Handball

Verletzte, Platzverweise und ein Sieg

Mit dem 25:24 (11:10) in Gossau setzt NLA-Leader Pfadi seine Siegesserie fort. Bis es aber so weit war, musste so einiges überstanden werden.

In der Schlusssekunde erzielte Marvin Lier mit einem Siebenmeter Pfadis Siegtreffer in Gossau; zuvor hatten die Winterthurer alle vier Penaltys verschossen.

In der Schlusssekunde erzielte Marvin Lier mit einem Siebenmeter Pfadis Siegtreffer in Gossau; zuvor hatten die Winterthurer alle vier Penaltys verschossen. Bild: Martin Deuring

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Man schrieb die letzte Spielminute. Fortitudo Gossau, der Aussenseiter und ständige Abstiegskämpfer, lag gegen Pfadi 24:23 vorne. Was dann folgte, gehört zu den unrühmlicheren Kapiteln dieser Liga.

Mag sein, dass in einem NLA-Spiel bisher noch nie innert so kurzer Zeit so viele direkte Platzverweise verhängt worden sind wie gestern. Drei waren es innerhalb von 34 Sekunden, alle gegen Gossauer, die sich offensichtlich bemüssigt sahen, den bereit liegenden Punktgewinn um jeden Preis einfahren zu wollen.

Marvin Liers Penalty

Bei Minute 59:24 erwischte Pascal Vernier den Ellbogen von Lucius Graf bei dessen Abwehrversuch am Kopf. Es gab Rot ohne Penalty. Acht Sekunden später brach Vernier, ziemlich angestachelt, durch und wurde, als er das 24:24 erzielte, im Kreis von Raphael Eberle angegangen: Rot mit Rapport. 28 Sekunden blieben den vier verbliebenen Gossauer Feldspielern zum zweiten Überraschungssieg der Saison (nach jenem in Kriens). Doch sie verloren gegen Pfadis Defensive den Ball. Dieser kam in die Hände von Jonas Langerhuus, der zwei Sekunden vor Schluss tief in der eigenen Hälfte drin von Niels Ham umgeworfen wurde: Rot mit Rapport und Penalty. So also nahm Marvin Lier Anlauf zum fünften Siebenmeter, den Pfadi in diesem Match zugesprochen erhielt. Alle vier davor wurden verschossen, zwei davon von Lier selbst . . .

Der Linksaussen, der wichtigste Winterthurer Skorer der zweiten Halbzeit, liess sich die Chance diesmal nicht entgehen und brachte, nach abgelaufener Spielzeit, den Ball zum 25:24-Siegtreffer im Gossauer Tor unter. Damit wurde Pfadis 18. Sieg in Serie über Gossau Tatsache. Diese zwei Punkte waren das gute Ende eines unerfreulichen Winterthurer Handballabends.

Vieles lief schief

Denn vorher war sehr vieles schiefgelaufen. Zur offensiven Leistung: In der ersten Hälfte versiebte Pfadi ein Dutzend bester Chancen, vier davon auf Penaltys und zwei in Kontern. In der zweiten Hälfte prägten nicht mehr die Würfe, sondern nun die technischen Fehler die Negativseite der Bilanz. Mit einem Tor aus sieben Angriffen war man nach der Pause gestartet, ehe eine Trefferserie die 18:15-Führung einbrachte. Die schien eine Vorentscheidung zu sein, war sie aber nicht, weil die Ausbeute wieder nachliess. Zur defensiven Leistung: Pfadi verteidigte die erste Viertelstunde lang sehr durchlässig. Eine deutliche Steigerung sowie die Einwechslung von Torhüter Arunas Vaskevicius brachten deutliche Besserung: Während 16 Minuten erzielten die Gossauer kein Tor mehr, aus dem 5:8 wurde ein 10:8.

Vaskevicius war Pfadis Mann des Abends. Sein Auftritt endete, als er die erste Rote Karte des Spiels einfing: In der 54. Minute stand er im Konter Raphael Eberle im Weg und musste vom Feld. Es war gewiss die harmloseste der vier Aktionen, die gestern Rot zur Folge hatten. Generell schienen die Schiedsrichter nicht immer alles im Griff zu haben.

Ein normales NLA-Spiel zweier nicht einmal arg rivalisierender Mannschaften geriet zum Tumult. Eigentlich aus heiterem Himmel. Die Schlussminute trübte den guten Eindruck, den die Gossauer zuvor hinterlassen hatten. Ihre Aufbaureihe mit Graf, dem Spielmacher aus Winterthur, Ham und Samuel Weingartner hat sehr wohl Potenzial und zeigte dies auch.

Reduziert in den Europacup

Die Winterthurer spielten nicht gut, aber sie kämpften sich in bemerkenswerter Weise bis zum Sieg durch – teils mit einer ungewohnten Aufstellung, die mitunter Michal Svajlen im linken Rückraum und Fabrizio Pecoraro als Rechtsaussen beinhaltete.

Der Grund: Das ohnehin schon reduzierte Team wurde gestern um weitere Einheiten geschwächt: Rechtsaussen Cédrie Tynowski übertrat sich in der 12. Minute den Knöchel schwer, nachdem ihm Simon Züger beim Torwurf den Fuss in den Weg platziert hatte. «Er hat richtig Schmerzen», sagte Trainer Adrian Brüngger über Tynowski. «Das ist gar nicht gut.» Zur zweiten Halbzeit tauchte Aufbauer Yannick Ott, der erneut gut gespielt hatte, nicht auf – wegen einer Prellung am Oberschenkel. Zudem liess sich Vernier öfters seinen Oberschenkel behandeln, und beim Foul zum 24:24 erwischte er einen Schlag auf die Rippe. Keine schöne Ausgangslage für das bevorstehende Europacup-Wochenende gegen den serbischen Serienmeister Vojvodina Novi Sad. (Der Landbote)

Erstellt: 04.10.2017, 23:52 Uhr

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