Eishockey

Ein Favorit und viel Spannung in der Swiss League

Die Swiss League hat nach zwei Saisons mit elf nun wieder zwölf Mannschaften, den Sollbestand. Mit Langenthal und Olten müssen zwei der Topteams etwas zurückbuchstabieren. Deshalb ist Kloten Favorit.

Dominic Forget wird Klotens Offensive verstärken.

Dominic Forget wird Klotens Offensive verstärken. Bild: Heinz Diener

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Nach dem Aufstieg von Sierre umfasst die Swiss League wieder ihre Normgrösse von zwölf Mannschaften. Von ihnen kann nur Kloten den Anspruch erheben, ein valabler Kandidat für den Aufstieg in die National League zu sein. Hinten gibts erstmals seit vielen Jahren einen Abstiegskampf. Das ist die Ausgangslage:

Der grosse Favorit

EHC Kloten (2018/19 Rang 5 in der Qualifikation, im Playoff-Viertelfinal ausgeschieden). In der vergangenen Saison hatten die Klotener nach ihrem Abstieg im letzten Moment eine schlechte Ausgangslage auf dem Transfermarkt – und machten auch vieles falsch. Daraus haben sie ihre Lehren gezogen. Mit Per Hanberg ist nun der Mann Trainer, der Langenthal zum Titel geführt hat. Mit Dominic Nyffeler (von Ajoie) steht ein für die Swiss League guter Goalie zur Verfügung und mit Eric Faille (CAN) und Robin Figren (SWE) wurden zwei starke Ausländer für den Sturm verpflichtet. Auch der eingebürgerte Kanadier Dominic Forget dürfte für Spektakel sorgen. Das erfahrene Personal, das mit Abstand höchste Budget (8,5 Millionen), die Infrastruktur und der grosse Anhang machen Kloten zum klaren Favoriten in der Swiss League. Die Frage ist: Reicht das auch für die Rückkehr in die National League?

Die ersten Herausforderer

HC La Chaux-de-Fonds (1./Finalist). Die Neuenburger haben letzte Saison ein Resultat erreicht, dass der Qualität der Mannschaft entspricht. Mit Tim Coffman (USA) und Brett Cameron (CAN) sind die beiden starken Ausländer geblieben, Verteidiger Frédéric Iglesias (SCRJ) und Stürmer Konstantin Schmidt (Ajoie) sind vielversprechende Zuzüge. Lou Bogdanoff, ein Franzose mit Schweizer Lizenz, könnte gar eine Trouvaille sein. Der HCC ist nominiell wohl auf Augenhöhe mit Kloten. Neu ist der Trainer: Der Schwede Mikael Kvarnström, zuletzt fünf Jahre in Norwegen für Lillehammer tätig, ersetzt Serge Pelletier.

HC Ajoie (2./Viertelfinal). Die Mannschaft aus dem Pruntruter Zipfel ist im Februar vom guten Weg abgekommen. Erst verlor man die Tabellenführung an La Chaux-de-Fonds, dann den Playoff-Viertelfinal gegen Thurgau. Qualität hat das Team, das in der siebten Saison von Gary Sheehan trainiert wird, weiterhin. Aber Ajoie hängt von der Torproduktion der Kanadier Jonathan Hazen und Philip-Michaël Devos ab. Im Tor wurde Dominic Nyffeler (zu Kloten) durch Tim Wolf (von La Chaux-de-Fonds) eher nicht gleichwertig ersetzt. Speziell ist: Die 1973 erbaute Patinoire Voyeboeuf ist teilweise schon abgerissen worden. Trotzdem kann diese Saison noch gespielt werden.

Die klaren Playoff-Anwärter

EHC Olten (3./Halbfinal). Lange wurden die Solothurner aufgrund der Breite und Qualität ihres Kaders als einer der grossen Favoriten der Swiss League gehandelt. Doch das Aus kam im Playoff-Halbfinal gegen Langenthal. Noch grösser war der Schock im August: Die Ausgaben übertrafen die Einnahmen um über eine Million Franken. Nur weil Verwaltungsräte grosszügig auf Darlehen verzichteten, konnte der Kollaps abgewendet werden. Das Budget für die kommende Saison ist deshalb kleiner, das Kader deutlich jünger. Dion Knelsen (SCRJ) und Garry Nunn (AIK Solna) sind die Ausländer, Fredrik Söderström (SWE) ersetzt Chris Bartolone (USA) an der Bande.

SC Langenthal (4./Meister). Auf den Meistertitel (4:0 Siege im Final gegen La Chaux-de-Fonds) folgte die grosse Ernüchterung: Im Schoren hätten die Oberaargauer im Falle eines Aufstiegs nicht spielen können, also sagten sie die Ligaqualifikation gegen Rapperswil-Jona ab. Im August wurde klar: Der Titel wurde mit einem Verlust von rund 550000 Franken bezahlt. Zu einem Umbruch wäre es auch sonst gekommen. Nach der Ära von Jeff Campbell ist auch jene von Brent Kelly zu Ende gegangen. Campbell ist vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegen. Als Einziger des ehemals kongenialen Trios bleibt Stefan Tschannen im Spielerkader. Joey Benik (USA/Lillehammer) und Andrew Clark (CAN/Innsbruck) heissen die neuen Ausländer. EHC Visp (6./Viertelfinal). Ein neues Stadion kann eine Mannschaft beflügeln – oder hemmen. Das wird sich zeigen. Nominell ist das Team von Matti Alatalo dank den Zuzügen von Fabian Haberstich (Zug) und Nils Berger (Langnau) eher besser besetzt als letzte Saison. Der neue Kanadier Troy Josephs (Storhamar) hat sich in der Vorbereitung aber genauso verletzt wie der Amerikaner Mark van Guilder. Also wurde mit dem Finnen Michael Keränen bis auf weiteres ein zusätzlicher Ausländer verpflichtet.

HC Thurgau (7./Halbfinal). Mit dem Vorstoss in den Playoff-Halbfinal hat das Team von Stephan Mair letzte Saison für einen Exploit gesorgt, der durchaus wiederholt werden könnte. Michael Loosli (Rapperswil-Jona) und Sami El Assaoui (Valais-Chablais) sind zwar schmerzhafte Abgänge. Dafür stiessen im Sturm Niki Altorfer (Visp) und Dominic Hobi (La Chaux-de-Fonds) dazu, für die Verteidigung Bernhard Fechtig, ein Österreicher mit Schweizer Lizenz. Die kanadischen Zwillinge Connor und Kellen Jones (28), bisher hauptsächlich in der AHL tätig, müssten stärker sein als ihre Vorgänger Cody Wydo und Kenny Ryan. Connor Jones absolvierte in der Saison 2016/17 vier Spiele für die New York Islanders.

Die Playoff-Bewerber

EVZ Academy (8./Viertelfinal). Das Farmteam des EV Zug ist ein Playoff-Anwärter, seit es in die Swiss League implantiert worden ist. In den letzten beiden Jahren wurde das Ziel erreicht. Jedes Jahr startet eine junge Mannschaft, die sich rasch zu entwickeln pflegt. Diesmal sind allerdings ziemlich viele erfahrene Kräfte weitergezogen. Als Trainer amtet neu der Schwede Roger Hansson. Einziger Ausländer ist der Däne Emil Kristensen.

GCK Lions (9.). Erst im letzten Spiel gegen die EVZ Academy hat der EHCW-Gegner vom Samstag das Playoff verpasst. Diesmal könnte es reichen. Die GCK Lions holten mit Antonio Rizzello und Léonardo Fuhrer (beide SCRJ) zwei weitere Routiniers, Tim Ulmann ist zurückgetreten. An der Bande ist Michael Liniger der neue Chef. Mit dem Schweden Victor Backman und dem Amerikaner Ryan Hayes sind die bewährten Ausländer geblieben. Wie üblich ist die Qualität der Mannschaft auch davon abhängig, wer bei den ZSC Lions gebraucht wird oder eben abkömmlich ist.

EHC Winterthur (10.). Das Playoff wurde letzte Saison klar verpasst. Aber die Winterthurer wollen ein Aspirant darauf sein. Die Bedingungen in und um die Zielbau-Arena sind professioneller geworden, das Kader ausgeglichener. Im Sturm müssten Zack Torquato, Riley Brace und Thibaut Monnet für mehr Tore sorgen können. Sollten aber erneut zu viele Schlüsselspieler ausfallen, droht der Abstiegskampf.

Die Abstiegskämpfer

Ticino Rockets (11.). So schwach wie letzte Saison, als sie nur 14 Punkte holten, dürfen die Tessiner nicht sein. Sonst steigen sie ab. Die Basis wurde verbreitert. Nicht nur Ambri, Lugano und Davos alimentieren das Team mit jungen Spielern, sondern neu auch Lausanne. Die Tessiner Clubs liefern mit dem amerikanischen Stürmer Max Gerlach (Ambri) und dem tschechischen Verteidiger Jan Bartko (Lugano) auch je einen Ausländer. Als Trainer wurde Jan Cadieux durch Alex Reinhard (ehemals La Chaux-de-Fonds) ersetzt.

HC Sierre (1. Mysports League). Nach dem Rückzug aus der NLB 2014 erfolgte der Neustart von der 3. Liga aus unter grosser Anteilnahme des Publikums. Der starke Partner der Aufsteigermannschaft des Kanadiers Dany Gelinas ist Genf-Servette, das mit seinen Nachwuchsspielern eine gute Basis stellt. Die Genfer waren zuletzt zweimal Schweizer Meister in der Elite A. In der Person von Goran Bezina liefert Servette auch den wichtigsten Zuzug. Mit den Kanadiern Eric Castonguay und Guillaume Asselin stehen zwei ausländische Stürmer zur Verfügung. Im Cup wehrte sich Sierre bemerkenswert stark gegen Lausanne und verlor nur 0:1.

Erstellt: 12.09.2019, 19:27 Uhr

Der EHCW startet gegen Olten

Zum Saisonauftakt empfängt der EHC Winterthur am Freitag (20 Uhr) Olten. Trotz des herben 0:9 im Cup gegen die ZSC Lions und des Ausfalls von Luca Homberger, der auf vier Monate veranschlagt wird, sind die Winterthurer optimistisch. Denn bis dahin war die Vorbereitung ja gut gewesen. «Das Cup-Resultat passt mir natürlich gar nicht», meine EHCW-Trainer Michel Zeiter. «Es ist aber kein Grund zur Unruhe. Die ZSC Lions haben einfach einen ‹Bombenabend› gehabt, wir nicht. Viel hatte mit der unterschiedlichen Qualität zu tun. Wir konnten viel aus diesem Abend lernen.»

Olten hat kaum die Qualität der ZSC Lions, «aber es ist ein Top-4-Team der Swiss League», wie Zeiter betont. Zwar haben die Solothurner nach ihren finanziellen Problemen eine etwas günstigere Mannschaft am Start als zuletzt, aber sie ist immer noch sehr gut besetzt. Die Frage ist, wie sich Ausfälle auswirken. Denn die hat Olten jetzt schon. Im Cup hat Olten den Erstligisten Burgdorf 9:1 geschlagen, aber einen Tag weniger Pause gehabt als der EHCW. (uk)

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