Handball

Ein Bundesligist angelt sich Sidorowicz

Der 31:28-Heimsieg über St. Otmar war der letzte Auftritt von Roman Sidorowicz für Pfadi. Der Rückraumschütze stösst per sofort zum Bundesliga-Fünften Melsungen.

Zum Abschied nochmals zum besten Spieler des Abends gewählt: Roman Sidorowicz (links Markus Herzog, Präsident von Go4PfadiJuniors) nach dem Heimsieg über St. Otmar.

Zum Abschied nochmals zum besten Spieler des Abends gewählt: Roman Sidorowicz (links Markus Herzog, Präsident von Go4PfadiJuniors) nach dem Heimsieg über St. Otmar. Bild: Martin Deuring

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Etwas Besonderes musste geschehen sein, weil sich am Samstagabend Pfadis gesamte Mannschaft in der Axa-Lounge der neuen Arena ihren Anhängern präsentierte. Nicht der eben geschaffte Heimsieg im Spitzenspiel gegen St. Otmar war das Thema, sondern Roman Sidorowicz: Der 27-jährige Aufbauer, 44-facher Nationalspieler, kann sich seinen Traum erfüllen und wechselt in die Bundesliga.

Am Donnerstag war die Anfrage der MT Melsungen in Winterthur eingetroffen. Sidorowicz hatte eine deutsche Nummer auf dem Handy, er rief zurück und Heiko Grimm, Melsungens Trainer, den er auch aus früheren Zürcher Zeiten kennt, war dran. Der Bundesliga-Fünfte, dem derzeit sechs Leistungsträger verletzt fehlen, fragte nach, ob ein Wechsel von Sidorowicz möglich sei. Er war es – erstens vom Spieler und zweitens auch von Pfadi aus.

«Wir freuen uns für Sido und wir haben unser Versprechen gehalten», erklärte Klubpräsident Jürg Hofmann. 2016 hatten die Kadetten Schaffhausen dem Pfadi-Skorer ein offenbar einträgliches Angebot vorgelegt. Sidorowicz verzichtete und entschied sich, seinen Vertrag in Winterthur bis Ende Saison 2019/20 zu verlängern. Im Gegenzug versprach man, ihn ziehen zu lassen, sobald ein Team aus einer europäischen Topliga konkretes Interesse an ihm zeigen würde. Das war nun der Fall. Sidorowicz wechselt leihweise bis Ende Saison zur MT Melsungen, sie besitzt die Option auf eine definitive Übernahme. Falls dies nicht geschieht, könnte er wieder zu Pfadi zurück kehren.

Heiko Grimm, ehemaliger Spieler von GC Amicitia und Pfadi sowie bis Anfang 2018 noch Trainer des HC Kriens-Luzern, kennt die Qualitäten des Neuen bestens. Spuren in Deutschland hat Sidorowicz aber auch selbst hinterlassen. Vor genau zwei Jahren im EHF-Cup gegen Göppingen buchte er in zwei Spielen 18 Tore. «Was diese Nummer 11 gemacht hat, war unglaublich», meinte damals Göppingens Trainer Magnus Andersson.

«Nichts zu verlieren»

«Sehr perplex» sei er direkt nach Melsungens Anfrage gewesen. «Aber ich musste natürlich nicht lange überlegen», bemerkte Sidorowicz, der im Januar Abschlussprüfungen an der Berufsmittelschule absolvieren wird.

Am Samstag vor versammelter Pfadi-Gemeinde sagte er: «Die Bundesliga war schon immer mein Riesenwunsch.» Ihm stehe «ein riesiges Abenteuer» bevor. «Ich habe nichts zu verlieren, ich gehe mit voller Energie und positiv an das Ganze heran.»

Von seinem Aufstieg in die Bundesliga erfuhr die Mannschaft direkt nach Spielschluss in der Kabine. Die Gefühle der Pfadi-Gemeinde waren gemischt. Einerseits verliert man den wichtigsten und flinksten Werfer aus dem Rückraum, andererseits mag ihm jeder diesen Karrierenschritt gönnen. «Wir sind stolz, dass wir ihn begleiten und ihn zu einem Bundesligaspieler machen konnten», betonte Hofmann. Trainer Adrian Brüngger erklärte: «Es ist klar, dass wir seinen Wechsel unterstützen. Für unser Team ist es ein herber Verlust, Sido war als Spieler und als Persönlichkeit sehr wichtig.» Sidorowicz, der 2014 von GC Amicitia nach Winterthur kam, ist nach Manuel Liniger (2005 zu Wilhelmshaven) erst der zweite Schweizer Handballer, der Pfadi Richtung Bundesliga verlässt.

Am Montag gehts los

Die Klubführung wird in den nächsten Tagen darüber beraten, wie der Abgang aufgefangen werden soll. Der Markt bietet derzeit nicht viel, ausserdem bleiben Pfadis finanzielle Mittel sehr limitiert, und wenn, dann würde das Team – zumal wegen Pascal Verniers erneutem Verletzungspech – vor allem einen neuen Aufbau-Linkshänder brauchen. Dieser Aufstieg in die Bundesliga entlastet Pfadis Budget, wobei «die sportliche Einbusse schwerer wiegt», wie Hofmann sagte.

Bereits heute Montag fährt Roman Sidorowicz im Zug in die schmucke Kleinstadt in Nordhessen. Am Dienstag reist seine Freundin nach, sie wird zunächst eine Woche bleiben. Eine Wohnung hat er noch keine. «Ich könnte das Wohnmobil des Vaters mitnehmen, aber das braucht er ja selbst immer wieder...» Beispielsweise am Donnerstag, dann folgt das erste Heimspiel in der 4300 Leute fassenden Halle in Kassel. Zu Gast ist die SG Flensburg-Handewitt, der deutsche Meister und Tabellenführer. (Der Landbote)

Erstellt: 02.12.2018, 10:09 Uhr

Heimsieg gegen St. Otmar

Pfadi bestätigt sich als Spitzenteam

Mit dem ebenso verdienten wie erkämpften 31:28 (13:12) in der Axa-Arena gegen den NLA-Dritten aus St. Gallen zieht Pfadi gleichauf mit den Kadetten Schaffhausen etwas davon. Zudem bestätigten sich die Winterthurer in diesem Derby als Topteam, zum zweiten Mal diese Saison hielten sie die erstarkten St. Galler in Schach.

Diese zogen ihr Programm mit dem siebten Feldspieler 60 Minuten lang durch. Zumal Pfadi effizient dagegen verteidigte, war der Erfolg jedoch mässig: St. Otmar kassierte, bei sechs Würfen, fünf Gegentreffer ins leere Tor. «In der Abwehr haben wir den Hauptfokus auf sieben Feldspieler gelegt. Es ging auf, das war einer der Schlüssel zum Erfolg», lobte Pfadi-Trainer Adrian Brüngger. Nach einem offensiv missglückten Einstieg fing sich seine Mannschaft auf und riss in den letzten zehn Minuten das umstrittene Derby definitiv an sich. Spielmacher Kevin Jud und Roman Sidorowicz waren wichtige Skorer, Filip Maros leistete seinen Beitrag im rechten Rückraum und Rechtsaussen Cédrie Tynowski erzielte fünf Tore ohne Fehlversuch. Ein schönes Comeback nach acht Monaten Verletzungspause gab der 20-jährige Lukas Heer als vorgestellter Verteidiger. Seine erste Aktion: In der 2. Minute fing er einen Pass von St. Otmars Spielertrainer Bo Spellerberg ab und warf den Ball weit ins verlassene Tor.

Einmal mehr viel Pech hatte Pascal Vernier: Der Rückraum-Linkshänder wollte in der 9. Minute – am gleichen Ort, wo sich drei Wochen zuvor Stefan Freivogel die Schulter ausgerenkt hatte, sowie ebenfalls im Konter – Tobias Wetzel ausspielen und erlitt eine möglicherweise schwere Knieverletzung. Das war für Pfadi der zweite schwere Verlust an diesem Wochenende.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!