Die unverhofften Siege sind die schönsten

Acht Spieler fehlten verletzt und dennoch setzte sich Pfadi 32:27 (15:13) bei den Kadetten Schaffhausen, dem farblosen Meister, durch.

Sieben Tore erzielte Ante Kuduz bei Pfadis Coup in Schaffhausen gegen den Meister.

Sieben Tore erzielte Ante Kuduz bei Pfadis Coup in Schaffhausen gegen den Meister. Bild: Martin Deuring

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Im Vorfeld hätte nun wirklich nichts darauf hingedeutet, dass Pfadi am Samstag einen Sieg aus Schaffhausen würde mitnehmen können. Denn das Matchblatt sagte dies: Zwei Torhüter und nur noch neun Feldspieler standen zur Verfügung. Acht Spieler fehlten, darunter der Captain und vier aktuelle Nationalspieler. Dazu war Kevin Jud in den Tagen davor krank und Ante Kuduz angeschlagen.

Der Auftritt gegen den Meister wurde deshalb zu einem Spiel, in dem die Winterthurer nicht einmal eine Spur Prestige hätten verlieren können. Doch dann wurde es zu einem, in dem sie mit den vorhandenen Mitteln das Maximum erbrachten und das Maximum holten: zwei Punkte und die weiter existierende Chance, als Nummer 1 ins Playoff zu gehen.

Nicht einmal gefährdet

Dank Paraden von Mathias Schulz bekam Pfadi das Spiel früh in den Griff. Weil die Torproduktion nach dem 11:6 kurz stockte, schlossen die Schaffhauser zum 12:10 auf. Die Differenz blieb, ehe sich die Winterthurer nach der Pause leicht absetzten. Mehr als auf drei Tore (zuletzt beim 24:21) liessen sie den Gegner nicht mehr herankommen. Am Ende spielten sie die Partie souverän und erstaunlich ungefährdet zu Ende. «Es war nicht einmal knapp. Wir hatten das Spiel relativ sicher in der Hand», freute sich Trainer Adrian Brüngger. «Das ist schon eine Überraschung, eine Topleistung. Dieser Sieg kam sehr unerwartet, deshalb ist er umso schöner.»

Brüngger hob hervor: «Jeder Spieler hat Verantwortung übernommen. Alle zeigten Moral und Charakter.» Er lobte Schulz: «Ein Torhüter, den wir heute hatten, hilft natürlich schon. Das war die Basis.» Die Verteidigung hielt, auch ohne Marcel Hess, meistens dicht. «Und vorne haben wir teilweise sehr guten Handball geboten», betonte der Trainer. «Wir haben sauber und diszipliniert gespielt.» Mitunter auch mit Finten.

Wie Rechtshänder Fabrizio Pecoraro vom rechten, demnach falschen Flügel aus das nicht unwichtige 26:21 erzielte, war ebenso sehenswert wie der Drehball von Linksaussen Joël Bräm zum 31:24. Dazwischen hämmerte Lukas Heer den Ball ins hohe Eck zum 28:22. Handballer also, die nicht zur Stammformation zählen, leisteten ihre Beiträge. Auch Mathias Kasapidis in der Abwehr oder Defensivspezialist Stefan Freivogel mit zwei sauberen Abschlüssen am Kreis. Die verbliebenen Leistungsträger im Aufbau waren die besten Schützen: Ante Kuduz (7 Tore), Jonas Langerhuus (6) und Kevin Jud (9). Jud lenkte das Spiel hervorragend. Schulz war der ­beste Torhüter auf dem Feld. Arunas Vaskevicius krönte seinen einzigen­ Einsatz mit einer Parade im altmeisterlichen Penaltyduell gegen Manuel Liniger.

Ohne Saft und Emotionen

Nun hat Pfadi die Kadetten in der laufenden Saison in drei NLA-Begegnungen dreimal bezwungen. Dreimal ziemlich souverän. Die Winterthurer waren bei diesem 32:27 am Samstag der berechtigte Sieger; sie stellten die bessere Mannschaft, obschon die Hälfte davon auf der Tribüne zuschauen musste. Das wird sie beflügeln und muss den Kadetten zu denken geben.

Der Meister spielte, wie schon beim 28:24 im Februar in der Eulach­halle, saft- und emotionslos. Die ganze Mannschaft stecke in einem Tief, erklärte Rechtsaussen Max Gerbl nach dem Match den versammelten Fans in der Bar der BBC-Arena. «Mit Kampf und Emotionen müssen wir wieder zurück zu unserem Spiel finden», betonte er.

So dürfe man natürlich nicht aufs Feld kommen, meinte Linksaussen Liniger zum faden Auftritt. «Auch in den letzten Jahren hatten wir Durchhänger vor dem Playoff. Und dann kommt eine Mannschaft wie Pfadi mit so wenig Leuten ...» Da scheint die Gefahr gross, nicht mit letztem Willen zur Sache zu gehen. Die Nichtleistung des Titelverteidigers wird intern zu reden geben. Die entscheidenden Wochen nahen, irgend­wann müssen die Kadetten in dieser durchzogenen Saison den Schalter kippen. Sonst gibts einen neuen Meister.

Der Dreikampf geht weiter

Sie spielten unter ihrem Niveau, und die Winterthurer traten auf wie eine Mannschaft, die sich für den Erfolg aufopferte und das Beste aus dem Möglichen herausholte. Mit dem Coup in Schaffhausen erhielten sie einen verdienten, schönen Lohn.

Mehr ist noch nicht gewonnen; der Meistertitel wird erst im Playoff vergeben. Aber die Winterthurer brachten es ein weiteres Mal fertig, sich auch mit arg reduziertem Bestand an der Spitze halten­ und Spitzenteams schlagen zu können. Trotz Personalmangel hatten sie zuvor in der Finalrunde neben den Kadetten auch die Thuner bezwungen. Zwei Punkte liegen sie nun hinter Leader Wacker Thun zurück, der am Freitag in der Eulachhalle antritt. Ein Sieg dort allein genügt wegen des Torverhältnisses aber noch nicht für den 1. Platz. In der Schlussrunde spielt Pfadi am Sonntag darauf in Kriens, während Wacker die Kadetten emp­fängt.

Der Dreikampf an der Spitze wird sich im Playoff fortsetzen. Wer dieses als Finalrundensieger mit durchgehendem Heimvorteil bestreiten kann, ist nicht so entscheidend wie der Faktor, im richtigen Moment bereit zu sein. Die Kadetten haben zuletzt immer wieder ihre Playoff-Tauglichkeit bewiesen. Mit ihnen bleibt ebenso zu rechnen wie mit Wacker und Pfadi, die bisher eine stabilere Saison hingelegt haben – und derzeit entsprechend die Plätze 1 und 2 belegen. (Der Landbote)

Erstellt: 12.03.2018, 12:58 Uhr

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