Eishockey

Leiden für den Erfolg

Im Keller von Win4 bringen sich Alina und Mirco Müller für die neue Saison in Übersee in Form – und gehen an die Grenzen.

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Phase 4 läuft, maximale Belastung, eine Steigerung gibts nicht. Kein Tageslicht, laute Musik, ein gnadenloser Trainer, eine Athletin und ein Athlet, die sich durch den Parcours quälen, tropfnass sind, stöhnen, mitunter kaum mehr stehen können und dennoch nie nachlassen.

Es sind Momente, in denen der Beobachter froh ist, kein Spitzensportler zu sein. Andererseits natürlich lohnt sich das Leiden: Mirco Müller, WM-Zweiter 2018, spielt in der NHL, der Traumliga eines jeden Eishockeyaners.

Seine Schwester Alina Müller, erst 21-jährig, aber schon Olympiadritte 2014 sowie Topskorerin und im All-Star-Team des Olympiaturniers 2018, ist weltweit eine der Besten ihres Fachs. Von nichts kommt nichts.

Sich quälen für den Erfolg: Mirco und Alina Müller im Trainingskeller des Zone4Performance.

Einigung mit den Devils

Am 22. Juli unterschrieb der Verteidiger aus Winterthur einen neuen Einjahresvertrag mit den New Jersey Devils, der ihm 1,4 Millionen Dollar einbringt, knapp 500 000 Franken mehr als bisher. Sechs Tage bevor der Schritt vor ein Schiedsgericht nötig geworden wäre, hatten sich die Parteien geeinigt. «Knapp, aber rechtzeitig», sagt Müller. Der neue Vertrag sei «gut für beide Seiten», betont er.

«Ich will gesund bleiben, ein paar Schritte vorwärtsmachen und mich etablieren»Mirco Müller

81 NHL-Spiele bestritt er in den letzten zwei Saison für New Jersey. Immer wieder fiel er verletzt aus, was ihn stets zurückwarf. Die Devils entschlossen sich, weiter auf ihn zu setzen. Die genauen Gründe kenne er nicht, sagt Müller. Sie spielen auch keine Rolle. «Ich will gesund bleiben, ein paar Schritte vorwärtsmachen und mich etablieren», nimmt er sich für die neue Saison vor.

Der interne Konkurrenzkampf ist nicht kleiner geworden. Von den Nashville Predators holten die Devils einen prominenten Verteidiger, der ihnen neun Millionen Dollar jährlich wert ist: P. K. Subban, 30-jährig, 2014 Olympiasieger mit Kanada und neuer Begleiter von Lindsey Vonn. Als Gegengeschäft gaben die Devils zwei junge Verteidiger und zwei Draftpicks ab.

Nächstens fliegt Mirco Müller nach New Jersey und wird sich nach einer neuen Wohnung umsehen. «Es hat viele auf dem Markt. Ich entscheide mich immer schnell.» Aus der alten ist er im April ausgezogen, die Möbel hat er eingestellt, weil er nicht wusste, wohin ihn seine Karriere führen würde. Nach ein paar Tagen gehts weiter nach Vancouver zum Fitness- und Eistraining. Am 12. September versammeln sich die Devils in New Jersey.

Zweites Jahr in Boston

In der Schweiz trainierte der 24-Jährige mit den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug auf Eis. Seine Schwester konnte sich den Elite-B-Junioren des EHC Winterthur anschliessen. «Sehr unkompliziert» sei das jeweils, sagt Alina Müller.

Vier Jahre lang kann sie an der Northeastern University studieren und Eishockey spielen, ein Jahr hat sie hinter sich. «Ein cooles Team, ein guter Staff, und auch die Schule gefällt mir», erklärt die Winterthurer Sportlerin des Jahres. «Ich bin versorgt.» Nächste Woche trifft sich das Schweizer Frauen-Nationalteam, Länderspiele in Budapest gegen Ungarn und Deutschland stehen an. Ende August fliegt sie nach Boston zurück.

«Ein cooles Team, ein guter Staff, und auch die Schule gefällt mir. Ich bin versorgt.»Alina Müller

Ein paar Hundert Meter nur gehen Alina und Mirco Müller vom Elternhaus im Deutweg zum Trainingskeller des Zone4Performance, der letzten August eröffnet wurde. Die vergangenen zwei Jahre hatten sie in Oerlikon trainiert. «Das war auch gut», meint Mirco. Mit dem Angebot im Win4 aber kam die Chance, in nächster Nähe «etwas Neues zu probieren».

Die Geschwister sind zufrieden: «Ich denke, dass wir nächstes Jahr wieder hier sind», sagt Mirco Müller. Mit Sven Andrighetto und Dean Kukan bestritten zwei weitere Zürcher mit NHL-Erfahrung ihr Sommertraining im Z4P.

«Hart und schlau»

Seit Anfang Mai bereiten sich die Müllers bei Daniel Steiner vor. «Mein Job ist es, sie in Form zu bringen und Verletzungen vorzubeugen», erklärt der ehemalige Eishockeyprofi. «Nicht nur hart, sondern auch schlau» müssten die Trainings sein. Der 38-jährige Berner, der inzwischen in Buch am Irchel wohnt, sagt von sich, er sei «ein Gmögiger».

Was man ihm sofort abnimmt. Selbst dann, wenn er die Athleten berufsbedingt laut zur Höchstleistung nötigt. «Es hilft, mental und körperlich die Grenzen zu erreichen, wenn einer nebendran steht und antreibt», erklärt Steiner. «Im Moment ist das mühsam. Aber hinterher sind sie dankbar.»

Phase 1 war für den, wie Steiner sagt, «Service am Körper» da. In den Phasen 2 und 3 wurde vorwiegend an Kraftaufbau und Schnelligkeit gearbeitet. Phase 4 dauert zwei Wochen, zwei Stunden täglich, und stählt die sportspezifische Ausdauer: Alina und Mirco Müller sollen physisch absolut auf der Höhe sein, wenn sie im Match aufs Eis laufen.

«Zwei Stunden durchbeissen und an die Zeit nach dem Training denken», ist Mirco Müllers Mittel, die Sache zu überstehen. «Sie sind bereit», kann Steiner feststellen. «Und sie werden sich sicher sehr aufs Eishockey freuen ...»

Daniel Steiner (rechts) bringt die beiden Hockey-Cracks in Topform (in der Mitte der Winterthurer Olympia-Snowboarder Kalle Koblet).

Erstellt: 15.08.2019, 21:28 Uhr

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