Eishockey

Die Strafenkönige müssen mehr Powerplaytore erzielen

Der EHCW trifft innert 48 Stunden auswärts auf Olten und zuhause auf Langenthal. Punkte wären eine Überraschung. Dafür wären markante Verbesserungen nötig.

Mike Küng (rechts) ist der meistbestrafte Spieler des EHCW, knapp vor Riley Brace. In der ganzen Liga sass nur der Visper Troy Josephs öfter in der Kühlbox.

Mike Küng (rechts) ist der meistbestrafte Spieler des EHCW, knapp vor Riley Brace. In der ganzen Liga sass nur der Visper Troy Josephs öfter in der Kühlbox. Bild: Madeleine Schoder

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Viele Punkte kann man vom EHC Winterthur am Freitag in Olten und am Sonntag (16 Uhr) zuhause gegen Langenthal nicht erwarten. Denn Olten hat nach einem verhaltenen Start seit Mitte Oktober meistens gewonnen. Nur das 4:5 letzte Woche gegen die GCK Lions passt nicht in dieses Bild. Und zu Langenthal gibts bekanntlich dies zu sagen: 19 Mal ist der EHCW seit dem Aufstieg in die Swiss League gegen die Oberaargauer angetreten, nie hat er gewonnen, zweimal immerhin schaffte er es in die Verlängerung.

Aber wenn der EHCW im Strichkampf den Anschluss nicht abermals schon in der Adventszeit verlieren will, muss er auch mal wieder gegen höher eingestufte Teams punkten. Denn der Rückstand auf die achtplatzierten GCK Lions beträgt bereits acht Zähler, und der Vorsprung auf den Letzten Biasca nach dessen 6:2-Erfolg gegen Visp nur noch fünf. EHCW-Trainer Michel Zeiter sagt: «In solchen Phasen dürfen wir nicht auf die Tabelle schauen, da machen wir uns nur verrückt. Wir müssen uns einfach auf das nächste Spiel konzentrieren.» Er, sein Assistent Misko Antisin und die Mannschaft seien zuversichtlich, dass man auch einen «Grossen» der Swiss League bezwingen könne.

Zuviele Gegentore

Dazu wäre zunächst mal eines wichtig: Nicht schon früh in Rückstand zu geraten. Zuletzt hat der EHCW in Kloten das erste Tor eines Spiels geschossen (was damals nicht viel geholfen hat). Seither ist er sechsmal 0:1 oder höher in Rückstand geraten. So verliert man an Selbstvertrauen, man gerät ins immer gleiche mentale Fahrwasser und gibt dem Gegner die Sicherheit, dass sein Konzept aufgeht.

Die frühen Gegentore sind nur ein Teil des grossen Ganzen: Der EHCW kassiert überhaupt zuviele Tore, mit 102 die mit Abstand meisten von allen Teams. Das sind 4,43 pro Spiel – deutlich mehr als letzte Saison (3,48). Die Frage ist, woran das liegt. Für die Antwort rückt im Eishockey schnell mal der Torhüter in den Fokus. Tim Guggisberg hat eine Abwehrquote von 86,59 Prozent. Das reicht für ein Team des hinteren Tabellendrittels normalerweise nicht, um ein Spiel zu gewinnen. Beim selten eingesetzten Justin Gianola sinds 86,76 Prozent. Letzte Saison kam Guggisberg auf 89,76 Prozent, Remo Oehninger gar auf 90,19. Der 22-jährige Guggisberg kassierte in den letzten Wochen haltbare Gegentor, etwa das 0:1 gegen die EVZ Academy. Aber: Bei jungen Spielern ist mit Leistungsschwankungen zu rechnen. Und man kann auch vermuten, dass es die Vorderleute ihren Torhütern nicht gerade leicht machen.

Die Kehrseite vieler Schüsse

Zum Beispiel sind die EHCW-Goalies mehr als alle anderen in Unterzahl gefordert. Mit bisher 370 Strafminuten liegen die Winterthurer auf Platz eins dieser Rangliste. Die Folge: Sie kassierten schon 24 Gegentore in Unterzahl. Nur Biasca ist im Boxplay gleich schlecht.

Was den Torhütern und auch den Verteidigern zudem zu schaffen machen könnte, ist eine andere, an sich positive Entwicklung: Das Schussverhältnis lautet im Schnitt pro Spiel etwa 31:33, ist also im Vergleich zu anderen Jahren nur knapp negativ. Das sagt nichts darüber aus, wie gefährlich diese Abschlüsse waren. Interessant ist aber die erste Zahl trotzdem. Nur Kloten, Ajoie und Thurgau haben öfter aufs Tor geschossen. Die Zahl lässt vermuten, dass der EHCW öfter am Puck ist als in früheren Saisons. Doch wenn ein Team aus den hinteren Tabellenregionen mehr Spielanteile hat, dann ist es meist auch häufiger schnellen Gegenstössen ausgesetzt. Und wenn die Gegner mit Tempo in die Winterthurer Zone kommen, macht das die Arbeit für Verteidiger und Torhüter schwieriger.

Powerplay nicht effizient

Auch deshalb beginnen die Spiele der Winterthurer nicht selten so: Man glaubt, sie hätten alles im Griff, und plötzlich kassieren sie das 0:1 und womöglich noch ein zweites Tor. «Und dann fehlt uns im Gegensatz zu den Spitzenteams die Erfahrung und das Vertrauen in unsere Fähikgkeiten, um solche Rückstände noch zu kehren», sagt Zeiter.

Am einfachsten zu lösen wäre dieses Problem natürlich, wenn der EHCW selber in Führung ginge. Um das zu bewerkstelligen, verbessert er sich am besten in einer ziemlich wichtigen Statistik. Die Winterthurer sind nicht nur die Strafenkönige der Liga, sie holten erstaunlicherweise auch die meisten Strafen heraus. Das Problem ist: Sie nutzen das viel zu wenig. Nur gerade etwas mehr als 9 Prozent der Powerplays werden zu einem Tor genutzt. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert der Liga. Wird der besser, können viele Spiele ganz anders laufen. Denn Tore beflügeln und machen dem Gegner Eindruck.

Erstellt: 28.11.2019, 18:46 Uhr

Swiss League

Olten - EHCW. Kleinholz, Freitag, 19.45 Uhr.

EHCW - Langenthal. Zielbau Arena, Sonntag, 16 Uhr.

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