Handball

Der unvergleichliche Dezember

Mit dem Schweizer Nationalteam kehrt Roman Sidorowicz heute Abend am Yellow Cup in die Axa Arena zurück, die er vor fünf Wochen Richtung Bundesliga verlassen hat.

Mit «schnellen Beinen und einem guten Wurf» beschäftigte Roman Sidorowicz auch die Verteidiger von Meister Flensburg-Handewitt (rechts Teamkollege Felix Danner).

Mit «schnellen Beinen und einem guten Wurf» beschäftigte Roman Sidorowicz auch die Verteidiger von Meister Flensburg-Handewitt (rechts Teamkollege Felix Danner). Bild: Andreas Fischer

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Jahrelang träumt man davon, und plötzlich ist es so weit. Bei Roman Sidorowicz dauerte die Zeitspanne zwischen Wunsch und Realität fünf Tage. Am Donnerstag das Telefon aus der Bundesliga von Heiko Grimm, dem Trainer der MT Melsungen, am Samstag das letzte Spiel in der Axa Arena mit seinen alten Kumpanen von Pfadi Winterthur, am Montag die Zugreise nach Nordhessen und noch am gleichen Abend das erste Training mit der neuen Mannschaft.

Der gute Einstand

Sidorowicz, 27-jährig und 44-facher Schweizer Nationalspieler, wurde vom aktuellen Bundesliga-Sechsten geholt, um im Rückraum für Entlastung zu sorgen, als Ersatz für Domagoj Pavlovic, der Ende November einen Knöchelbruch erlitten hatte. Bisher hat Sidorowicz seinen Job gut erfüllt. Den Einstand im Traumland Bundesliga gab er am 6. Dezember, nur drei Tage nach der Zugreise aus der Schweiz. Bei Melsungens 18:24-Heimniederlage in der mit 4300 Zuschauern vollen Kasseler Rothenbach-Halle gegen Meister Flensburg-Handewitt erzielte Sidorowicz in der ersten Halbzeit gleich vier Tore. «Er hat einen guten Wurf und schnelle Beine», lobte Melsungens Kreisläufer Felix Danner danach den Debütanten.

Es folgten drei Tore bei der Niederlage beim TBV Lemgo, dann vor Weihnachten sechs Treffer beim Auswärtssieg über Gummersbach, womit er bester Skorer seines Teams und einer der Matchwinner war, sowie zuletzt am 27. Dezember drei Tore beim Heimsieg im Hessenderby gegen Wetzlar (mit Nationalteamkollege Lenny Rubin). Meistens spielte er im linken Rückraum, defensiv trat er als vorgestellter Verteidiger im 5-1- oder als «Zweier» im 6-0-System an.

«Ich sehe mich momentan noch als Unterstützungsspieler», beschreibt er seine Rolle. Angesichts dessen, dass er in eine neue Mannschaft kam, die Abläufe in ein paar wenigen Trainings erst einmal kennen lernen musste und nun in einer der Topligen antritt, seien «die ersten paar Spiele nicht schlecht gewesen», darf aber selbst Sidorowicz einräumen. Er spüre das Vertrauen des Trainers, der ihn aus dessen langen Jahren in der Schweiz her kennt und mit dem er einst bei GC Amicitia Zürich zusammen gespielt hat.

Die besondere Feier

«Der Anfang war nicht ganz einfach – in einer neuen Umgebung, weit weg von Familie und Freundin», blickt Sidorowicz auf die ersten Tage in Deutschland zurück. «Nach zwei Wochen habe ich mich aber immer wohler gefühlt.» Seine Freundin besucht ihn regelmässig in Melsungen, der schmucken historischen Kleinstadt mit knapp 15 000 Einwohnern. Über Weihnachten reisten die Eltern und die zwei Schwestern an und buchten über Airbnb eine Hütte rund eine halbe Stunde ausserhalb von Melsungen. Dort feierte die Familie Weihnachten. «Wir haben gekocht, gegessen und die Zeit miteinander genossen», erzählt Sidorowicz. «Es waren etwas andere Weihnachten . . . Wir werden sie sicher nie vergessen.» Sie passten zu diesem unvergleichlichen Dezember, den er seit jenem Telefonanruf von Grimm erlebt hatte.

Die möblierte Wohnung in Melsungen, wo er seit seiner Ankunft lebt, wäre zu klein für eine Familienfeier gewesen. Die Miete läuft bis Ende Februar. «Je nachdem, wie es weitergeht, schaue ich mich nach einer eigenen Wohnung um», bemerkt Sidorowicz. Will heissen: Er würde den Vertrag mit Melsungen, der bis Ende Saison befristet ist, gerne verlängern. Bisher habe man darüber «noch nicht konkret gesprochen», erklärt er. Positive Zeichen hat er mit seinen ersten vier Bundesliga-Einsätzen schon mal platziert.

Die intensive Rückkehr

Zunächst steht ohnehin anderes an. Am 28. Dezember reiste er aus Melsungen ab. Diesen Mittwoch und Donnerstag trainierte er mit der Nationalmannschaft in Schaffhausen. Gestern Abend zog sie nach Winterthur weiter, wo am Wochenende der 47. Yellow Cup ausgetragen wird.

Heute Freitag tritt Roman Sidorowicz, der ehemalige Pfadi-Skorer, der sich aufs Wiedersehen mit alten Bekannten freute, zum ersten Mal seit seinem Abschied am 1. Dezember wieder in der Axa Arena auf, diesmal als Nationalspieler gegen die aufstrebenden Japaner. Am Samstag und Sonntag folgen die Turnierspiele gegen Portugal und Tunesien. Eine Woche später sind in Zug zwei Testpartien gegen Polen, die Heimat seines Vaters, angesetzt.

Dazwischen muss er, ebenso wie Pfadi-Captain Cédrie Tynowski, für die Abschlussprüfungen der Berufsmittelschule lernen, die am 14. Januar anstehen. Langweilig wirds ihm auch in der Schweiz nicht. (Der Landbote)

Erstellt: 04.01.2019, 09:29 Uhr

47. Yellow Cup in der Axa Arena

Freitag
18.00: Portugal - Tunesien
20.30: Schweiz - Japan
Samstag
16.00: Tunesien - Japan
19.00: Schweiz - Portugal
Sonntag
13.00: Japan - Portugal
15.30: Schweiz - Tunesien

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