Handball

Im letzten Moment reichts zu einem Punkt

Beinahe wäre den Schweizern der Einstieg in den Yellow Cup missglückt. Dann aber eroberten sie dank zwei späten Toren gegen Japan noch ein 28:28 (14:15).

Der wichtigste Schweizer Torschütze der Schlussphase war Roman Sidorowicz. Der ehemalige Pfadi-Spieler erzielte insgesamt acht Tore aus neun Versuchen.

Der wichtigste Schweizer Torschütze der Schlussphase war Roman Sidorowicz. Der ehemalige Pfadi-Spieler erzielte insgesamt acht Tore aus neun Versuchen. Bild: Madeleine Schoder

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Elfmal sind sich die Schweiz und Japan vor dem gestrigen Tref­fen schon gegenübergestanden. Zehnmal hatten sich die Schweizer durchgesetzt, einmal, 1990, gabs ein Unentschieden. Beim letzten Sieg anno 1998 war Michael Suter, der Nationaltrainer, noch selbst auf dem Feld gestanden. Der damals junge und talentierte Rechtsaussen steuerte zwei Tore bei.

Gestern in der Axa-Arena musste er von der Seitenlinie aus beinahe die erste Schweizer Niederlage gegen die erstarkten Japaner miterleben. Und einen wesentlichen Teil der «Schuld» hätten jene Handballer gehabt, zu denen er einst auch gehört hatte: Die Schweizer Aussenspieler leisteten sich zu viele Fehlwürfe, insgesamt neun an der Zahl (bei nur vier Treffern). Vor allem in der zweiten Halbzeit wog diese Ineffizienz schwer, Goalie Yuki Kubo parierte mehrere Versuche der Schweizer Flügel – und zwar mit Vorliebe jene Würfe von ganz rechts aussen.

Maximilian Gerber und Pfadis Cédrie Tynowski scheiterten dort und wechselten sich ab. Gegen das Ende hin musste der Thuner Aufbauer Nicolas Raemy als Rechtsaussen aushelfen. Und auch er blieb an Kubo. Zunächst. Das Spiel wollte es aber so, dass ausgerechnet Raemy, der gestern sein 50. Länderspiel bestritt, 26 Sekunden vor Schluss den Ausgleich zum 28:28 erzielte – im Konter vom rechten Flügel aus!

Glücklich und verdient

Damit war die Geschichte allerdings noch nicht ganz ausgestanden. Goalie Nikola Portner, der in der zweiten Halbzeit besser hielt als in der ersten, parierte einen scheinbar letzten Wurf der Japaner – um dann den Konterpass in die Fänge des Gegners zu spielen. Dieser konnte nochmals Anlauf nehmen, der Wurf in der Schlusssekunde prallte jedoch an den Pfosten.

Es war – für den Gastgeber – das gleichsam glückliche wie verdiente Ende eines unterhaltsamen Spiels. 90 Sekunden vor ­Ende waren die Schweizer noch 26:28 hinten gelegen. Suter lobte «die gute Moral der Mannschaft. Auch mit diesem Rückstand hat sie weitergemacht und diesen Punkt geholt.»

Dem Nationaltrainer fehlen an diesem Turnier mehrere Leistungsträger. Trotzdem lieferten seine Leute zum Einstieg eine ganz passable Leistung ab. «Vieles ist in den neuen Formationen aufgegangen», meinte Suter. Die stärksten Offensivkräfte waren Pfadi-Regisseur Kevin Jud, der das Spiel schnell machte und Anfang der zweiten Halbzeit mit vier Treffern höchstpersönlich für die Wende vom 14:15 zum 17:15 gesorgt hatte. Seine ersten sechs Würfe hatten das Ziel gefunden, danach schlichen sich auch bei Jud Fehler ein.

Mann des Abends aber war Roman Sidorowicz. Er liess in der zweiten Hälfte eine allfällige Schweizer Konterbaisse vergessen machen. Acht Tore aus neun Versuchen bildeten seine brillante Bilanz, der Bundesliga-Spieler erzielte die Treffer Nummern 20, 22, 24 (zum 24:23, der letzten Führung), 25, 26 und 27 und machte sich so zum überragenden Skorer der Schlussphase.

«Es war bei weitem nicht alles perfekt», sagte Michael Suter. Die vielen Fehlwürfe von aussen gehörten natürlich dazu, ebenso die drei verworfenen Penaltys oder die schlechte Konterquote der ersten Hälfte mit nur drei Toren aus acht Gegenstössen. Auch die Deckung trat nicht immer unwiderstehlich auf, sie steigerte sich, wie Portner, nach der Pause.

Die Japaner blieben innert ­weniger Tage im dritten Treffen gegen ein europäisches Team (nach normaler Spielzeit) ungeschlagen. Nach dem Sieg über Tschechien und dem Unentschieden gegen Polen (das sich später im Penaltyschiessen behauptete) folgte nun dieses 28:28. Sie, die sich unter Trainer Dagur Sigurdsson auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio aufbauen und diesen Januar dank einer Wildcard an der WM antreten, gefielen offensiv mit Tempo und teils überraschenden Würfen.

Ausgeglichenes Turnier

Zuvor in der ersten Begegnung der 47. Ausgabe des Yellow Cups hatte sich Tunesien, der Afri­kameister und WM-Stammgast, in einem abwechslungsreichen Match gegen Portugal 31:28 durchgesetzt. Die ersten beiden umstrittenen Spiele lassen auf den schon vorgängig erwarteten, ausgeglichenen Turnierverlauf schliessen. Und die Schweizer dürfen dank dieses späten Punktgewinns vor 1700 Zuschauern weiter auf ihren siebten Turniersieg am Yellow Cup hoffen – wobei die folgenden zwei Aufgaben, heute gegen Portugal und am Sonntag gegen Tunesien, nicht einfacher werden als jene gestern.

Zu einer ersten Bilanz gehört auch dies: Die Axa-Arena scheint die perfekte Halle für einen Anlass wie diesen zu sein. (Der Landbote)

Erstellt: 04.01.2019, 23:55 Uhr

47. Yellow Cup in der Axa Arena

Samstag
16.00: Tunesien - Japan
19.00: Schweiz - Portugal
Sonntag
13.00: Japan - Portugal
15.30: Schweiz - Tunesien

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