Handball

Diesmal überwindet Pfadi die Thuner Hürde

Mit einer beeindruckenden Teamleistung hat sich Pfadi im Playoff-Halbfinal in Thun 30:25 (14:15) durchgesetzt, die Best-of-5-Serie damit 3:1 gewonnen und den Schweizer Meister entthront. Jetzt warten im Final die Kadetten Schaffhausen.

Es ist vollbracht: Zum ersten Mal seit 2003 gewinnt Pfadi eine Playoffserie gegen Wacker Thun.

Es ist vollbracht: Zum ersten Mal seit 2003 gewinnt Pfadi eine Playoffserie gegen Wacker Thun. Bild: Christian Pfander

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Kevin Jud tauchte auf, als Pfadis Fahrt nach Thun zum vierten Match des Playoff-Halbfinals anstand. Aber er stieg nicht in den Bus, sondern kehrte nach Hause zurück. Die Magen-Darm-Geschichte hätte weder eine Reise noch ein Handballspiel zugelassen. Damit fehlte der Regisseur mit MVP-Potenzial. Aber nicht nur er: Auch Rechtsaussen Cédrie Tynowski, Captain und Nationalspieler, musste angeschlagen forfait geben.

«Viele Schlüssel zum Erfolg»

Die Ausgangslage also war für ein potenziell entscheidendes Spiel auf dem härtesten Pflaster im Schweizer Clubhandball alles andere als ideal. Und dann machten die Winterthurer das Beste aus der Situation. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison packte die Mannschaft jene Qualitäten aus, die es braucht, um als Team erfolgreich zu sein.

Sie veteidigte gut und sie griff solidarisch, mit Tempo und Druck an. Nicht alles lief zunächst rund. Jud hätte möglicherweise andere Lösungen als Filip Maros gefunden und auf Rechtsaussen hätte Tynowski vielleicht mehr als eine Nullbilanz zur Pause herausgeholt. Aber insgesamt galt am Ende dies: Jeder leistete seinen Beitrag. Maros als Spielmacher und Mann für Versuche unter Zeitdruck sowie auch die Rechtshänder Fabrizio Pecoraro und Joël Bräm, die Tynowski auf dem für sie falschen Flügel ersetzten.

Lukas Heer und Peter Schramm traten effizient im Rückraum auf, Markus Dangers war am Kreis lange Zeit eine Bank. Topskorer Marvin Lier machte in wichtigen Phasen seine vier Tore. Und Goran Cvetkovic, der Assistenztrainer, der wegen des Personalmangels seit der Finalrunde wieder spielt, bewies alte Klasse. Der einzige Linkshänder im Pfadi-Team von gestern versenkte drei Würfe und brillierte mit dem Pass des Abends, als er Dangers am Kreis backhand spielte. An sich hätte Cvetkovic mittlerweile ein eigenes Matchtenü verdient: Gestern trat er mit der Nummer 23 von Dimitri Murri auf... Weil Jud fehlte, «hatten wir 30 Offensivaktionen möglichst gleichmässig zu verteilen», sagte Trainer Adrian Brüngger und lobte den Teameffort. «Wir hatten viele Schlüssel zum Erfolg.»

Dazu gehört auch die Defensive. Der Wechsel vom 3-2-1 zur 5-1-Variante zeigte vor allem in der zweiten Halbzeit Wirkung. «Wir hatten schon vor der Pause recht gut verteidigt. Danach verhielten wir uns auch besser im Rückzug», erklärte Brüngger. Wacker kam kaum mehr zu schnellen Treffern.

15 Paraden in einer Hälfte

Von der 30. bis zur 50. Minute erzielten die Thuner, welche die ausgeglichene erste Halbzeit noch 15:14 gewonnen hatten, nur gerade sechs Tore. 26:21 lagen die Winterthurer zu diesem Zeitpunkt in Führung. Die Winterthurer verteidigten ihre Reserve bis zum Schluss. Entscheidende Hilfe leistete dabei Matias Schulz. Der argentinische Nationaltorhüter parierte in der zweiten Halbzeit 15 gegnerische Würfe. Mehr darf man von einem Keeper schlicht nicht erwarten. Schulz war letztlich der Exponent einer hervorragenden Teamleistung.

Wacker, vor einem Jahr noch 3:1-Sieger im Playoff-Final gegen Pfadi, wurde gestern als Meister entthrohnt. Die Thuner waren in beiden Partien in Winterthur sowie nun auch in diesem Spiel 4 nicht die bessere Mannschaft. Sie präsentierten einmal mehr ihre Kämpferqualitäten, aber insgesamt reichte es nicht, um die Winterthurer, die letztlich mehr aus ihren Möglichkeiten herausholten, aus dem Rennen zu drängen. Trotz des Ausscheidens blieben sämtliche Zuschauer in der Lachenhalle, um ihre Mannschaft zu verabschieden. Dieser Verein hat Klasse.

Ein historischer Sieg

Pfadi vollbrachte gestern Historisches. Vor einem Jahr hatte man im Halbfinal zum ersten Mal seit dem Meistertitel 2004 eine Playoffserie gegen die Kadetten Schaffhausen gewonnen. Jetzt setzte man sich zum ersten Mal seit dem Meistertitel 2003 im Playoff gegen Wacker durch (nach drei 1:3-Niederlagen).

«Jetzt fehlt «nur» noch der Final», lächelte Brüngger gestern. Einen Playoff-Final haben die Winterthurer seit 2004 nicht mehr für sich entschieden. Ab nächsten Donnerstag in Schaffhausen unternehmen sie einen weiteren Anlauf. Es ist ihr dritter Playoff-Final in Serie, was Pfadis Position im Schweizer Clubhandball unterstreicht.

Wacker Thun - Pfadi 25:30 (15:14)

Lachenhalle. – 1780 Zuschauer. – SR Boskoski/Stalder. – Torfolge: 1:0, 1:2, 2:4, 3:5, 6:5, 9:8, 9:11, 11:11, 12:12, 12:12, 15:14; 15:17, 17:17, 17:20, 19:23, 20:25, 22:27, 24:30, 25:30. – Strafen: 2 x 2 gegen Wacker, 4 x 2 gegen Pfadi. – Wacker: Wick (15. Winkler); Linder (2), Felder (1), Raemy (1), Dähler (3), Suter (6), Lanz (3), Wyttenbach (5/5), Friedli (1), Simon Huwyler (1), Guignet (1), Manse (1), Stefan Huwyler, Krainer. – Pfadi: Schulz (Schelling für 2 Penaltys); Quni, Maros (2), Pecoraro (1), Dangers (6), Lier (4/2), Heer (5), Bräm (1), Freivogel, Cvetkovic (3), Svajlen (1), Schramm (7). – Bemerkungen: Wacker ohne Holm und Delhees (beide verletzt), Pfadi ohne Vernier (verletzt), Tynowski und Jud (beide krank). 37. Schulz hält Penalty und Nachschuss von Wittenbach.

Erstellt: 09.05.2019, 23:15 Uhr

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