraten, werden voraussichtlich einzig Mierzwa und der Litauer Julius Marcinkevicius im Einsatz sein. Der Norweger Morten Schönfeldt, dessen Sohn Henrik in Pfadis NLB-Team spielt, und der Südkoreaner Chi-Hyo Cho, mit sechs Titeln Pfadis Rekordmeister und bis vor kurzem Trainer der Seen Tigers, mussten kurzfristig absagen. Ein Besuch von Jae-Won Kang, dem besten Handballer, der je in der Schweiz spielte, blieb lange ein Thema, ehe klar war, dass er dieses Wochenende als Trainer seines Frauenteams in der Meisterschaft Südkoreas antreten muss.

Endlich eine richtige Arena

Als Pfadi zwischen 1992 und 2004 die Liga dominierte und neun Meistertitel holte, blieben Auftritte in einer angemessenen Heimhalle ein Traum. Inzwischen steht die Axa-Arena, und immerhin jetzt kommen die alten Grössen zum Genuss. Vor allem für Daniel Spengler wirds ein Heimspiel: Für «seine» Elektrofirma hatte er den Bau von der Offerte bis hin zur Abrechnung begleitet.

Erstellt: 24.01.2020, 15:04 Uhr

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