Handball

Ein höchst aussergewöhnliches Weekend

Pfadi Winterthur schaffte die grosse Überraschung beinahe schon spielerisch leicht: Im EHF-Cup steht die Mannschaft nach dem 35:22 vom Samstag und dem 26:17 vom Sonntag über Vojvodina Novi Sad in der 3. Runde.

Ein Gruppenbild der unerwarteten und klaren Sieger: Die Goalies Vaskevicius (in Grün) und Schulz (weiss) waren überragend.

Ein Gruppenbild der unerwarteten und klaren Sieger: Die Goalies Vaskevicius (in Grün) und Schulz (weiss) waren überragend. Bild: Martin Deuring

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Die Kunde vom völlig unerwarteten 35:22 am Samstag hatte die Runde gemacht. Am Sonntag stand der Grossteil der 840 Zuschauer in der Eulachhalle und klatschte Pfadi Richtung Schlusspfiff. Solches hatten die Winterthurer schon lange nicht mehr über sich ergehen lassen können. Aber die «Rumpfmannschaft» hatte es sich redlich verdient. Mit der Ausnahmeleistung vom Samstag legte sie den Grundstein zum Vorstoss in die 3. Runde, zu einem höchst aussergewöhnlichen Wochenende.Da hatte es nach einem spannenden Spiel ausgesehen, mit leichtem Winterthurer Übergewicht, das sich im Halbzeitresultat von 16:12 widerspiegelte. Dann aber hatte Vojvodina Novi Sad genug. Genug von der gegnerischen Abwehr, die es den Serben so schwer machte. Genug vom gegnerischen Goalie, der in Spiel 1 Matías Schulz hiess. «Sie haben sich an unserer Abwehr aufgerieben», freute sich Trainer Adi Brüngger.

Und dann liefen die Winterthurer, und wieder kamen sie in diese spezielle Phase, die sie in dieser Saison bisher immer wieder hatten: «Irgendwann im Spiel kommen fünf Minuten, die wir mit 5:0 oder 6:0 gewinnen», erklärte Brüngger. Es wirkte, als wäre alles aus einem Guss. Die Spieler kamen in einen grossartigen Lauf. Sie gewannen die zweite Hälfte 19:10 und gingen mit einem Vorsprung von 13 Toren ins «Rückspiel», das am Sonntag wieder in der Eulachhalle stattfand.

In dem ging es für Pfadi darum, «gleich am Anfang die Tür zuzuschlagen», wie Brüngger sagte. Das bedeutete: Die Serben sollten nicht das Gefühl haben, doch noch zu einer Chance zu kommen. Sie gingen 1:0 in Führung – das war aber das einzige Mal, dass sie in 120 Minuten gegen Pfadi den Vorteil auf ihrer Seite hatten. Und erst noch nicht lange. Marcel Hess (2) und Pascal Vernier sorgten mit ihren Treffern zum 3:1 schnell für die Antwort.

Pfadi spielte so gut und dermassen abgeklärt, dass beim Gegner gar nie der Gedanke an eine Aufholjagd aufkommen konnte.

Der Goalie-Vorteil

Der ganz grosse Unterschied lag bei den Torhütern. Der Argentinier Schulz hielt im ersten Spiel 21 Bälle, der Lette Vaskevicius kam da für einen Penalty – und parierte ihn. Vaskevicius spielte am Sonntag 60 Minuten, wehrte zwei Penaltys ab und kam total auf 19 Paraden. Dass er einmal einen Ball, den er ins leere Tor von Novi Sad hatte werfen wollen, ins Fangnetz unter dem Hallendach setzte, konnte als «lustige Episode» abgetan werden. Dieser Ballverlust spielte absolut keine Rolle.

Die Schlussleute von Vojvodina, von denen am Samstag alle drei ihre Minuten hatten, kamen bei weitem nicht auf die Hälfte der Anzahl Paraden.

Pfadis Defensive packte entschlossen zu

Die 3-2-1-Defensive der Pfader packte gegen die durchaus kräftigen und schweren Rückraumspieler von Vojvodina äusserst entschlossen zu. Ante Kuduz, dessen Einsatz praktisch erst am Spieltag klar war, zeigte seine Werte hinten – und in Spiel 1 vorne. Er warf sieben Tore im ersten Match, Pascal Vernier auf der andern Rückraumseite deren fünf – der Rückraum Pfadis, von Kevin Jud hervorragend geführt, funktionierte. Der Ball lief des Öftern viel zu schnell für den Gegner, der mehrmals nur noch hinterherschauen konnte.

So war es auch im zweiten Match, in dem Captain Marcel Hess als Kreisläufer begann und sich in seinen Kampfmodus steigerte. Er war mit sieben Toren der erfolgreichste Werfer. Aber eben: Auch in Spiel 2 war die Abwehr das Prunkstück. Wieder einmal hat das Team gemerkt: Wer hinten gut arbeitet, der hat in der Offensive viel weniger Druck – und der kommt zu leichten Toren. Die Quote der verwandelten Gegenstösse war lange hervorragend, erst gegen Ende der 120 Minuten liess sie ein bisschen nach. Missfallen hat das niemandem. In die letzte von vier halben Stunden gingen die Pfader mit einem 14:8, also im Gesamtskore mit 19 Toren Vorsprung . . .

Alles passte

Die Rückkehr von Kuduz war äusserst hilfreich. Und es war erstaunlich, wie sich alles zusammenfügte. Als Kuduz gestern aus dem Schuh rutschte und den kurz auf der Bank «justieren» musste, kam zum Beispiel Lukas Heer unerwartet früh zu einem Teileinsatz. Seine erste Aktion: ein Tor. Ein anderes Beispiel war die Rechtshänder-Fraktion auf dem rechten Flügel, die aus Fabrizio Pecoraro und Joel Bräm bestand. Sie arbeitete sich mit Biss und unbegrenztem Selbstvertrauen in den Match. Pecoraro scheiterte zuerst zweimal, doch er zögerte auch beim dritten Anlauf nicht – und traf. Bräm erzielte in der zweiten Hälfte drei Tore.

Vuckovics Ärger

Bei Novi Sad absolvierte «Star» Nenad Vuckovic zwei eher diskrete Auftritte. Für ihn kam der Erfolg Pfadis nicht so überraschend. «Wir haben viele neue und junge Spieler, wir konnten uns noch nicht finden. Handball hat in Serbien gegen Tennis, Basketball und Fussball einen schweren Stand. Wir müssen die jungen Leute nehmen, die in den Top-Sportarten nicht reüssieren», sagte er. Und schob nach: «Es war nicht gut, dass wir beide Spiele in Winterthur austrugen. Die Schiedsrichter meinten so, dass wir nicht an unsere Chance glaubten. Mit einem richtigen Hin- und Rückspiel hätten wir unsere Chancen gehabt. Im ersten Match, das haben wir nochmals angeschaut, haben uns die Schiedsrichter 15 Bälle gestohlen.»

Das ist seine Sicht der Dinge, die ein bisschen erstaunlich tönt.

Für die Pfader gilt erst einmal: Nach diesen Anstrengungen und den guten Leistungen geniessen sie am Montag einen freien Tag. Am Dienstag wird der nächste Auftritt vorbereitet, das Meisterschaftsspiel in St. Gallen vom Mittwoch.

Es wartet Prominenz in den Töpfen

Erst am Dienstag nächster Woche wird der Gegner Pfadis ausgelost. Viel Prominenz aus starken Handballnationen wartet in den Töpfen.

Erst wenn der Gegner bekannt ist, soll ein nächstes Problem konkreter angegangen werden: Eine geeignete Halle zum vorgeschriebenen Termin steht momentan nicht zur Verfügung. Doch das sind noch die Sorgen von morgen. (Der Landbote)

Erstellt: 08.10.2017, 20:45 Uhr

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