Handball

Kein Spaziergang im Kosovo

Gegen Kosovos Serienmeister Besa Famgas spielt Pfadi am Samstag und Sonntag um den Einzug in die zweite Runde des EHF-Cups. Das hat Vor- und Nachteile.

Auf eine eher unangenehme Aufgabe stellt Trainer Adrian Brüngger seine Leute (links Luigj Quni) ein.

Auf eine eher unangenehme Aufgabe stellt Trainer Adrian Brüngger seine Leute (links Luigj Quni) ein. Bild: Martin Deuring

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Ungewohnt früh steigen die Winterthurer im Europacup ein. Jahrelang durften sie erst in der zweiten oder dritten Runde des EHF-Cups beginnen, jetzt müssen sie – wie zuletzt 2012, als sie an Benfica Lissabon scheiterten – schon in der Startrunde antraben. Die Aufgabe ist lösbar. Gegen KH Besa Famgas sind sie tendenziell die Favoriten, wobei Adrian Brüngger, ihr Trainer, zu Recht betont: «Ein Spaziergang wird das nicht.»

Pfadi trifft auf den 17-fachen Meister, die unbestrittene Nummer Kosovos. Seit 2014 ging jeder Meistertitel nach Peja, in die mit fast 50 000 Einwohnern viertgrösste Stadt des Landes. In 13 Europacupjahren hat Besa Famgas nur viermal eine Runde überstanden. Letzte Saison gelang gegen den HK Drammen ein respektabler 27:20-Heimsieg, der dennoch nicht zum Weiterkommen reichte. Die meisten Spieler stehen in Kosovos Nationalmannschaft und sind dort Teamkollegen von Pfadis Kreisläufer Luigj Quni. Für Quni, den Doppelbürger, wirds ohnehin ein besonderes Wochenende, denn sein Vater stammt aus einer Ortschaft in der Nähe von Peja.

Fitter und breiter

In Pfadis Europacupgeschichte, die 1981 begann, trifft man zum ersten Mal auf eine Mannschaft aus dem Kosovo. Die Partien in der Sport Hall Karagaci, die 2500 Leute fasst, beginnen am Samstag und Sonntag um 19 Uhr. «Für uns ist es von Vorteil, dass beide Spiele so kurz nacheinander sind», meint Brüngger. «Denn mir scheint, dass wir eher fitter sind und eine breitere Bank haben.» Der Nachteil des Ausflugs ist klar: «Wir müssen zweimal auswärts spielen», erklärt Pfadis Trainer. «Wir können nicht abschätzen, was uns erwartet. Andererseits macht das auch den Reiz des Europacups aus.»

Aus Finanzgründen haben sich die Clubs geeinigt, beide Partien im Kosovo auszutragen. Als das entschieden wurde, sei er in den Ferien gewesen, lächelt Brüngger. «Als Trainer will man natürlich lieber zu Hause spielen. Aber ich habe Verständnis für den Entscheid. Ich weiss ja auch, wie es ist: Man muss aufs Geld schauen. Und am Schluss ist es – egal wo gespielt wird – einfach so: Wir müssen gut genug sein, um die nächste Runde zu schaffen.»

Am Mittwoch beim Sieg in Thun war eine defensive Steigerung erkennbar, zudem profitierten die Winterthurer von der Breite ihres Kaders. Personell gibts zu jenem Spiel einen Wechsel: Kreisläufer Jannic Störchli bleibt zu Hause, Torhüter Matias Schulz, der zuletzt wegen einer Wadenverletzung pausierte, reist mit.

Pfadis Qualitäten auf dem Feld sind vorhanden, um im Kosovo einen unangenehmen, robusten Gegner hinter sich zu lassen. Auf den Sieger wartet im Oktober in der zweiten Runde des EHF-Cups der HC Pelister Bitola, ein Club gut vier Autostunden südlich von Peja in Nordmazedonien beheimatet.

Erstellt: 06.09.2019, 17:36 Uhr

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Seit 1998 ein Gegner von Pfadi

Am Tag vor der Abreise nach Peja sah sich Pfadis Trainer Adrian Brüngger ein Video des Gegners an. «Wenig Aussagekraft», sagt er, habe das Material, das aus dem Playoff-Final der letzten Saison stammt, an dem sich Besa Famgas den 17. Meistertitel sicherte. Der Rechtsaussen und der Torhüter hätten den Club seither verlassen, zwei Neue seien gekommen. Beides Aufbauer, beide über 2 m und beide mit Bezug zu Pfadi.

Makhtar Kouri, 23-jähriger Linkshänder aus Algerien, war im Januar in Winterthur im Training und bestritt Testspiele. Weil der Verein damals in seiner ärgsten Finanznot steckte, verzichtete Pfadi auf einen Transfer. Nikola Prce, inzwischen 39-jähriger Rechtshänder aus Bosnien, ist mit 2,02 m zwei Zentimeter kleiner als Kouri, dafür mit 115 kg 21 Kilo schwerer. Im Europacup trifft Prce, was Rekord sein müsste, bereits zum vierten Mal auf Pfadi...

2015 spielte er für Azoty-Pulawy: Pfadi bezwang in der dritten EHF-Cup-Runde zweimal die starken Polen und qualifizierte sich zum zweiten Mal für die Gruppenphase. 2004/05, in Winterthurs letzter Champions-League-Saison, trat Prce für Izvidac Ljubuski an. Der bosnische Meister gewann beide Gruppenspiele, Pfadi wurde punktelos Letzter.

Drittens: Prce war 1998 (nicht eingesetztes) Mitglied jenes Gegners, der in den grössten Matchskandal Pfadis verwickelt war. Im Rückspiel des Viertelfinals der Champions League gegen Badel Zagreb hatten die Winterthurer alle Chancen, in die Top 4 Europas vorzustossen. Doch dann geriet die Partie aus den Fugen, Pfadi verlor vor 2300 Zuschauern in der Eulachhalle 21:24. In den Tumulten nach Spielschluss wurden die russischen Schiedsrichter bedrängt, die Winterthurer warfen ihnen berechtigterweise vor, einseitig gepfiffen zu haben. Der Vorwurf der Bestechung liess sich aber nicht schlüssig beweisen, der Protest, den Pfadi bei der EHF einlegte, wurde in zweiter Instanz abgewiesen. Badel Zagreb stiess in den Final vor und unterlag dem FC Barcelona. Es war dies die zweite von nun 18 Europacupsaisons des Nikola Prce.

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