Die Chance in der Not

Pfadis lange Absenzenliste führt dazu, dass andere Spieler ungewohnt viel Verantwortung übernehmen müssen. Am meisten Yannick Ott.

Der Sprung von der Komfortzone ins kalte Wasser: Yannick Ott (links) hat ihn bewältigt.

Der Sprung von der Komfortzone ins kalte Wasser: Yannick Ott (links) hat ihn bewältigt. Bild: Urs Kindhauser

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«Diese Situation haben wir uns natürlich nicht gewünscht.» Trainer Adrian Brüngger muss auf sechs verletzte Leistungs­träger verzichten. Am Mittwoch beim knappen Heimsieg über den HSC Suhr Aarau spielte seine Mannschaft, in Angriff und Abwehr, teils in Formationen, «mit denen wir noch nicht mal trainiert haben».

Die Ausfälle schwächen das Bestreben, mit Heimvorteil in die Playoffs zu steigen. Heute Samstag (um 18 Uhr) in der Eulachhalle gegen Cupsieger Wacker Thun und eine Woche später auswärts gegen den HC Kriens-Luzern folgen zwei Treffen gegen direkte Konkurrenten, die Pfadis Position als Tabellenzweiter gefährden können. «Wir müssen diese zwei Spiele irgendwie überleben», sagt Brüngger, «und, wenn möglich, einen bis zwei Punkte daraus holen.» Nach Kriens ruht die Meisterschaft für zweieinhalb Wochen. Zeit, um an Comebacks zu arbeiten.

Aus der Komfortzone

«Diese Situation» hat aber auch einen durchaus positiven Nebeneffekt: «Es ist recht interessant zu sehen», erklärt Brüngger, «was passiert, wenn Spieler aus ih­­rer Komfortzone herausmüssen. Wenn sie ins kalte Wasser geworfen werden» und so die Chance erhalten, sich zu präsentieren.

Yannick Ott, 20-jähriger Spielmacher aus Pfungen, hat diese Chance in den ersten Partien der Finalrunde gegen den BSV Bern und HSC Suhr Aarau genutzt. Zuvor war der Schlüsselspieler des NLB-Teams in der Nationalliga A und im Europacup vorwiegend zu Blitzeinsätzen gekommen. Nun musste er tragende Rollen im ­linken Rückraum sowie – gegen Suhr Aarau – selbst in der Verteidigung übernehmen. Er griff druckvoll sowie solid an und gab auf der ungewohnten Zweierposition in der 6:0-Abwehr sein Bestes.

«Ich bin froh, dass ich zum ersten Mal auf diesem Niveau möglichst viel spielen kann», sagt Yannick Ott. Bei kurzen Teileinsätzen sei jeweils die Devise, «ja keinen Fehler zu machen». Man will in den paar Minuten auf gar keinen Fall schlecht aussehen. «In den letzten zwei Spielen wusste ich, dass ich aus mir herauskommen, meinen Teil leisten und Verantwortung übernehmen musste», erklärt der Pfungemer, der sich selbst als «eher zurückhaltend» bezeichnet. Das Vorhaben glückte. «Es gibt Situationen, in denen er sich noch mehr getrauen kann», beschreibt der Trainer. «Andererseits spielt er natürlich sehr verlässlich. Das ist wichtig.»

Eine Familienangelegenheit

Handball liegt in der Familie. Seine Mutter spielte früher, der Vater ist für Pfadi in der 1. und 2. Liga als Trainer tätig, die Schwester tritt für den HC Neftenbach an. Auf U15-Stufe wechselte Yannick Ott vom HCN zu Pfadi. Vor drei Jahren erhielt er die ersten NLA-Aufgebote. Seit den U17 gehört er zu den Schweizer Nachwuchsauswahlen. Diese Phase neigt sich dem Ende zu. Die U21-WM im Sommer in Algerien «wäre ein schöner Abschluss für unseren 96er-Jahrgang gewesen», sagt Ott. Aber im Januar auf den Färöern «haben wir die Qualifikation ja leider nicht geschafft».

Seine Einsätze in der Nationalliga A schwächen die SG Yellow/Pfadi Espoirs, für die er eine Doppellizenz besitzt und die in der NLB um den Ligaerhalt kämpfen. Fehlte der Spielmacher, haben die jungen Winterthurer noch keinen Punkt geholt. Bei den bisher fünf Siegen der SG stand Ott immer im Einsatz. Der Spielplan lässt zu, dass er künftig hin und wieder in der Nationalliga B aushelfen kann. «Wir müssen noch ein paar Punkte holen», hofft er fürs Winterthurer Nachwuchsteam, das heute um 15.30 Uhr zum Vorspiel des NLA-Spitzenkampfes den TV Endingen, den Leader und Cup-Finalisten, empfängt.

«Um Spielzeit kämpfen»

Der Ende Saison auslaufende Vertrag bei Pfadi wurde im Dezember um zwei weitere Saisons verlängert. Ott entschied sich für diesen Schritt und gegen die Variante, bei einem anderen Klub mehr «garantierte» Spielzeit zu erhalten. Die Gründe: «Ich kann auf hohem Niveau trainieren, um Titel und auch international spielen.» Und er sagte sich: «Eine solche Chance bei Pfadi ist nicht selbstverständlich und ich will um meine Spielzeit kämpfen.» Im Moment stimme es so. «Ich bin jung. Die Möglichkeit bei einem anderen Klub wäre später immer noch da.» ()

Erstellt: 18.02.2017, 09:22 Uhr

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