Pfadi

Überzeugend und verdient zum Cupsieg

Pfadi und der BSV Bern lieferten sich einen spannenden Cupfinal auf gehobenem NLA-Niveau. Die Winterthurer hatten mit dem 33:30 (16:17) das bessere Ende für sich, weil sie eine Spur stärker waren.

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Sie trugen Leuchtwesten. Obschon die Arbeit erledigt war und keine Notsituation vorlag. «Vorsicht Cupsieger 2017/18» stand auf dem Rücken geschrieben. Die Leuchtwesten, die sich Pfadis Handballer gestern in der Wankdorfhalle überstreiften, waren der erste Akt ihrer Feierlichkeiten zum fünften Cupsieg der Vereinsgeschichte. Die Fortsetzung in der Nacht dürfte dem Anlass gebührend verlaufen sein.

Pfadi verdiente sich diesen Triumph. «Das war die beste ­Saisonleistung im wichtigsten Spiel», freute sich Trainer Adrian Brüngger. Als Lohn gabs den dritten Cupsieg nach 2010 und 2015 in Brünggers genau zehnjähriger Ära als Cheftrainer Pfadis. Der Sieg gestern war die Bestätigung für die Arbeit, welche die Winterthurer in den letzten Jahren abgeliefert haben.

«Das war die beste ­Saisonleistung im wichtigsten Spiel»Adrian Brüngger,
Trainer Pfadi Winterthur

Mitunter waren sie in der Vergangenheit nahe dran an weiteren Titeln gewesen. Sie scheiterten, weil sie nicht ihr bestes Niveau abrufen konnten oder weil der Gegner schlicht besser war. Gestern lief es für sie, erzwangen sie den Erfolg auf ihre Seite.

Nie aus dem Tritt geraten

«Wir waren über die 60 Minuten fokussiert», betonte Brüngger. Hilfreich mag Hansruedi Wipfs Hypnosesitzung am Vorabend gewesen sein. «Spielen müssen sie immer noch selbst», lächelte Wipf gestern. Wohl wissend, dass seine Arbeit allein kein Garant ist.

Die Winterthurer lieferten einen reifen Auftritt ab. In dem Sinne war ihre Erfahrung in Finals wertvoller als der Heimvorteil des BSV vor gut 2700 Zuschauern, die selbst die kühle Wankdorfhalle mit Stimmung füllten.

«Am Anfang sind wir unter Druck geraten», blickte Marcel Hess zurück. 2:6 lag Pfadi hinten, 8:12 und 13:16, ehe der Unterschied zur Pause mit dem 16:17 noch erträglich wurde. Pfadi liess sich in der ersten Halbzeit nicht distanzieren, auch wenn Gefahr dazu gedroht hatte. «Wir haben uns immer ans Konzept gehalten. Das war entscheidend», erklärte Hess.

«Wir haben uns immer an unseren Plan gehalten und waren in den entscheidenden Momenten cooler»Adrian Brüngger, 
Trainer Pfadi Winterthur

Die Winterthurer änderten nichts, auch nachdem sie mit nur zwei Toren aus den ersten neun Angriffen ins Spiel gestartet waren. «Wir haben uns immer an unseren Plan gehalten und waren in den entscheidenden Momenten cooler», lobte Brüngger.

«Und dann hat es irgendwann gekehrt», sagte Hess. Matias Schulz war nun, nachdem die Torhüter in Halbzeit 1 keine Rolle gespielt hatten, plötzlich im Spiel (und wurde später gar zu Pfadis «Man of the Match» erkoren). Fünf Paraden von Schulz ebneten die zweite Pfadi-Führung des Spiel nach dem 2:1 – in der 37. Minute das 20:19.

Von da an lagen sie nie mehr zurück. 123 Sekunden vor Schluss hiess es 31:28. Entschieden war noch nichts. Aber mit dem 32:30 41 Sekunden vor Ende schon. Die letzten Momente auf dem Spielfeld gerieten schon zur Feier.

«Sie sind müder geworden», sah Hess einen Grund. «Wir waren physisch besser – obschon auch ich jetzt richtig fertig bin . . .» Das war Minuten bevor der Pfadi-Captain und NLA-Rekordspieler, der Ende Saison seine grosse Laufbahn beenden wird, den Pokal in den Händen halten ­durfte.

Pfadi lieferte in diesem sehr ­guten, sehenswerten Match (bei korrekter Schiedsrichterleistung) einen überzeugenden Auftritt ab. 30 Gegentore, die meisten in der schwächeren ersten Hälfte, täuschen etwas darüber hinweg, dass die 3-2-1-Abwehr kämpferisch sehr präsent war.

Im Angriff sorgte diesmal der Aufbau, der während der Saison nicht immer auf Touren gekommen war, für die Treffer. Kevin Jud und Filip Maros, dem die kapitalen Tore vom 29:28 zum 31:28 gelangen, waren die wichtigsten Schützen der zweiten Hälfte. Ante Kuduz, siebenfacher Torschütze, nahm die Würfe aus der Distanz. Die Winterthurer griffen mit Druck und Tempo an, wesentlich besser als in anderen Spielen dieser Saison.

Berner Warten geht weiter

Der BSV hatte den Griff sehr nahe am ersten Cupsieg der Klubgeschichte und am ersten Titel seit der Meisterschaft 1985. Er war mit einem schönen Lauf zum Final angetreten, hatte auf dem Weg dorthin vier der aktuellen Top 7 der Nationalliga A souverän ausgeschaltet und er hätte den Pokal gestern nur schon deswegen verdient gehabt.

«Das bessere Team hat gewonnen. Das gilt es neidlos anzuerkennen»Thomas Heer,
Captain BSV Bern

Aber an Pfadi, an der letzten Hürde, scheiterte er, weil der Gegner alles in allem an diesem Abend stärker war. «Das bessere Team hat gewonnen. Das gilt es neidlos anzuerkennen», betonte Captain Thomas Heer. Der Abwehrchef bedauerte: «Wir sind gegen ihr schnelles Spiel nie richtig zum Verteidigen gekommen. Das nervt mich. Das Spiel haben wir hinten verloren.»

Man darf es nicht in den Mund nehmen, der BSV habe diesen ­Final veryoungboyst. Denn dazu war seine Leistung zu gut, trat er trotz allem auch zu konstant auf, ohne dass er in ein tiefes Loch gefallen wäre. Die Berner haben den Match nicht verspielt: Sie sind bezwungen worden. Oder wie sagte Brüngger doch: «Wir haben nicht gewonnen, weil sie schlecht waren. Sondern weil wir top gespielt haben.»

Falls jemand in der Nacht auf Freitag in Winterthur ein paar fröhlich bewegte Leuchtwesten gesehen hat: Es waren Handballer, Cupsieger.

(Der Landbote)

Erstellt: 21.12.2017, 22:52 Uhr

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