Handball

Ein wahrer Playoff-Kampf zur Führung

Das 26:25 (14:13) im dramatischen Heimspiel gegen den HC Kriens-Luzern bringt Pfadi die 2:1-Führung in der Halbfinalserie ein. Am Sonntag können die Winterthurer den letzten Schritt in den ersten Playoff-Final seit 2014 machen.

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Die meisten der 1450 Zuschauer standen längst. Knapp zwei Minuten vor Ende erzielte Roman Sidorowicz Pfadis 25:23. Ein Penalty und einer der vielen Fehlentscheide (diesmal in Form einer Zeitstrafe) brachte Kriens-Luzern wieder heran. Beim Stand von 25:24 drohte weiterhin die Verlängerung, als Pfadi sein Time-­out nahm und zum mutmasslich letzten Angriff schritt. Der junge Kroate Ante Kuduz, dem offensiv zuvor nicht alles gelungen war, der aber stark wie der Rest des Teams verteidigt hatte, würgte den Ball 34 Sekunden vor Schluss zum 26:24 über die Linie.

Sein Wurf sicherte den Winterthurern den Triumph in einem mitreissenden, nicht fehlerfreien, dafür aber umso umkämpfteren Playoff-Match.«Ein hochverdienter Sieg», meinte Pfadi-Trainer Adrian Brüngger. Unrecht hatte er nicht, denn seine Mannschaft war grundsätzlich diesen Tick besser, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. «Am Schluss spielten wir abgebrühter», erklärte Spielmacher Filip Maros, mit sieben Toren aus zehn Versuchen wichtigster Skorer seines Teams.

Erst perfekt, dann fahrig

Die Winterthurer waren, wie auch Brüngger feststellte, «perfekt gestartet». Hinten liessen sie nichts zu und in Kontern bestraften sie die technischen Fehler der Gäste. 5:0 stand es nach sieben Minuten. 11:5 noch hiess es zehn Minuten später. Pfadis Quote bis dahin war, aus 15 Angriffen, hervorragend und vielversprechend.

«Ein hochverdienter Sieg»Adrian Brüngger, Pfadi Trainer

Doch es folgte der erste Bruch. Die offensivere Deckung der Krienser mag ein Grund gewesen sein. Der andere: «Wir haben den Faden verloren, haben hektischer gespielt und viele Fehler gemacht», beschrieb Maros. Die Quittung: Pfadi traf bis zur Pause nur noch zweimal und der HCK war plötzlich wieder im Spiel.

Den Winterthurern drohte die Partie zu entgleiten – ähnlich wie letzten Samstag, als Spiel 1 der Serie 21:30 ausgegangen war. Wieder führten sie 15:14 – und gerieten, weil sie fünf Angriffe lang erfolglos blieben, ins Hintertreffen; diesmal bis zum 15:17. Letzten Samstag hatten sie beim 15:19 aufgegeben. Gestern kämpften sie sich zurück und gingen mit dem 18:17 in der 41. Minute wieder in Front. In Rückstand sollten sie von da an nie mehr geraten.

«Wir haben uns zurück gekämpft und die Nerven behalten». lobte Brüngger. Die Winterthurer liessen sich weder vom Gegner, der zur Playoff-Zeit in Bestform gekommen ist, noch von den überforderten Schiedsrichtern, die kein Herz für den Heimklub hatten, von der Rolle bringen.Auf Zwischentiefs und Dämpfer folgten die entsprechenden Reaktionen.

«Wir müssen noch üben, ins leere Tor zu treffen»

«Wir konnten zeigen, was uns auszeichnet: Wir spielten dynamisch und vielfältig», betonte Maros. Das stimmte. Aber: Die Fehler häuften sich nach dem 11:5 und unterliefen Pfadi auch in der zweiten Halbzeit, weshalb die Vorentscheidung sehr lange – bis in die Schlussminute hinein – auf sich warten liess.

Maros war Pfadis sicherster Wert im Abschluss. Die anderen Aufbauer mühten sich ab, hielten den Spiefluss hoch. Mehr als auf eine ausgeglichene Bilanz brachten es aber fast keine weiteren Winterthurer. «Und wir müssen noch üben, ins leere Tor zu treffen», sagte Brüngger. Gleich fünf solcher Konterversuche, nachdem der HCK ohne Torhüter angegriffen hatte, landeten nicht im Netz.

20 Paraden von Schulz

Wie in Spiel 2 am Montag in Luzern lag der Schlüssel zum Sieg in der Defensive. Marcel Hess, Stefan Freivogel oder Michal Svajlen stemmten sich gegen die Krienser. Kuduz löste seine Rolle als vorgezogener Verteidiger gut. Der überragende Spieler allerdings stand erneut im Tor: Matias Schulz, Matchwinner des Montags, wehrte 20 Würfe ab. Seine Penaltyparade in der 52. Minute beim Stand von 23:22 entfachte das zusätzliche Feuer für die Schlussphase. Schulz war erneut so gut, dass Arunas Vaskevicius, von Rückenproblemen genesen, nur für Siebenmeter aufs Feld kam. Direkt vor den Playoffs hatte der Litauer seine grossen Momente gehabt, jetzt ist Schulz an der Reihe. Das könnte Pfadis grosses Playoff-Plus sein.

Bester Skorer der Gäste war – erstmals in dieser Serie – Aufbauer Aleksandar Radovanovic. Der starke Linkshänder allerdings hatte Glück, dass er nach einem Konterfoul in der 6. Minute an Lier überhaupt noch weiterspielen durfte. Keine Gnade besassen die Schiedsrichter dafür mit Jonas Langerhuus, dessen Penaltywurf an den Kopf von Goalie Andreas Portmann mit einem Platzverweis bestraft wurde. Es war einer von vielen falschen Entscheiden, die gegen Pfadi fielen.

«Nochmals alles geben»

«Am Sonntag müssen wir wieder eine solche Leistung bringen», blickt Maros auf die nahende Partie in der Krienser Krauerhalle. «Nochmals alles geben und die Serie fertig machen», nimmt er sich vor.

Der Vorteil liegt derzeit bei den Winterthurern – auch, weil sie mit dem guten Gefühl aus diesem umstrittenen Spiel von gestern gehen konnten. Aber wie sagt doch Brüngger: «Mit einem Sieg ist man noch nicht weiter. Mit zwei auch noch nicht. Erst mit drei.» Der Job in der Best-of-5-Serie muss zuerst vollendet werden. «Es wird», rechnet Brüngger, «auch am Sonntag einen Riesenkampf geben.» (Der Landbote)

Erstellt: 21.04.2017, 23:31 Uhr

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