Handball

Pfadi darf sich auf den nächsten Gegner freuen

Dank eines Rekord-Heimsiegs im Europacup stehen die Winterthurer im Prinzip bereits in der 3. Runde des EHF-Cups. Im Hinspiel von Runde 2 fertigten sie den HC Pelister Bitola aus Nordmazedonien 39:16 (22:5) ab.

Gnadenlos ausgekontert wurde der HC Pelister Bitola von Pfadis Handballern (im Bild der achtfache Torschütze Cédrie Tynowski).

Gnadenlos ausgekontert wurde der HC Pelister Bitola von Pfadis Handballern (im Bild der achtfache Torschütze Cédrie Tynowski). Bild: Martin Deuring

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Selbst ein ausgeprägter Pfadi-Anhänger wie Hanspeter Jucker musste feststellen: «Sie taten mir wirklich etwas leid.» Die jungen Handballer aus Nordmazedonien, die Jucker während ihres Schweizer Europacup-Abstechers betreute, mussten in diesem Hinspiel der 2. Runde des EHF-Cups unten durch, wie es in der Axa-Arena zuvor selten einer Elite-Mannschaft geschehen war.

Der HC Pelister Bitola ging 1:0 in Führung und hielt bis zur 5. Minute ein 2:2. Dann aber war Schluss, 13 Minuten später hiess es 14:2. Die Winterthurer legten eine erste Halbzeit hin, die ihr Trainer Adrian Brüngger als «Furioso» beschrieb. Die Gäste liefen in Pfadis 5-1-Abwehr auf oder scheiterten an Torhüter Matias Schulz und fingen so gleich reihenweise Gegenstösse ein. In Zahlen ausgedrückt, präsentierte sich die erste Hälfte so: Sie ging 22:5 aus, Pfadi brauchte 30 Angriffe für die 22 Treffer, Bitola vergab 24 Angriffe, Schulz parierte 60 Prozent der Würfe, Pfadi lief 21 Konter und erzielte daraus 16 Tore, drei Treffer gelangen aus schnellen Anspielen und nur sieben Mal suchten die Winterthurer im «normalen» Positionsspiel den Erfolg. Es ging also alles sehr, sehr schnell.

Der Rekord bleibt bei 42:15

Die Winterthurer steuerten in ihrem 160. Europacupspiel dem höchsten Sieg entgegen. Am Ende wurde dann doch nichts daraus. Die 3-2-1-Abwehr, die von der 31. bis zur 46. Minute zum Zug kam, verursachte beim Gegner nicht die gleichen Problemen wie das 5-1, Simon Schelling im Tor war etwas weniger erfolgreich als Schulz, die Winterthurer liefen «nur» noch elf Konter (mit neun Treffern) und liessen in der Effizienz generell leicht nach.

So gabs unter dem Strich den höchsten Europacup-Heimsieg. Bisheriger Rekordhalter war das 37:19 2007 im Challenge Cup in der Eulachhalle gegen Ploiesti aus Rumänien. Brüngger war schon damals der Coach und als Spielertrainer wirkte Markus Baur, der deutsche Weltmeister von 2007, der im Rückspiel in Ploiesti das letzte Europacupspiel seiner langen Karriere bestreiten sollte. Die absolute Rekordmarke verpasste Pfadi gestern Abend: Sie bleibt beim 42:15-Sieg 2016 in der 1. Runde des EHF-Cups über den HC Prilep, gespielt in Nordmazedonien...

Der HC Pelister Bitola zeigte im ersten Teil der zweiten Halbzeit durchaus, dass man etwas von Handball versteht. Ein ernsthafter Gegner aber war er dennoch nicht, vom Niveau her irgendwo in der Spitze der Nationalliga B angesiedelt. Die besten Zeiten hat der Club, der zwischen 1993 und 2005 sechs Mal Landesmeister wurde, offensichtlich hinter sich. Inzwischen bildet er vor allem junge Spieler aus und ist in der eigenen Stadt auch finanziell klar in den Schatten des HC Eurofarm Rabotnik gerückt.

Formationen gewechselt

Pfadi nutzte die Gelegenheit, um unter Wettkampfbedingungen seine Formationen zu testen. Nicht nur im Abwehrsystem wurde abgewechselt, sondern auch in der personellen Besetzung. Ab den Minuten 1, 19, 31 und 46 traten blockweise verschiedene Aufstellungen an; die Timeouts dienten allein zur Umstellung.

Joël Bräm, Aleksandar Radovanovic und Kevin Jud skorten ohne Fehlversuch. Am meisten Treffer, deren acht (aus zehn Würfen), erzielte Rechtsaussen Cédrie Tynowski. Der Captain gab in der 19. Minute sein Comeback, nachdem er im August im Testspiel gegen den Bundesligisten Stuttgart eine Schulterverletzung eingefangen hatte. Stark war Antreiber Kevin Jud, der gemäss Brügger «gefühlte 25 letzte Pässe» gegeben habe.

Nächsten Samstag in Bitola, der drittgrössten Stadt Nordmazedoniens, folgt das Rückspiel. Ein Handballwunder allein wird nicht reichen, um Pfadi am Einzug in die 3. Runde zu hindern. «Es müsste schon sehr übel zu und her gehen», meinte Brüngger. Eigentlich dürfen sich die Winterthurer bereits auf den nächsten Europacupgegner freuen. Unter anderem vier Bundesligisten, darunter die Rhein-Neckar Löwen um Andy Schmid und Melsungen mit Roman Sidorowicz, je zwei Mannschaften aus Dänemark und Spanien, sowie drei aus Frankreich, darunter Nantes, der ehemalige Club von Schulz, warten in der Auslosung. Die 3. Runde entscheidet über die Qualifikation zur Gruppenphase, an der Pfadi 2015 und 2016 teilnahm. Ein dritter Start ist, bei etwas Losglück und passender Leistung, nicht unmöglich.

Die lange Fahrt zurück

Der Abstecher nach Winterthur wird der HC Pelister Bitola als lehrreiche Erfahrung abhaken müssen. Die Nordmazedonier, die gemäss Jucker während ihres Aufenthalts einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hätten, stiegen noch am gleichen Abend nach dem Match in den Car, der sie zurück in die Heimat brachte. Rund 21 Stunden würde die Fahrt dauern, am Steuer wechselten sich drei Chauffeure ab.

Pfadi – Pelister Bitola 39:16 (22:5)

Axa-Arena. – 919 Zuschauer. – SR Jovic/Arnautovic (BIH). – Torfolge: 0:1, 2:1, 2:2, 14:2, 18:3, 21:4, 22:5; 24:9, 30:10, 32:13, 37:15, 39:16 . – Strafen: je 2x2 Minuten.

Pfadi: Schulz (31. Schelling); Quni (1), Ott (1), Tynowski (8), Pecoraro (4), Cohen (1), Dangers (3), Störchli (2), Lukas Heer (4), Radovanovic (6/2), Jud (3), Bräm (6), Freivogel, Murri, Svajlen. – Pelister Bitola: Ristevski; Petkovski, Blazevski (1), Petrovski (6), Vasko Dimitrovski (3/1), Mitrevski, Mandic (3), Ivan Dimitrovski (2), Jovanovski, Talevski (1), Butorac. – Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier und Schramm (beide verletzt). 32. Petrovski schiesst Penalty an die Latte.

Rückspiel am 12. Oktober in Bitola.

Erstellt: 06.10.2019, 20:53 Uhr

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