Handball

Damit der Oktober zum Fest wird

Markus Dangers, Pfadis neuer Kreisläufer aus Bayern, ist ein Gewinn fürs Team. An der Europacup-Entscheidung am Sonntag in der Axa-Arena erlebt er ein doppeltes Heimspiel.

Kaum einer fliegt schöner als Markus Dangers, Pfadis neuer Kreisläufer aus München mit einer Schwäche fürs Oktoberfest und die Bayern.

Kaum einer fliegt schöner als Markus Dangers, Pfadis neuer Kreisläufer aus München mit einer Schwäche fürs Oktoberfest und die Bayern. Bild: Martin Deuring

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Münchner fühlen sich zu dieser Jahreszeit ausgesprochen wohl. Jedes Jahr sei er auf der Wiesn gewesen, schwärmt Markus Dangers. Ausser 2018. Diesmal musste er das «wahre» Oktoberfest, das letzten Sonntag zu Ende ging, streichen: Die Termine mit Pfadi liessen keinen Abstecher in die Heimatstadt zu.«Das war hart», lächelt er. Aber er kanns verkraften. «Davon geht die Welt nicht unter.» Denn insgesamt überwiegen die positiven As­pekte­ seines Wechsels nach Winterthur deutlich. «Alles bestens», betont der 24-Jährige. «Es gefällt mir sehr gut, die Mannschaft hat mich super aufgenommen, es macht riesig Spass. Die Jungs sind alle etwa im gleichen Alter, wir unternehmen viel zusammen.» Und auf dem Feld «funktioniert es allmählich auch recht gut», ergänzt der Kreisläufer.

Der Handballer des TUS Fürstenfeldbruck, mit dem er 2013 bayrischer Meister und Pokal­sieger wurde, bestritt die letzten drei Saisons beim HBW Balingen-Weilstetten. Er trainierte regel­mässig mit der ersten Mann­schaft, kam zu ein paar Teil­einsätzen in der 1. Bundes­liga, spielte aber vorwiegend im Perspektivteam, das in der dritthöchsten Liga antritt. Nach Balingens Abstieg 2017 in die 2. Bundesliga änderte sich nichts daran­. «Ich hätte mir zugetraut, dass ich mithalten könnte», meint er. Aber im (letztlich missglückten) Bestreben nach dem sofortigen Wiederaufstieg wollte man offenbar, wie Dangers sagt, «wenig Experimente eingehen».

«Das Drehen am Mann»

Umso mehr schätzt er die aktu­elle Situa­tion bei Pfadi. «Jetzt bin ich ein wichtiger Teil der Mannschaft.» Seine Qualitäten stellte der kräftige Kreisläufer, 1,90 m gross und 100 Kilo schwer, immer wieder unter Beweis. Sehenswert ist der Stil, wie er sich mit einer schnellen Drehung zum Abschluss­ bringt und aufs Tor wirft. «Das Drehen am Mann mache­ ich gerne», erklärt er. «Dieses Bewegungsmuster habe ich mir über die Jahre hinweg an­ge­eignet. Ich bin nicht sehr gross. Da muss man sich anderswie Vorteile verschaffen.»

In der Abwehr, ergänzt Dangers, «könnten meine Beine dage­gen noch schneller sein ...» Obschon seine kämpferischen Qualitäten unübersehbar sind, scheint er defensiv das grösste Potenzial nach oben zu haben. «Er muss noch lernen», erklärt Trainer Adrian Brüngger, «regelmässig an sein absolutes körperliches Limit zu gehen.»

Im Januar und Feb­ruar tauchte Markus Dangers in Winterthur zu Probetrainings auf. «Dann hats irgendwie geklappt, glück­li­cher­weise», sagt er. Noch im Feb­ruar wurde bekannt, dass er bei Pfadi für zwei Jahre unterschrieben hat. Im Sommer übernahm er in Oberwinterthur die Wohnung von Ante Kuduz, der Pfadi verliess. «Sehr gemütlich, idyllisch und ruhig» sei es dort in der Nähe eines Waldes. «Schon speziell für einen Städter wie mich», bemerkt Dangers, der sich im Fernstudium mit Politikwissenschaften beschäftigt und die Prüfungen in Zürich schreiben wird. Was den beruflichen Weg angehe, sei er «noch in der Findungsphase», erklärt er. An der Universität in Tübingen hatte er Politik und Volkswirtschaftslehre studiert.

Auf der Winterthurer To-do-Liste befindet sich unter anderem ein Matchbesuch auf der Schützenwiese beim FCW. Einem Münchner wie ihm liegt der Fussball am Herzen. «Entweder man ist Fan der Bayern oder von 1860.» In seiner Familie sei jeder auf der Seite der Bayern, also­ natürlich auch er. «Ich war öfters an Bayern-Spielen.» Zuletzt beim Cup-Final 2018 in Berlin, der gegen Frankfurt verloren ging. Das traf ihn ebenso wie die aktuelle Lage in der Bundesliga. «Doch man muss auch die schlechten Zeiten überstehen ...»

Zwei Premieren

Dieser Oktober ist für ihn nicht nur wegen des Bayern-Tiefs und der Wiesn-Absenz ziemlich speziell, sondern auch aus sportlicher Sicht. Vorletzten Dienstag beim NLA-Match in St. Gallen musste Dangers vorzeitig vom Feld, obwohl er nur zwei statt der drei Zeitstrafen eingefangen hatte, die für einen Ausschluss erforderlich wären. «Noch nie erlebt» habe er dies, weder bei der eigenen noch der gegnerischen Mannschaft.

Eine zweite Premiere, jene im Europacup, folgte letzten Samstag in Aalborg vor 3000 Zuschauern. Er sei «etwas demütig an die Sache herangegangen. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt», erklärt Dangers. Sein Fazit: «Ziem­lich cool in der Halle, mit vielen Leuten und einer tollen Stimmung. Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt», blickt er aufs Hinspiel der 2. Runde des EHF-Cups zurück, das mit einer 29:31-Niederlage endete – und Pfadi alle Chancen fürs Heim-Rückspiel am Sonntag lässt.

«Es ist machbar», hofft Dangers auf ein Weiterkommen. Er spricht mit viel Respekt über den dänischen Meister von 2017: «Eine Topptruppe. Wenn sie ihr Bestes abruft, brauchen wir eine sehr gute Leistung.» Ihm wird die Ambiance im Rückspiel gefallen: Die Axa-Arena wird zum Oktoberfest umgestaltet, mit Weisswurst, Brezel, süssem Senf und Bier im kulinarischen Angebot. Wer im Dirndl oder in Lederhosen auftaucht, erhält Gratiseintritt. «Ich wusste gar nicht, dass man Oktoberfest auch hier feiert. Es wird sicher ganz lustig.»

Aber zum Fest wird dieser Okto­ber erst dann, wenn Pfadi den Spitzenklub aus dem Land des Olympiasiegers aus dem Europacup wirft. (Der Landbote)

Erstellt: 11.10.2018, 10:14 Uhr

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