Handball

«Viel mehr geht nicht»

Mit den Kadetten Schaffhausen tritt Nationaltorhüter Simon Kindle am Mittwochabend zum NLA-Spitzenkampf gegen Pfadi an – gegen seinen Stammklub, der ihn letztes Jahr nicht verpflichten wollte.

Statt für Pfadi wehrt der Winterthurer Simon Kindle die Würfe der Gegner (hier Thuns Jonas Dähler) nun für die Kadetten Schaffhausen ab.

Statt für Pfadi wehrt der Winterthurer Simon Kindle die Würfe der Gegner (hier Thuns Jonas Dähler) nun für die Kadetten Schaffhausen ab. Bild: Christian Pfander

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Eigentlich müsste Simon Kindle, einst einer der talentiertesten Schweizer Handballtorhüter, in diesen Wochen mit Gossau um den Verbleib in der Nationalliga A kämpfen. Doch dann folgte der 24-Jährige – was natürlich nachvollziehbar war – im Dezember dem Ruf aus Schaffhausen. Statt RTV Basel, GC Amicitia und St. Otmar hiessen die Gegner des Jahres 2017 nun plötzlich FC Barcelona, THW Kiel, Flensburg-Handewitt, Veszprem oder Paris St-Germain. Sprich: Kindle traf auf einige der besten Teams Europas und erhält zudem die Chance auf seinen ersten Meistertitel. Bei den Kadetten besitzt er reichlich Spielzeit, selbst wenn die bisherigen, erfahrenen Torhüter Nikola Marinovic und Aurel Bringolf einsatzfähig sind.

Und: Vier Jahre nach seinem Debüt und den drei Auftritten am Yellow-Cup 2013 gehört Kindle – seit dem Yellow-Cup 2017 . . . – auch wieder zum Kreis des Nationalteams. Neun Länderspiele hat er inzwischen; als Partner von Nikola Portner und Flavio Wick werden weitere dazu kommen.

«Viel mehr geht nicht», sagt Kindle über die Einsätze mit den Kadetten und der Nationalmannschaft. «Ich bin auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Es hat sich alles zu meinen Gunsten entwickelt.»

Der Entscheid

2014 war alles infrage gestanden. Damals, am 12. Februar im Heimspiel gegen Wacker Thun, befand er sich zum letzten Mal in Pfadis Aufgebot. Es folgten Operationen an beiden Hüften, um eine angeborene Fehlstellung zu korrigieren. Bringolf sprang in Winterthur für ihn (an der Seite von Martin Pramuk) ein.

Ziemlich genau ein Jahr lang musste Kindle aufs Comeback warten. Am 21. Februar 2015 tauchte sein Name erstmals wieder auf einem Matchblatt auf, zu einem Erstliga-Spiel der Seen Tigers. Bei ihnen beendete er die Saison, ehe er für die folgende Spielzeit von Pfadi an Gossau ausgeliehen wurde. In der konstant abstiegsgefährdeten Mannschaft versuchte er den Weg zurück. Es gelang ihm – aber offenbar nicht gut genug, um Pfadis Verantwortliche zu überzeugen.

Denn als sein Stammklub die Torhüterpositionen für die laufende Saison besetzte, entschied man sich gegen den jungen Spieler aus den eigenen Reihen und für die Routiniers Arunas Vaskevicius (43) und Matias Schulz (34). «Das war hart», erinnert sich Simon Kindle, ein Winterthurer durch und durch. «Für mich war es eine recht schwierige Situation.» Im Nachhinein aber sei es «ja gut herausgekommen». Das beinhaltet auch dies: «Jener Entscheid bedeutete für mich eine Loslösung vom Verein, mit dem ich mich immer verbunden gefühlt habe. Seither kann ich machen, was ich will.»

Der Verzicht auf Kindle sorgte auch intern für Diskussionsstoff. Man habe damals das Risiko, dass die Hüfte der Belastung nicht würde standhalten können, als hoch eingeschätzt, erklärt Pfadi-Trainer Adrian Brüngger und ergänzt: «Wir sind sehr zufrieden mit unseren beiden Torhütern. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir etwas anders hätten machen sollen.» Brüngger freut sich für Kindle: «Er hat schon in der ersten Meisterschaftshälfte mit Gossau gute Leistungen gezeigt und da gegenüber der vorherigen Saison nochmals einen Schritt gemacht. Schön für ihn, wie es jetzt gelaufen ist.»

Weiter in Schaffhausen?

Simon Kindle ist zurück. «Ich kann auf einem Level trainieren, wie ich es vor zwei Jahren nicht erwartet hätte», betont der Winterthurer, der in der Stadt in einer WG lebt. Sein Vertrag bei den Kadetten läuft Ende Saison aus. Ebenso jener von Pfadis Vaskevicius, wobei Brüngger nach wie vor hofft, dass sich eine finanzielle Lösung ergibt.

Wie Kindles Laufbahn weitergeht, ist offen. Neben David Graubner, dem Betriebsleiter der BBC-Arena, und Andrija Pendic ist er der einzige berufstätige Spieler der Kadetten. Zu 40 Prozent arbeitet er bei der Standortförderung Winterthur. «Eine perfekte Lösung», sagt Kindle zur Aufteilung. Bei den Kadetten stehen nächste Saison weiterhin Bringolf sowie neu der international erfahrene Kroate Ivan Stevanovic (34), der für drei Jahre unterzeichnet hat, unter Vertrag. Gespräche mit den Schaffhausern, die Interesse bezüglich einer Verlängerung signalisiert hätten, würden anstehen, erklärt Kindle. Zugleich werde er auch «andere Möglichkeiten abchecken».

Und die Hüfte? «Das ist meine Schwachstelle», räumt Kindle ein. «Andere Spieler habe Probleme mit dem Knie, ich mit der Hüfte. Es ist nicht perfekt.» Aber klar sei auch: «Ich hatte vor den Operationen mehr Schmerzen als jetzt – und ich bin beweglicher geworden.» Es hat sich in der Tat vieles zum Guten gewendet. ()

Erstellt: 21.03.2017, 22:27 Uhr

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