Handball

Erneute Lehrstunde in der WM-Qualifikation

Das Schweizer Frauennationalteam verliert auch das zweite WM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark. Diesmal lag das Problem im Angriff.

Wie hier die fünffache Torschützin Kerstin Kündig mühten sich die Schweizerinnen zwar redlich, blieben aber gegen die starken Däninnen (links Sarah Iversen) letztlich chancenlos.

Wie hier die fünffache Torschützin Kerstin Kündig mühten sich die Schweizerinnen zwar redlich, blieben aber gegen die starken Däninnen (links Sarah Iversen) letztlich chancenlos. Bild: Keystone

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«Es war vielleicht das schlechteste Angriffsspiel, das ich in meinem Leben erlebt habe; das war der Wahnsinn», sagt Nationaltrainer Martin Albertsen nach dem Spiel. Damit war er wahrscheinlich nicht der Einzige in der mit über 1100 Zuschauern gefüllten Axa-Arena. Bis zum 4:3 durch die Winterthurerin Jenny Murer stimmte der Fahrplan der Schweiz noch. Doch dann brauchten die Schweizerinnen 14 Angriffe, um das fünfte Tor zu erzielen.

Wie dies zustande kam, passte dann wie die Faust aufs Auge: Der Schiedsrichter lenkte den Ball nach einer Parade der dänischen Torhüterin Althea Reinhardt ab, der Ball landete bei Mie Höjlund, und diese warf ihn zurück zu ihrer Torhüterin, weil sie glaubte, der Schiedsrichter habe auf Abstoss entschieden. So kam die Schweiz zu einem Freiwurf und einer zweiten Angriffschance. Celia Heinzer erzielte daraufhin das 5:11.

Die Schweiz liess in dieser Phase klarste Chancen aus. «Ich war fast etwas geschockt, wie verwirrt und gestresst wir im Abschluss waren», meinte Albertsen. Deutlich besser wie die Angriffsleistung war die Leistung in der Abwehr. Die Schweiz agierte sehr offensiv und das erfolgreich. «Wir wollten unseren Fokus auf die Abwehr legen, das ist uns in der ersten Hälfte sehr gut gelungen», sagt Nationaltrainer Albersten, es sei in der Abwehr eine deutliche Steigerung zum Hinspiel gewesen.

Hinter dieser Deckung überzeugte Torhüterin Lea Schüpbach. Die Winterthurerin, die nächste Saison in Paris spielen wird, war die beste Schweizerin in den ersten 30 Minuten. «Unsere Abwehr hat gut funktioniert, das hat es mir erleichtert», sagte sie nach dem Spiel.

Steigerung in zweiter Hälfte

Abgesehen von der Abwehrleistung, hat der Däne Albertsen im Dienst der Schweizerischen Nationalmannschaft der ersten Halbzeit nicht viel Positives abgewinnen können. Auch zwei Time-outs innerhalb von nur sechs Minuten halfen nicht, in die Spur zurückzufinden. «Zum Glück kam dann die Pause – dann konnten wir die Sachen besprechen und besser machen», sagt Albertsen.

Die zweite Halbzeit verlor die Schweiz «nur» mit 11:14. «Das war eine Steigerung, damit können wir zufrieden sein», meinte Albertsen. Nicht zufrieden war Lea Schüpbach mit ihrer zweiten Halbzeit. Dänemark drückte zu Beginn der zweiten Halbzeit nochmals etwas aufs Tempo und erhöhte auf 8:22. «Da haben sie uns überrannt, und ich fand keinen Zugang mehr zum Spiel», sagt Schüpbach nach dem Spiel enttäuscht. Der Trainer erklärt: «Ich musste etwas wechseln, darum haben wir die Stabilität in der Deckung verloren, und eine Torfrau ist so abhängig von der Abwehr.» Nach 45 Minuten wurde Schüpbach durch Manuela Brütsch ersetzt, und die Schweiz betrieb noch etwas Resultatkorrektur.

Insbesondere die Ex-Yellow-Spielerin Kerstin Kündig fand immer besser ins Spiel. Sie erzielte schlussendlich 5 der 14 Schweizer Tore. Dass die Schweiz chancenlos war, überraschte nicht. «Die Däninnen spielen auf Clubebene in Teams, die regelmässig in der Champions League antreten – die Schweizerinnen kommen nicht über die erste Runde des Europacups hinweg», analysiert Albertsen. Die Schweizerinnen müssten sich an den Däninnen orientieren, sagt er, «und genauso gut werden wollen. Sie müssen raus aus der Komfortzone.»

Eine, die dies tut, ist die Winterthurerin Schüpbach. Und davon ist der Nationaltrainer angetan. «Das ist super, dass Lea in eine solch gute Liga geht. Das ist genau das, was wir uns für den Schweizer Handball gewünscht haben», schwärmt Albertsen regelrecht. Schüpbach wechselt nächste Saison zu Paris 92 und wird dort als Profi leben.

Gute Neuigkeiten gibt es dann auch noch aus Paris für Schüpbach: «Ich habe meine Wohnung bekommen, jetzt weiss ich, wo ich wohne», erzählte sie, und das Lächeln fand den Weg zurück auf ihr Gesicht. (Der Landbote)

Erstellt: 06.06.2019, 00:18 Uhr

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Schweiz – Dänemark 14:26 (5:12)

Axa-Arena. – 1165 Zuschauer – SR Panayides/Andreou (Cyp). – Torfolge: 1:0, 2:3, 4:3 (8. Minute), 4:6, 4:9 (19.), 4:11 (24.), 5:12 (HZ); 6:13, 7:17 (37.), 8:18, 8:23 (45.), 10:25, 12:26, 14:26. – Strafen: 2x2 gegen Dänemark. – Schweiz: Schüpbach (45. Brütsch); Wick, Kündig (5/2), L. Frey, Cavallari, Gautschi (3), Hodel (1), Hess (1), Kähr (1), N. Frey, Eberhart, Eugster, Murer (1), Heinzer (1), Tschamper (1). – Dänemark: Reinhardt (10 Paraden/30. Milling); Pedersen, Iversen (1), Hansen (1), Heindahl (4), Böhme (1), Grigel (1), Offendal (2), Milling (1), Nielsen (1), Jörgensen (6), Jensen (1), Kristiansen (2), Jörgensen (1), Höjlund (3), Kynboel (1), Reinhardt. – Bemerkung: Brütsch hält Penalty von Offendal (53.)

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