Handball

«Fast wie ein Klassentreffen»

Er war beim letzten Meistertitel von Pfadi Winterthur dabei, doch nun steht er auf der anderen Seite. Kreisläufer Mathias Oltmanns will mit dem Underdog HC Küsnacht seinen Ex-Club im Cup-Achtelfinal fordern.

Mathias Oltmanns in seiner neuen sportlichen Heimat, dem Allmendli in Erlenbach. Hier tritt er heute gegen einen seiner Ex-Clubs im Cup an.

Mathias Oltmanns in seiner neuen sportlichen Heimat, dem Allmendli in Erlenbach. Hier tritt er heute gegen einen seiner Ex-Clubs im Cup an. Bild: Manuela Matt

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Am 5. Mai 2004 gewinnt Pfadi Winterthur seinen letzten Meistertitel, dank einem 29:26-Auswärtserfolg bei GC Handball und je acht Toren von Chi-hyo Cho und Manuel Liniger. Mit dabei ist aber auch Mathias Oltmanns, er erscheint in der Statistik mit einer Zeitstrafe. Der gebürtige Berner feiert im zweiten Jahr bei Pfadi seinen zweiten Meister­titel, weitere sollten mit GC und den Kadetten noch folgen. Un­gefähr vier habe er in der ganzen Karriere feiern können, glaubt er. Ganz sicher ist sich Oltmanns nicht, zu lange sei es her.

Fünf Jahre spielte Oltmanns für Pfadi. Dann wechselte er zum Fusionsverein GC Kadetten Handball. Mittlerweile arbeitet der gelernte Koch als Sicherheitsassistent bei der Kantonspolizei Zürich. Trotz Schichtarbeit ist Oltmanns ein Modellathlet geblieben.

Die Fussprobleme

Im Winter 2010 musste er seine Profikarriere beenden, die Fussgelenke wollten nicht mehr mitmachen. Unzählige Male hat er seine Bänder überstrapaziert, dann operiert, dann musste er aufgeben. Heute gehe es mal besser, mal schlechter, je nach Belastung durch Training und Spiele. Training heisst beim 2.-Ligisten HC Küsnacht einmal pro Woche in der Halle stehen und hauptsächlich Fussball spielen. Wer kann, der kommt. Wenn sie zu wenige sind, wird das Training abgesagt. «Die Kollegialität und die Freude, sich zusammen zu bewegen, stehen im Vordergrund», so Oltmanns und schiebt nach, «und unsere Spiele zu gewinnen.» Der Ehrgeiz ist beim gebürtigen Berner noch immer da. Sein Ziel: in zwei Jahren nochmals mit der Polizei-Nationalmannschaft an die Polizei-EM. Dann ist Oltmanns 39-jährig. So lange soll es mindestens noch weitergehen.

«Klar sind wir Aussenseiter, aber wir wissen allemal, wie man Handball spielt»Mathias Oltmanns, Kreisläufer HC Küsnacht

Das Ziel heute Abend sei es, möglichst lange mitzuhalten. «Und dann schauen wir, was passiert. Klar sind wir Aussenseiter, aber wir wissen allemal, wie man Handball spielt», sagt Oltmanns. In der Tat: Im Kader der Küsnachter stehen fast ausschliesslich ehemalige NLA-Handballer, ja gar Nationalspieler. Trotzdem sei es etwas Spezielles, gegen einen Oberklassigen zu spielen, auch wenn man selbst jahrelang ganz oben mitgemischt habe, sagt der 63-fache Internationale. Das hohe Tempo von Pfadi könne man sicherlich nicht mitgehen. «Aber Cup ist Cup, da kann alles passieren.»

Der Cup ist der Wettbewerb des HC Küsnacht. Hier können sie sich mit besseren Teams messen. In der 2. Liga sind die Wölfe von der Goldküste derweilen fast unterfordert. Nach vier Spielen führen sie die Tabelle souverän an. Ein Bild, dass man sich am rechten Zürichseeufer gewohnt ist.

Seit der Gründung 2014 folgt bis zum letzten Jahr ein Aufstieg auf den nächsten. Auch wenn das Team nochmals verstärkt wurde, soll damit nun Schluss sein. Ein Aufstieg in die 1. Liga sei kein Ziel, so Oltmanns, auch wenn ein solcher mit diesem Kader durchaus realisierbar wäre.

Brünggers Vorfreude

Pfadi Winterthur hat zwar seine letzten drei Spiele verloren. Zwei davon aber im EHF-Cup gegen das dänische Spitzenteam Aalborg. «Von einer Krise kann darum sicherlich nicht gesprochen werden. Im Gegenteil, im ersten Spiel gegen Aalborg haben wir unsere beste Saisonleistung gezeigt», sagt Pfadi-Trainer Adrian Brüngger.

Speziell freut sich Brüngger auf die vielen bekannten Gesichter beim speziellen 2.-Ligisten, es sei fast wie ein Klassentreffen seiner Generation. Der Gameplan der Winterthurer liege darum auf der Hand. Mit schnellen Gegenstössen die Routiniers überlaufen. Denn: «Handball spielen können sie definitiv», attestiert Brüngger den Küsnachtern. Die Freude auf das Klassentreffen teilt auch Oltmanns, aber, relativiert er gleich, so viele kenne er wohl gar nicht mehr.

Alte Bekannte

Neben Oltmanns figurieren im Kader des Aussenseiters weitere Spieler mit Pfadi-Vergangenheit. Der alte Haudegen Gabor Vass steht wie der Alt-Internationale Iwan Ursic auf der Kaderliste. Die rechte Aussenbahn teilt sich seit neustem gar ein Ex-Pfadi-Duo. Neben Samuel Lieberherr ergänzt seit kurzem Oliver Scheuner das Kader des HC Küsnacht. Ursic, Lieberherr und Scheuner gehörten ebenso wie Oltmanns zum letzten Pfadi-Meisterteam. Der Transfer von Scheuner wurde erst vor kurzem eingefädelt. Noch hat er kein Spiel für seinen neuen Club bestritten, doch er sei extrem motiviert für den Cupfight gegen sein Pfadi Winterthur, bestätigt Oltmanns.

Erstellt: 17.10.2018, 16:33 Uhr

Schweizer Cup, Achtelfinal

HC Küsnacht (2. Liga) - Pfadi Winterthur. Sportanlage Allmendli, Erlenbach, Donnerstag, 20.45 Uhr.

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