Handball

Freiwillig und widerwillig Zuschauer

Ein Paar, ein Sport, zwei Karrieren: Den Supercup-Sonntag in der Axa-Arena werden Laura und Stefan Freivogel auf unterschiedliche Art als Zuschauer verbringen.

Probesitzen in der Axa-Arena: Stefan Freivogels Pfadi fehlt am Supercup, während Laura Freivogels Brühl als Favorit antritt.

Probesitzen in der Axa-Arena: Stefan Freivogels Pfadi fehlt am Supercup, während Laura Freivogels Brühl als Favorit antritt. Bild: Enzo Lopardo

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Sie haben viel gemeinsam, sie haben in der höchsten Schweizer Handballliga Karriere gemacht, sie spielen gerne Golf, sie studierten an der ZHAW, sie stammen aus dem Zürcher Unterland, sie bestritten in der gleichen Firma die Berufslehre, sie wohnen in Hegi und sie haben im Juni geheiratet: Stefan Freivogel und Laura Oberli (inzwischen auch Freivogel).

Diesen Sonntag jedoch, wenn in der Axa-Arena der Supercup der Frauen und Männer ansteht, verbringen sie nicht gemeinsam, obschon beide ihre besonderen Beziehungen zum Anlass haben und beide Zuschauer sein werden. Laura Freivogel trifft am Supercup die anderen drei Mitgliedern des Vorstandes der Premium League; sie ist im Juni als eine von drei Neuen gewählt worden. Vor allem aber wird sie als Teammanagerin des LC Brühl St. Gallen für ihr meisterliches Team fiebern. 2017 hat sie den Supercup mit den St. Gallerinnen gewonnen. Vor einem Jahr dagegen musste sie zusehen, wie Brühl in der Axa-Arena den Spono Eagles Nottwil unterlag.

Ob Stefan Freivogel am Sonntag in der Arena auftaucht, lässt er vorderhand offen. «Es tut weh, wenn man als Titelverteidiger zuschauen muss», erklärt der Defensivspezialist und Allrounder von Vorjahressieger Pfadi. Gut möglich ist die Variante, dass «ich am Sonntag zusammen mit ein paar Jungs aus der Mannschaft grilliere und den Match am TV anschaue».

Früher Rücktritt

Erstaunlicherweise haben sie sich nicht in einer Handballhalle kennengelernt, sondern in der Lehre in Höri, er aus Niederhasli, sie, seine «Unterstiftin», aus Rümlang. Via Uster, GC und eine NLB-Saison bei Sacha von der Crones Yellow gewann die ehemalige Junioren-Internationale mit Zug und Brühl insgesamt vier Meistertitel und dreimal den Cup. 2017 war genug.

«Ich habe in der Schweiz im Handball viel erreicht und wollte mehr Zeit für Anderes haben», erklärt Laura Freivogel, jetzt 30-jährig, ihren Rücktritt. Sie habe in all den Jahren mit Studium, Arbeit und Handball «sehr viel Energie gebraucht». Die Tage sahen manchmal so aus: Um 7.00 aus dem Haus und um 22.30 wieder zurück. «Könnte man als Handballerin in der Schweiz etwas Geld verdienen, würde ich wohl noch immer spielen», sagt Laura Freivogel, die in St. Gallen als Projektleiterin Facility Management arbeitet.

Vorletzte Saison gab sie bei Brühl ein Comeback auf Zeit. «Das mache ich nie mehr», lacht sie. «Wenn man vorher fünf Monate nicht gespielt hat, merkt man es extrem.» Als Teammanagerin und Mitglied im Verbandsvorstand ist sie trotzdem «weiterhin nahe am Geschehen. Ich freue mich sehr auf den Supercup, ich schaue einfach gerne Handball.»

Das macht sie regelmässig auch bei Pfadi-Spielen. «Emotional voll dabei» sei sie jeweils. «Es ist schlimm, ich kann fast nicht zuschauen. Und wenn sie wie letztes Mal im Playoff-Final wieder scheitern, leide ich mit.»

Stefan Freivogel beginnt seine siebte Saison bei Pfadi, zwei Cupsiege schauten heraus, ein Meistertitel fehlt. Über den konnte er sich immerhin mit Laura als Zuschauer freuen. «Bei ihren wichtigsten Momenten im Handball war ich dabei», sagt er.

«Gute Typen»

Das Wirtschaftsstudium schloss er mit dem Master ab, seit einem Jahr arbeitet er zu 50 Prozent. Noch zwei, drei Saisons möchte er auf diesem Niveau spielen. «Die Emotionen, die der Sport gibt, motivieren mich immer wieder von Neuem.» Für später plant der 36-fache Internationale den Einstieg in die Privatwirtschaft.

Stefan Freivogel ist einer der elf Pfadi-Spieler, deren Verträge Ende Saison auslaufen. «Mal schauen, wie es vom Verein her aussieht, und dann irgendwie eine Lösung finden. Ich sehe meine Zukunft schon in Winterthur», sagt der 29-Jährige. «Qualitativ haben wir die beste Mannschaft, seit ich bei Pfadi bin. Momentan passt alles: spielerisch, athletisch und von den guten Typen her.» Ein Ziel wäre: Am Supercup 2020 nicht mehr nur Zuschauer sein.

Erstellt: 21.08.2019, 20:00 Uhr

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Supercup am Sonntag

Zum zweiten Mal wird am Sonntag der Supercup der Handballer in der Axa-Arena ausgetragen, es geht um den ersten Pokal der Saison. Die Ausgabe 2018 stellte zugleich die Wettkampfpremiere der neuen Halle dar. Pfadi, der Cupsieger, setzte sich vor 1400 Zuschauern gegen Wacker Thun, den Meister, 26:17 durch. Bei den Frauen siegten die Spono Eagles Nottwil, Gewinner von Meisterschaft und Cup, gegen den Playoff-Finalisten Brühl St. Gallen 25:22.

In der diesjährigen Austragung stehen sich die Kadetten Schaffhausen (Meister) und Wacker (Cupsieger) sowie Brühl (Meister) und die Spono Eagles (Cupsieger) gegenüber. Eröffnet wird der Sonntag um 9.00 mit dem Kids-Day, der Supercup der Frauen beginnt um 14.30 Uhr, jener der Männer um 17.00 Uhr.

Ich sehe uns schon als klare Favoriten», meint Laura Freivogel, Brühls Teammanagerin, zum Treffen mit den Spono Eagles. Denn: «Unsere Top 6 ist stark, alle sind fit, und die Jungen sind im Kommen.» In der Vorbereitung wurde der Bundesligist Göppingen bezwungen. «Ich denke, wir könnten im hinteren Mittelfeld der Bundesliga mithalten», schätzt sie Brühls Qualitäten ein.

Bei den Männern dürften die Rollen ebenfalls verteilt sein. Die Meister aus Schaffhausen sind favorisiert, die Cupsieger aus Thun sind die Aussenseiter, zumal sich ihr Linkshänder Nicolas Raemy, der offizielle MVP der letzten NLA-Saison, am Sonntag im Testspiel gegen Handball Tirol den Mittelfussknochen gebrochen hat und mehrere Wochen ausfällt. «Ich gehe davon aus», sagt auch Stefan Freivogel, «dass die Kadetten gewinnen.»

Wo künftig der Supercup stattfindet, ist offen. Winterthurs Stadtpräsident Mike Künzle hat Anfang Woche bei einem kurzen Treffen mit SHV-Geschäftsführer Jürgen Krucker schon mal für einen Verbleib in der Axa-Arena geworben: «Winterthur hat eine ausgezeichnete Infrastruktur und ist eine Handballhochburg.»

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