Die Farbe des Geldes

Die Story rund um das neue Team in Seattle zeigt, dass auch in der NHL nicht immer mit den gleichen Ellen gemessen wird.

Illustration Kornel Stadler.

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Der Mensch liebt Symmetrie, der Sport lebt davon: gleiche Regeln für alle, Fairplay, und möge der Bessere gewinnen. So weit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus: Es geht um Geld, Geld, nochmals Geld.

Immerhin gibt sich die NHL schon lange keine Mühe mehr, das zu verstecken. Und lässt sich nun mit 650 Millionen Dollar dafür bezahlen, eine jahrelange Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen.

Das ist der Betrag, den eine Investorengruppe überweist, damit Seattle 2021 als 32. Team in die NHL darf. Es ist Geld, das die anderen Clubs fair unter sich aufteilen können: rund 20 Millionen für jeden. Und es ist jene Art von Symmetrie, die man in der besten Liga der Welt versteht. Dass es in der Western Conference seit Jahren weniger Mannschaften gibt und die Chancen aufs Playoff entsprechend grösser sind: Mit dieser Ungerechtigkeit konnte die Liga gut leben. Die Aussicht auf 20 Millionen milderte möglichen Ärger bei den Betroffenen.

Jetzt wo Symmetrie hergestellt wurde, wo die 32 Clubs sich sauber in vier Conferences verteilen lassen, ist es Zeit für einen Kassensturz. Die 650 Millionen aus Seattle sind ja nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die vor 1967 ihren Anfang nahm.

Immer teurer

Verhältnismässig bescheidene 2 Millionen Eintrittsgebühr zahlten damals sechs neue Mannschaften den sogenannten «Original Six», um mitmachen zu dürfen in deren Liga. In den folgenden Jahren wuchs die NHL ebenso wie die Eintrittspreise. Als Gary Bettman 1993 Commissioner wurde, stiessen als 23. und 24. Team Florida und Anaheim dazu. Der Preis betrug jetzt 50 Millionen; 1999 bei Minnesota schon 80, 2017 bei Las Vegas schon 500 Millionen.

Vom Kerngeschäft der Teambesitzer ist damit noch nicht einmal etwas gesagt: von den rasant wachsenden TV-Geldern und Werbeeinnahmen. Und damit von der eindrücklichen Wertsteigerung der Teams.

Am selben Tag nämlich, als die Expansion nach Seattle bekannt wurde, veröffentlichte die Zeitschrift «Forbes» ihre Liste der wertvollsten NHL-Clubs: Mit 1,44 Milliarden Dollar sind die New York Rangers die Nummer 1. Und mit 3 Prozent Wertsteigerung gegenüber dem Vorjahr auch ein solides Investment für Superreiche.

Nur zwei von 31 Clubs verloren an Wert, 3 Prozent bloss – und selbst Arizona und Florida sind noch 290 und 295 Millionen wert. Allein in den letzten zehn Jahren stieg der Durchschnittswert eines Clubs um über 170 Prozent.

Beim Boss ging es ganz schnell

Das ist die Art Symmetrie, die den Clubbesitzern etwas bedeutet. Und die auch honoriert wird. Zum Beispiel von der Hall of Fame, der Ruhmeshalle des Eishockeys, die sich als Hüterin des Sports versteht. Während Spieler nach dem Rücktritt mindestens drei Jahre warten müssen, ehe sie in ihren erlauchten Kreis aufgenommen werden dürfen, geht es bei den sogenannten Baumeistern des Sports ganz schnell. Bei Gary Bettman zum Beispiel, der letzten Monat Aufnahme fand.

Der Grund ist klar: Unter dem Commissioner stieg der Umsatz der Liga innerhalb eines Vierteljahrhunderts von 400 Millionen Dollar auf fast 5 Milliarden. Am selben Novembertag wie Bettman wurde übrigens auch der 83-jährige Willie O’Ree in die Ruhmeshalle aufgenommen. Bei ihm dauerte es etwas länger. O’Ree war 1958 der erste Schwarze in der NHL und spielte 1961 seinen letzten Match in der besten Liga der Welt.

57 Jahre später schaffte er es in die Hall of Fame. Symmetrie sieht anders aus.

Erstellt: 06.12.2018, 14:24 Uhr

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