Handball

Irgendwann kehrte die Freude zurück

Mit einem 1:5 starten die Winterthurer ins NLA-Derby gegen GC Amicitia. Dann aber steigern sie sich heftig, lasssen ihr Zwischentief hinter sich und demontieren den Gegner in Zürich 30:16.

Über eine starke Verteidigung fand Pfadi gegen GC Amicitia Zürich zurück zum Erfolg.

Über eine starke Verteidigung fand Pfadi gegen GC Amicitia Zürich zurück zum Erfolg. Bild: Martin Deuring

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Es sah nicht gut aus, als Pfadis Trainer Adrian Brüngger schon in der 9. Minute das Timeout nahm. 1:5 lag seine Mannschaft in Rückstand, sie hatte aus acht Angriffen nur ein Tor zu Stande gebracht und selbst ein paar vermeidbare Treffer kassiert. «Nicht so verheissungsvoll», sei dieser Start gewesen, blickte Brüngger zurück. Es drohte der nahtlose Anschluss an den erknorzten Heimsieg am Mittwoch über den NLA-Letzten RTV Basel und schlimmer noch: Es drohte eine Niederlage gegen den Drittletzten der Tabelle.

Anschliessend jedoch rafften sich die Winterthurer zu einer Leistung auf, die für den Rest des Spiels hervorragend war. Parallel dazu gerieten die Zürcher an ihre Limiten, ihr vielversprechender Matchbeginn wurde jäh gestoppt. Dank der Abwehr sowie den Paraden von Goalie Matias Schulz lancierten die Winterthurer bis zur Pause neun Konter, acht davon endeten mit Torerfolgen. Pfadi, das vom Timeout an erfolgreich mit einem siebten Feldspieler angriff, schaffte einen 10:1-Lauf und machte aus dem 1:5 eine 11:6-Führung. Die gesamten restlichen 21 Minuten bis zur Pause gewann Pfadi 13:3, nur noch drei Angriffe waren erfolglos geblieben.

Die Last abgelegt

Der Aufschwung hielt in der zweiten Halbzeit an. Irgendwann – so war ganz offensichtlich zu sehen – kehrte auch wieder die Freude am Handball in die Mannschaft zurück. Es schien wieder Spass zu machen, schnell, mit Druck und Varianten anzugreifen und hinten die Gegenspieler zu stoppen. Noch am Mittwoch hatte die Mannschaft vor allem offensiv verkrampft und verunsichert gewirkt.

Diese Last, die sich in sieben mässig erfolgreichen Partien aufgebaut hatte, spielten sich die Winterthurer in der Saalsporthalle von den Schultern – mit einem allmählich immer entspannteren, von der 9. Minute an konzentrierten und effizienten Auftritt. «Plötzlich ist man im Spiel und alles gelingt», sagte Brüngger. Logisch zu erklären sei das nicht immer. Jedenfalls stimmte der Flow derart, dass Pfadi die Zürcher bis zum 27:13 in der 53. Minute regelrecht demontierte.

Mit der Zeit auch beruhigte sich Philip Hohl. Als das Spiel noch offen war, hatte der Präsident von GC Amicitia fast jeden Schiedsrichterentscheid gegen seine Leute nicht in leisen Tönen kritisiert. In einem mochte man ihm ja Recht geben: Das Duo auf dem Platz war, beidseits, nicht sonderlich auf der Höhe.

Bestes Spiel seit langem

Vom 1:5 an verwerteten die Winterthurer 29 ihrer 42 Anläufe, darunter waren 13 Kontertore. Die Abschlussqualität stimmte bestens, anders noch als am Mittwoch gegen den RTV oder vor einer Woche in Kriens. Erfolgreichster Skorer war Kreisläufer Markus Dangers mit acht Toren aus neun Versuchen. Ebenso gut herausgespielt waren beispielsweise auch die zwei sauber verwerteten Treffer von Jannic Störchli, des zweiten Mannes am Kreis, oder von Fabrizio Pecoraro am Flügel. Die Aktionen aller Pfadi-Angreifer wiesen aus dem Spiel heraus positive Quoten auf. Nur eines wollte nicht so klappen: Alle drei Penaltyspezialisten scheiterten mit Siebenmetern an Goalie Nikola Marinovic. Das waren jedoch, abgesehen von seinen Paraden in den Startminuten, die einzigen Grosstaten des Altmeisters.

Pfadis starke Abwehr gewann wieder mehr Zweikämpfe als in Spielen zuvor, immer häufiger auch prallten Zürcher Schüsse im Block ab. Schulz überzeugte im Tor mit 65 Prozent gehaltener Würfe und Simon Schelling machte seine Startphase mit fünf Paraden in den letzten zehn Spielminuten vergessen.

Die Winterthurer lieferten ihre beste Leistung auf nationaler Ebene seit einem Monat ab. Dazwischen lagen – neben den zwei Niederlagen gegen ein zu guten Europacupgegner – drei Niederlagen sowie je ein Unentschieden und Sieg in Cup und Meisterschaft. Damals, in der ersten Novemberhälfte, hatten die Winterthurer den BSV Bern und Wacker Thun mit einer ähnlichen Leichtigkeit besiegt, wie es an diesem Samstagabend in Zürich schafften – gegen eine Mannschaft im Übrigen, die durchaus Potenzial besitzt, besser als nur Drittletzte sein könnte und drei Tage zuvor ein Unentschieden in Schaffhausen erobert hatte.

Am kommenden Sonntag beendet Pfadi sein bewegtes Handballjahr, das mit dem drohenden Finanzkollaps begonnen hatte, im Heimspiel gegen die Kadetten. Sollten die Winterthurer da gewinnen, verkürzen sie den Rückstand auf den Tabellenführer aus Schaffhausen auf einen Punkt.

Weil der HC Kriens-Luzern gestern sein Spiel zu Hause gegen Wacker Thun und St. Otmar St. Gallen seines in Suhr verloren haben, hat Pfadi in der zweitletzten Runde des Jahres den Abstand zu den Verfolgern um zwei Punkte ausgebaut. Das machte dieses Wochenende doppelt wertvoll.

GC Amicitia Zürich - Pfadi Winterthur 16:30 (8:14)

Saalsporthalle. - 375 Zuschauer. - SR Athamatten/Wapp. - Torfolge: 2:0, 2:1, 5:1, 5:6, 6:6, 6:11, 7:11, 7:14, 8:14; 9:14, 11:16, 11:21, 12:21, 12:26, 16:28, 16:30. - Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia, 2-mal 2 gegen Pfadi.

GC Amicitia: Marinovic (25. bis 30. und ab 53. Ineichen/1 Tor); Frietsch (2), Brücker (1), Leitner (2), Alili (1), Szymanski (2), Dannmeyer (5/1), Klampt, Koller, Esono (1), Zhyla (1), Sartisson. - Pfadi: Schelling (8. bis 49. Schulz); Ott (2), Pecoraro (3), Cohen (2), Dangers (8), Störchli (2), Heer (2), Bührer (1), Radovanovic (4/1), Jud (4/2), Bräm (2), Freivogel, Svajlen.

Bemerkungen: GC Amicitia ohne Schild, Pfadi ohne Tynowski, Schramm und Vernier (alle verletzt). Marinovic hält Penaltys von Cohen (11.), Jud (34.) und Radovanovic (42.).

Erstellt: 14.12.2019, 21:38 Uhr

Arno Ehret geht mitten in der Saison

GC Amicitia Zürich war bis vor der Heimniederlage am Samstag gegen Pfadi in der Schweizer Meisterschaft gut unterwegs. Am Mittwoch, als Trainer Arno Ehret den 66.Geburtstag feierte, holten die Zürcher sogar einen Punkt in der Halle von Leader Kadetten Schaffhausen, vorher hatten sie gegen Basel und Endingen gewonnen. Rang 8, ein Playoff-Platz, ist dem Team eigentlich nicht mehr zu nehmen.

Und dann informierte Ehret am Freitag Vorstand und Team, dass er per sofort zurücktritt. Der bisherige Assistent Sascha Schönholzer rückt vorübergehend nach.

Ehret erklärt seinen für Aussenstehende überraschenden Schritt vor allem damit, «dass die Vertrauensbasis mit dem Vorstand nicht mehr vorhanden war, dass gemachte Absprachen nicht eingehalten wurden». Es ging und geht in dieser Angelegenheit um die Trainerfrage für die Zukunft. Ehret war auf Januar hin als Nothelfer zu GC Amicitia gekommen. Er wollte sich auch für die Zukunft nicht 100 Prozent verpflichten lassen, aber er wollte unbedingt in Zusammenarbeit mit der Führung mithelfen, «eine langfristige und kontinuierliche Lösung zu finden».

Ehret war also der Meinung, dass man in dieser Angelegenheit gemeinsam arbeiten würde, «sich offen austauscht». Und war deshalb am Donnerstag doch sehr überrascht, als ihm der Vorstand um Präsident Philip Hohl mitteilte, dass ein neuer Trainer gefunden wurde, dass der Vertrag mit ihm nicht verlängert wird. Also musste Ehret zu Recht annehmen, dass die Abmachungen betreffend der gemeinsamen Lösungssuchung nicht eingehalten worden sind. Das hat ihn in seinem Stolz verletzt. Ein Jungtrainer hätte solches wohl geschluckt, aber der frühere Weltmeister, der das Schweizer Nationalteam 1993 auf den vierten WM-Rang geführt hatte, der muss niemandem mehr etwas beweisen.

Präsident Hohl bedauert den Entscheid Ehrets. Er sagt, dass man einen Trainer suchte, der 100 Prozent im Club angestellt sei, mit einer Perspektive von zwei bis drei Jahren. Und er denkt, mit Ehret «normale Gespräche» geführt zu haben. Der neue Trainer wird wohl Jakub Szymanski sein, der aktuelle Rückraum-Regisseur. Der Tscheche, auf diese Saison von Bern gekommen, wird nun ein halbes Jahr früher in seine neue Rolle hineinwachsen müssen. (jch)

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