Handball

Von der Logik einer Niederlage 

Mit dem 32:34 (17:15) gegen den BSV Bern bezieht Pfadi die erste NLA-Heimniederlage in der Axa-Arena und verliert zugleich wieder die Tabellenführung.

Mit 13 Toren aus 16 Versuchen war Marvin Lier auch gegen den BSV Bern (Edin Tatar) der erfolgreichste Skorer Pfadis.

Mit 13 Toren aus 16 Versuchen war Marvin Lier auch gegen den BSV Bern (Edin Tatar) der erfolgreichste Skorer Pfadis. Bild: Enzo Lopardo

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Vor einer Woche im ersten Durchgang der Finalrunde siegte Pfadi in St. Gallen, profitierte vom Taucher der Kadetten Schaffhausen in Aarau und eroberte Platz 1. Gestern gewannen die Kadetten in St. Gallen, Pfadi verlor sein Spiel und musste die Schaffhauser wieder an sich vorbei ziehen lassen.

Die erneute Rochade an der Tabellenspitze hätten die Winterthurer eigenhändig verhindern können. Doch am Ende passte in diversen Bereichen nicht alles zusammen. «Diese Niederlage hatte eine gewisse Logik», beschrieb Trainer Adrian Brüngger. «Wir waren auch etwas selber schuld.»

Die verpassten Führungen

Zu dieser Logik gehör: Wer in der ersten Halbzeit relativ souverän 14:9 in Führung geht und in der Schlussphase vom 27:29 zum 32:31 eine Wende erzwingen kann, der sollte ein Spiel gewinnen können.

Zuerst liessen die Winterthurer den BSV auf 14:12 heran kommen. Sie brachten ihn definitiv zurück ins Spiel, als sie innert Kürze ein 18:15 zum 18:18 hergaben. Anschliessend rissen die Berner die Vorteile an sich, führten mitunter gar 23:26, um dann selbst wieder ins Straucheln zu geraten. Pfadi schien in den letzten Minuten, unterstützt von 1250 Zuschauern, dem Sieg näher zu sein. Nach dem 32:31 durch Filip Maros gelang in den verbleibenden vier Minuten allerdings kein Tor mehr, wogegen der BSV seine Möglichkeiten zum 32:34 verwertete.

Die verpassten Chancen

Das Spiel war umstritten und abwechslungsreich – aber hätte nicht mit der ersten Meisterschaftsniederlage in der Axa-Arena enden dürfen. Pfadi grösste Schwäche war – trotz der 32 erzielten Tore – die Chancenauswertung. «Wir haben zu oft frei verschossen», meinte Brüngger.

Vier Fehlwürfe in Serie hatten schon das schöne 14:9-Polster gekostet. Fünf Paraden von BSV-Torhüter Edin Tatar gleich nach der Pause mündeten bis zur 41. Minute in Pfadis ersten Rückstand (20:21). Und nach dem 32:31 beendeten drei Fehlwürfe das Spiel, das endgültig gelaufen war, nachdem sich der ansonsten erneut sehr effiziente Kreisläufer Markus Dangers im Freiwurf überhastet als Distanzschütze versucht und Tatar zur zehnten Parade der zweiten Halbzeit verholfen hatte. Ärgerlich waren die Versuche von Maros (beim Stand von 29:29) und Kevin Jud (bei 32:32), die neben das leere Tor der Berner flogen. Null Tore aus insgesamt drei Würfen aufs verlassene Tor halfen natürlich nicht. Hinzu kam eine mittelprächtige Quote in Gegenstössen.

Die defensiven Probleme

In der ersten Halbzeit, auf dem Weg zum 14:9, gelangen Pfadis Defensive ein paar Blocks. Grundsätzlich aber war es auch gestern so, dass «wir in der Abwehr zuwenig gut sind», wie Brüngger erwähnte. Die Berner verteidigten nach der Pause eine Spur besser, was letztlich nicht unerheblich war.

Tatar spielte dank seiner zweiten Halbzeit die wichtigste Rolle unter den Torhütern, auch wenn Pfadis Matias Schulz mit zwölf Paraden einen recht guten Match verbrachte. Zweimal hatte Schulz Pech: Das 20:21 von Tobias Baumgartner wehrte er möglicherweise auf der Torlinie ab und in der 59. Minute parierte er den Penalty von Simon Getzmann, um im Nachschuss zum 32:33 bezwungen zu werden. «Wir holten zuwenig Abraller», nannte Brüngger einen weiteren Mangel.

Die Abwehrprobleme der Winterthurer verschärften sich, als Peter Schramm, ihr bester verbliebener Verteidiger, in der 13. Minute bereits die zweite Zeitstrafe kassiert hatte. Bei Minute 36 musste er vom Feld. «Das machte unsere Aufgabe nicht leichter» bedauerte Brüngger. In der 57. Minute folgte Luigi Quni, eine weitere Abwehrstütze, nach der dritten Zeitstrafe.

Die vielen Strafen

Schramm, Quni und auf Berner Seite Jakub Szymanski – dass derart viele Spieler disqualifiziert wurden, lag nicht an ihnen selbst, sondern an den Schiedsrichtern, die sehr früh und zu grosszügig Strafen verteilten. Sie zerpfiffen dadurch eine Begegnung, die fair war. Der Massstab stimmte nicht für ein Spiel dieser Sportart.

Entscheidend war das nicht, weil beide Teams gleichermassen unter die Räder kamen. Aber es wurde zur unschönen Begleiterscheinung eines an sich sehenswerten Handballabends, der für Pfadi unangenehm endete.

Pfadi - BSV Bern 32:34 (17:15) Axa-Arena. – 1225 Zuschauer. – SR Hennig/Meier. – Torfolge: 1:0, 6:4, 9:5, 14:9, 14:12, 17:15; 18:15, 18:18, 20:19, 20:21, 23:24, 23:26, 27:29, 30:29, 32:31, 32:34. – Strafen: 8x2 plus 2 Disqualifikationen (36. Schramm und 57. Quni) gegen Pfadi, 13x2 plus 1 Disqualifikation (56. Szymanski) gegen BSV Bern. – Pfadi: Schulz (42. bis 52. Schelling); Quni, Ott (2), Maros (2), Tynowski (6), Pecoraro (1), Dangers (3), Lier (13/6), Heer, Jud (3), Schramm (2). – BSV Bern: Tatar (Milosevic für 1 Penalty); Heer, Baumgartner (3), Getzmann (6/4), Striffeler (3), Kusio (9), Gerlich (2), Strahm, Szymanski (7), Mühlemann (4). – Bemerkungen: Pfadi ohne Vernier, Freivogel und Svajlen, BSV Bern ohne Spinola (alle verletzt). 39. Tatar hält Penalty von Jud. 59. Schulz hält Penalty von Getzmann, der im Nachschuss zum 32:33 trifft. (Der Landbote)

Erstellt: 10.02.2019, 21:43 Uhr

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