Handball

Gossauer Topskorer aus Winterthur

Der Winterthurer Lucius Graf ist Topskorer der NLA. Pfadi wollte ihn nicht mehr, nun spielt er das dritte Jahr für Fortitudo Gossau.

Keiner erzielte in der Nationalliga A in dieser Saison bisher mehr Tore als Lucius Graf.

Keiner erzielte in der Nationalliga A in dieser Saison bisher mehr Tore als Lucius Graf. Bild: PD

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«Es ist ein Traum von mir, in den Playoffs gegen Pfadi zu spielen», sagt der Winterthurer Lucius Graf. Der Wunsch des 27-Jäh­rigen, der die aktuelle NLA-Skorerwertung vor Prominenz wie ­Lukas von Deschwanden, Lenny Rubin (beide Wacker Thun) und Gabor Csaszar (Kadetten Schaffhausen) anführt, könnte bald Realität werden. Denn die Chancen der Gossauer, sich erstmalsin der Vereinsgeschichte für die Playoffs zu qualifizieren, stehen so gut wie nie zuvor. Neu in diesem Jahr komplementieren die zwei besten Teams nach der ­Abstiegsrunde die sechs bereits nach der Hauptrunde fürs Playoff qualifizierten Mannschaften.

Keine Spielpraxis bei Pfadi

Als 7-jähriger Junge begann Graf in Winterthur Handball zu spielen, inspiriert durch den ehema­ligen dänischen Nationalspieler Anders Oechsler, der als Au-pair bei Grafs zu Hause arbeitete. Zu Beginn sah es lange danach aus, als ob Grafs Karriere als Musterbeispiel für kommende Pfadi-Junioren gelten könnte. Er durchlief sämtliche Nachwuchsabteilungen bei Pfadi, war Junioren-Nationalspieler und spielte zwei Jahre bei Yellow Winterthur in der NLB. Für die 1. Mannschaft von Pfadi stand er ebenfalls zwei Jahre unter Vertrag, viel Spiel­praxis erhielt er jedoch nicht. Pfadi habe stets um die europäischen Plätze mitspielen wollen, vermutet Graf. Das Risiko, in die Jungen zu investieren, sei vermutlich zu gross gewesen. Eine Auswahl an talentierten jungen Spielern wäre vorhanden gewesen.

Erneut wechselte er zu Yellow, um später nochmals den Sprung in die NLA zu wagen, und stiesszu GC Amicitia Zürich. Auchdort war die Einsatzzeit rar. Dies sei bislang der Tiefpunkt seiner ­Karriere gewesen, sagt Graf. «Ich habe daran gedacht, ob es nicht sinnvoller wäre, ganz aufzuhören.» Doch plötzlich zeigten die Gossauer Interesse, ihn zu verpflichten. Sie versprachen ihm Spielpraxis, woraus Graf neue Hoffnung schöpfte und der Transfer letztlich zu einer Erfolgsstory wurde. Nach drei Jahren als Spielmacher für Fortitudo hat er kürzlich seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, da er es schätzt, in Gossau Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Silserbrot mit Bündnerfleisch

Im Vergleich zu anderen NLA-Klubs muss Gossau mit einem kleinen Budget auskommen. Alle Spieler würden neben dem Leistungssport noch einen Beruf ausüben, so Graf. Er selbst arbeite hundert Prozent als Bereichs­leiter bei House of Winterthur (Wirtschaftsförderung). Dies sei allerdings nur möglich, da ihm der Verein entgegengekommen sei, indem er nicht an allen Trainings teilnehmen müsse. Mit seinen konstant guten Leistungen zahlt er dieses Vertrauen jedoch mehr als zurück. «Trotz weniger Trainings spiele ich meine beste Saison. Ich bin motivierter und fühle mich für die Spiele frischer», erklärt der Winterthurer.

Die Spielvorbereitung sei über die Jahre hinweg immer dieselbe geblieben: Er frühstücke ein bis zwei Stunden. Anschliessend schlendere er durch die Winterthurer Altstadt. Zum Mittagessen gebe es dann immer Silserbrötli mit Bündnerfleisch.

Starke zweite Saisonhälfte

Das Ritual scheint besonders in den entscheidenden Momenten zu wirken. Die Gossauer standen nach der Hauptrunde mit fünf Punkten auf dem letzten Platz. In der Abstiegsrunde aber konnten sie in den sieben bisherigen Partien zehn Punkte einfahren.

Auch in den letzten Jahren behielten sie in den entscheidenden Spielen kühlen Kopf und konnten den Abstieg in die NLB stets verhindern. Die Frage, weshalb die Gossauer immer erst in der zweiten Hälfte der Saison ihr volles Potenzial ausschöpfen, wenn sie das Messer am Hals haben, beantwortet Graf so: «Wüsste ich das Erfolgsrezept, würde ich es gleich patentieren lassen.» Hilfreich sei, dass vom Verein wenig Druck komme und die Fans stets hinter der Mannschaft stünden. Das Team behalte auch bei Niederlagen stets Freude am Sport.

Nach dieser bisher starken ­Saison seien beim 27-Jährigen sowohl Angebote von Schweizer als auch von zwei ausländischen Vereinen eingegangen. Pfadi sei allerdings nicht darunter gewesen, so Graf. Von Fans werde er oftmals gefragt, weshalb er, derin Winterthur gross geworden ist und dort wohnt, nicht bei Pfadi spiele. Er wisse es selbst nicht. Doch sein Herz schlage nach wie vor für Winterthur. «Ich verdanke Pfadi sehr viel. Auch frühere Teamkollegen treffe ich häufig.»

(Der Landbote)

Erstellt: 08.03.2018, 10:11 Uhr

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