Handball

Schmerzhafter kann eine Niederlage nicht sein

Zweites Spiel des Playoff-Finals, zweite Verlängerung. Und wieder zog Pfadi gegen die Kadetten Schaffhausen den Kürzeren. Dieses 30:32 tat besonders weh, weil die Winterthurer sehr lange den Match dominierten, aber am Ende doch wieder verloren.

Als in der Axa-Arena längst niemand mehr sass: Sekunden vor Schluss scheiterte Kevin Jud beim Stand von 28:28 mit einem Penalty an Ivan Stevanovic.

Als in der Axa-Arena längst niemand mehr sass: Sekunden vor Schluss scheiterte Kevin Jud beim Stand von 28:28 mit einem Penalty an Ivan Stevanovic. Bild: Martin Deuring

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«Das verrückteste Spiel, das ich je erlebt habe.» Adrian Brüngger, seit 2007 Pfadis Trainer, war fassungslos. «Wir waren doch so viel besser.» Diese Aussage traf für die ersten knapp 45 von üblicherweise 60 Minuten eines Handballspiels zu. Die Winterthurer hatten Gegner und Match im Griff. Sie zündeten mit einem Fliegertor, das Cédrie Tynowski auf Pass von Filip Maros erzielte, zwei Sekunden vor der Pause in Team und Publikum jenen Funken, der in der zweiten Hälfte die Dynamik entfachte, die Pfadi 21:14, 22:15 und 23:16 in Führung brachte.

42 Minuten waren da gespielt. Mit dem Stadtpräsidenten und der Axa-Arena im Rücken, die zum ersten Mal in dieser Handballsaison ausverkauft war, schien der Ausgleich in der Best-of-5-Serie griffbereit zu sein. Alles war angerichtet, wie es sich Brüngger und seine Leute ausgemalt hatten.

Zehn Minuten ohne Tor

Die ersten Annäherungsversuche der Kadetten konnten mit dem 25:20 noch entschärft werden. Wirklichen Grund zur Unruhe bestand zu jenem Zeitpunkt noch keine. Doch dann passte nichts mehr, fiel Pfadi zusehends in sich zusammen.

Gut zehn Minuten vergingen, bis den Winterthurern wieder ein Tor gelingen sollte. Aus dem 25:20 wurde bis zur 56. Minute ein 25:26, aus Euphorie wurde Ernüchterung. Ein Timeout, der den neuen Flow der Schaffhauser vielleicht hätte bremsen können, wäre da wahrscheinlich angebracht gewesen. Die greifbare Beute entschwand.

Nochmals bäumten sich die Winterthurer gegen die drohende Wende auf. Und sie hatten gar die Chance, diesen dramatischen Match im letzten Moment doch noch für sich zu entscheiden: Peter Schramm, der stärkste Winterthurer der Schlussphase, war gefoult worden. Kevin Jud, dem eine überragende erste Hälfte gelungen war, trat zehn Sekunden vor Ablauf der 60 Minuten zum Penalty an – und scheiterte an Torhüter Ivan Stevanovic. Es blieb beim 28:28, zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen kams zur zehminütigen Verlängerung.

Am Donnerstag beim 29:31 in Schaffhausen waren die Winterthurer gegen Ende hin reihenweise an Kristian Pilipovic, Österreichs Nationalgoalie, gescheitert. Gestern nun pflückte Stevanovic, Nationalkeeper Kroatiens, die Würfe der Winterthurer. Bei ihren ertragslosen zehn Minuten vom 25:20 zum 25:26 gelangen ihm fünf Paraden. In der zweiten Hälfte der Verlängerung liess er weitere drei folgen. Pfadi kam nach den 60 Minuten nie mehr in die Nähe eines Sieges. Schramm erzielte noch das 29:29, dann liefen sich die Winterthurer in der Abwehr fest oder prallten an Stevanovic ab.

Die Geschichte vom Donnerstag wiederholte sich, wieder vergaben die Winterthurer rund ab der 45. Minute klarste Chancen, wieder machte sich ein Torhüter der Kadetten zum Matchwinner. Der Unterschied zum ersten Finalmatch war: Diesmal hatten sich die Winterthurer eine Reserve von sieben Toren erarbeitet. Aber sie schafften es nicht, diese irgendwie nach Hause zu schaukeln. Schmerzhafter kann man nicht verlieren.

Lange sehr gut

Lange hatte fast alles gepasst. Die Offensive war produktiv, Jud spielte wie ein MVP der Liga, schlicht brillant. Dass sein Tenü nach zwölf Minuten in Fetzen herunter hing, war Zeichen der besonderen Aufmerksamkeit, die der Gegner ihm schenken musste. Cédrie Tynowski war treffsicher und allseits präsent, Filip Maros zeigte einen guten Match, die Abwehr hielt sich ordentlich und Torhüter Matias Schulz war in Halbzeit 1 mit acht Paraden Pilipovic ebenbürtig.

Nach drei Vierteln der normalen Spielzeit ereignete sich, von Brüngger kurz zusammen gefasst, aber dies: «Wir liessen Tore zu und schossen keine mehr.» Es glückten kaum mehr Paraden und vorne tat sich Pfadi gegen die 5-1-Abwehr, welche die Kadetten ab der 47. Minute anwendeten, schwer. Wenns zum Abschluss kam, stand Stevanovic Spielern wie Tynowski, Yannick Ott, Jud und Marvin Lier im Weg.

«Ohne eine solche Torhüterleistung kann man sieben Tore Rückstand nicht aufholen», lobte Kadettens Topskorer Zarko Sesum. Und: «Wir wollten nicht aufgeben. Das war purer Kampf von uns.» Restlos zufrieden konnte der Sieger dennoch nicht sein: «Wir haben noch viel zu analysieren, weshalb wir in den ersten 40 Minuten so schlecht gespielt haben», ergänzte Sesum.

«Den Schalter drehen»

«Wir waren zum zweiten Mal die bessere Mannschaft», meinte Brüngger. «Aber aus dem gleichen Grund wie am Donnerstag konnten wir uns nicht belohnen.» Er sprach die sieben Tore Vorsprung an und sagte: «Das alles ist sehr, sehr ärgerlich. Eigentlich kann man ein solches Spiel nicht verlieren.» Die Winterthurer taten es und stehen nach den ersten zwei Spielen des Playoff-Finals mit leeren Händen da.

0:2 waren sie vor einem Jahr im Halbfinal gegen die Kadetten zurück gelegen, um die Best-of-5-Serie noch 3:2 zu gewinnen. Damit sich die Geschichte wiederholen kann, sind alle gefordert, brauchts vor allem einen mentalen Schub, um die zwei Niederlagen in zwei Spielen, die man hätte gewinnen sollen, zu verdauen. «Bis am Donnerstag müssen wir den Schalter im Kopf drehen», bemerkte Brüngger. Von der Schaffhauser Warte aus präsentiert sich die Ausgangslage so: «Jetzt müssen wir wieder herunter fahren», betonte Sesum im Stil des Routiniers. «Es ist noch nichts entschieden.»

Am Donnerstag könnte es wieder eng werden, denn nach wie vor gilt: Trotz 0:2 bewegen sich die beiden Mannschaften auf gleicher Höhe.

Pfadi - Kadetten 30:32 n.V. (28:28, 14:12)

Axa-Arena. – 1950 Zuschauer (ausverkauft). – SR Capoccia/Jucker. – Torfolge: 0:2, 2:4, 6:4, 9:7, 9:9, 12:12, 14:12; 15:13, 18:13, 18:14, 21:14, 23:16, 23:19, 25:20 (47.), 25:26 (56.), 27:26, 28:28; 28:29, 29:29, 29:32, 30:32. - Strafen: 6x2 gegen Pfadi, 9x2 inklusive Disqualifikation (Meister/51.) gegen Kadetten. – Pfadi: Schulz (51. bis 60. Schelling); Quni, Ott (1), Filip Maros (3), Tynowski (7), Dangers, Lier (3), Heer (1), Jud (10/5), Bräm, Freivogel, Cvetkovic, Svajlen, Schramm (5). – Kadetten: Pilipovic (41. Stevanovic); Meister (3), Zehnder (5), Küttel (3), Csaszar (4/1), Beljanski (1), Gerbl (3), Sesum (6), Luka Maros, Schelker (2), Tominec (3), Herburger (2). – Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier, Kadetten ohne Markovic und Haas (alle verletzt). 2. Pilipovic hält Penalty von Lier. 5. Schulz hält Penalty von Zehnder. 60. und 68. Stefanovic hält Penaltys von Jud.

Playoff-Final (best of 5), Stand 0:2. – Drittes Spiel am Donnerstag in Schaffhausen. (landbote.ch)

Erstellt: 19.05.2019, 23:21 Uhr

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