Eishockey

Der EHCW braucht noch Personal

Die Auflösung der Partnerschaft mit Kloten durch dessen Abstieg ist für den EHC Winterthur eine Herausforderung, gleichzeitig aber auch eine Chance.

Auf Klotener Nachwuchsspieler wie Adrian Wetli kann der EHCW nicht mehr zurückgreifen. Der Klub muss auf eigenen Füssen stehen.

Auf Klotener Nachwuchsspieler wie Adrian Wetli kann der EHCW nicht mehr zurückgreifen. Der Klub muss auf eigenen Füssen stehen. Bild: Heinz Diener

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Für den EHC Kloten war eine Katastrophe, was am 25. April geschah. Durch die 1:2-Niederlage gegen Rapperswil-Jona war besiegelt, was sich die ganze Saison abgezeichnet hatte: Der Abstieg in die Swiss League. Seit jenem Abend weiss auch Michel Zeiter, der Trainer und Sportchef des EHC Winterthur, dass er punkto Kaderplanung nochmals über die Bücher muss. Denn mit Klotens Abstieg war der Partnerschaftsvertrag mit dem ehemaligen National-League-Team aufgelöst und damit sein Kader plötzlich zu knapp.

Klotens Aufstiegshilfe

Auch wenn die Klubs im Nachwuchs unter dem Label «Youngflyers» weiterhin zusammenarbeiten, ist dies auf der Profistufe nicht mehr opportun. Denn in der Swiss League sind Kloten und der EHCW nun direkte Konkurrenten. Wie lange sie das bleiben, ist offen. Jedenfalls kann man in Winterthur vernünftigerweise nicht davon ausgehen, dass nach einem kurzen Unterbruch alles weiterläuft wie vorher. Niemand weiss, ob und wann Kloten wieder in die National League zurückkehrt. Von den Reglementen her wäre eine Kooperation wie bis anhin, also der Austausch von B-Lizenz-Spielern, sowieso nicht mehr im selben Stil möglich wie vorher, als die beiden Klubs noch nicht in derselben Liga spielten.

Ohne die Partnerschaft mit Kloten hätte der EHCW vor gut drei Jahren den Schritt in die zweithöchste Spielklasse kaum gewagt. Damals stellte der Oberklassige den Winterthurern einen von vier Blöcken zur Verfügung. Kloten richtete den Blick noch auf auf die nationale Spitze aus, also handelte es sich um Ergänzungsspieler für das Fanionteam, um den «fünften Block» Klotens, der Winterthur verstärken sollte. Später, als sich die finanziellen Voraussetzungen für Kloten verschlechterten, waren es grösstenteils Elite-Junioren, die nach Winterthur kamen, dazu in Ausnahmefällen mal einer, der nach einer Verletzungspause Spielpraxis brauchte. Aber auch letzte Saison konnte Zeiter in Winterthur Spiel für Spiel auf zwei, drei oder auch mal mehr Klotener zählen.

Mehr Geld nötig

Für den EHCW war das in erster Linie finanziell eine Hilfe. Denn für die Klotener Spieler mussten die Winterthurer kein Geld in die Hand nehmen. Umgekehrt konnten die jungen Klotener in Winterthur an höhere Aufgaben herangeführt werden. Fast alle jungen Spieler, die in diesen Tagen und Wochen in Kloten Verträge unterschrieben, hat man in der vergangenen Saison in der Zielbau-Arena im Einsatz gesehen: Serge Weber, Alain Bircher, Ramon Knellwolf, Marco Lehmann oder Adrian Wetli.

Dass die Zusammenarbeit mit Kloten wegfällt, ist für EHCW-Sportchef Zeiter also zunächst mal ein finanzielles Problem. Denn im Prinzip hat er sein Budget ausgeschöpft: Zwei Torhüter, acht Verteidiger und zehn Stürmer (unter ihnen die zwei Ausländer) stehen unter Vertrag. Das sind mehr eigene Spieler als in den vorangegangenen drei Saisons, als die fehlende Breite eines der grossen Probleme des EHCW gewesen war. «Jetzt braucht es noch zwei bis drei Spieler zusätzlich», schätzt Zeiter. Die Kosten dafür dürften sich im fünstelligen oder im tiefen sechsstelligen Bereich bewegen.

Das ist Geld, das der EHCW zusätzlich auftreiben muss. Zeiter hofft, dass es gelingt: «Ich glaube, wir sind für die neue Saison sehr gut aufgestellt. Es wäre schade, wenn das Kader durch die unerwartete Situation mit Kloten erneut zu knapp wäre.»

Drei Möglichkeiten

Der Winterthurer Sportchef hat verschiedene Möglichkeiten, sein Personalproblem zu lösen. Die Naheliegendste: Er geht nochmals auf Einkaufstour. Dafür müsste dann aber das Geld vorhanden sein. Spieler sind dagegen genug auf dem Markt. Ab Freitag geht der EHCW einmal wöchentlich in Wetzikon aufs Eis. Dann wird der eine oder andere Probespieler dabei sein. «Da hat es durchaus Leute, die in mein Anforderungsprofil passen und die auch gerne zu uns kommen möchten», ist Zeiter überzeugt.

Billiger wäre es, eigene Nachwuchsspieler nachzuziehen. Auf diese Schiene will der EHCW ohnehin wieder stärker setzen als auch schon. Deshalb sind sechs Elite-B-Junioren ins Sommertraining mit der ersten Mannschaft eingestiegen. «Wer weiss, vielleicht drängt sich der eine oder andere auf, vielleicht kann auch eine ganze Linie für Entlastung sorgen», gibt Zeiter zu bedenken. Im Normalfall ist allerdings davon auszugehen, dass der Sprung von den Elite-B-Junioren in die Swiss League sehr, sehr gross ist.

Eine dritte Variante wäre: Zeiter wartet einfach zu und holt im Spätsommer Spieler, die anderswo durchs Raster gefallen sind, womöglich mit befristeten Verträgen für wenige Matches, um die Finanzen im Lot zu halten. Dies wäre auch eine Möglichkeit, um Verletzungen während der Saison ausgleichen zu können. Anzunehmen ist, dass Zeiter alle drei Varianten ein Stückweit umsetzt: Den einen oder anderen neuen Spieler holt, den eigenen Nachwuchsspielern eine Chance gibt und während der Saison auch mal Spieler für ein paar wenige Partien engagiert.

Keine neue Partnerschaft

Kein Thema ist für den EHCW eine neue Partnerschaft im Stil der bisherigen mit Kloten, etwa mit dem in die National League aufgestiegenen Rapperswil-Jona. Die Voraussetzung dafür wäre nur schon deshalb schlecht, weil die Lakers kein Elite-A-Junioren-Team haben. Ihre ältesten Junioren spielen in der Elite B, gleich wie jene des EHCW.

Kommt hinzu: Es ist nicht unbedingt das Ziel der Winterthurer, wieder von einem anderen Klub abhängig zu sein. «Der Abstieg Klotens ist für uns auch eine Chance», glaubt Zeiter. Der EHCW hat dadurch die Möglichkeit, sich in der Swiss League als Klub zu etablieren, der sein Schicksal in den eigenen Händen hat. (Der Landbote)

Erstellt: 15.05.2018, 18:23 Uhr

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