Kloten

«NHL wartet nicht auf Routiniers»

Nach zwei Trainings gibt Jussi Jokinen, der über 1000 NHL-Partien ­absolviert hat, heute mit dem EHC Kloten gegen die Ticino Rockets sein Debüt in der Swiss League.

Über 1000 NHL-Spiele hinter sich: Jussi Jokinen im Gespräch mit Klotens finnischem Trainerassistenten Waltteri Immonen.

Über 1000 NHL-Spiele hinter sich: Jussi Jokinen im Gespräch mit Klotens finnischem Trainerassistenten Waltteri Immonen. Bild: Balz Murer

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«Jusa!», ruft Assistenztrainer Waltteri Immonen in die Kabine. Dass er einen Spitznamen benutzt und nicht nach Jussi verlangt, zeigt auf: Die beiden kennen sich nicht erst seit vorgestern. Waltteri Immonen «war eine Legende bei Jokerit», sagt Jussi Jokinen über Klotens Assistenztrainer. Und Immonen gehörte eben auch zum Trainerstab der finnischen Nationalmannschaft im vorletzten Winter. Da haben sich die beiden näher kennen gelernt.Und deshalb rief Jokinens Agent in diesem Herbst bei Immonen an und fragte, ob er nicht eine Lösung für ein Problem habe: «Jokinen braucht Spielpraxis.» Immonen konnte nach Rücksprache im Club etwas anbieten. So begab sich, dass der Flügel mit über 1000 NHL-Spielen sich nach Kloten ins Abenteuer Swiss League aufmachte.

Sein Ziel ist klar: «Ich hoffe, dass ich noch einmal in einem NHL-Team einen Platz finde», sagt der Flügel. Bis Mitte oder Ende Januar 2019 will sich der Suchende noch Zeit geben. Er weiss, dass es nicht einfach ist. «Die NHL liebt die jungen Spieler, sie wartet nicht auf die Routiniers.» Jokinen ist seit dem 1. April dieses Jahres 35 Jahre alt. Im Probetraining in Detroit schaffte er es im Herbst nicht ins Kader. Die Red Wings suchten vor allem Verteidiger. Aber das will er gar nicht als Ausrede stehen lassen. «Wenn du es nicht schaffst, dann bist du eben nicht gut genug.»

Im Reisemodus

Im letzten Winter hat Jokinen Schlagzeilen gemacht, die nicht jeder gerne von sich liest. Er wurde einer von nur vier Spielern, die während einer Saison in vier verschiedenen NHL-Teams auftraten. Edmonton, Los Angeles, Columbus und Vancouver waren seine Stationen. Die Familie blieb stets in Florida. Er reist auch dieses Jahr. Von Detroit kehrte er nach Florida zurück, wo er in der Akademie von Namensvetter Olli Jokinen trainierte, jetzt ist er in Kloten. Wohin es nach dem 5. Dezember, wenn sein Vertrag in Kloten abgelaufen ist, geht?

Die Steuerfrage

Wenn es dann nichts mit der NHL wird, könnte er sich gut vorstellen, in einem europäischen Club zu spielen. Wohl kaum weiter in der zweithöchsten Liga der Schweiz, aber in der National League oder Schweden. Oder auch Finnland.

Würde er schon jetzt dorthin zurückkehren und spielen, würde das extrem teuer. Die Steuerabgaben aus den NHL-Salären würden wohl über 50 Prozent betragen. Nicht aus diesem Jahr, sondern aus der ganzen Karriere, die 2005 in Dallas begonnen hat. So will es das finnische Steuerrecht. Kürzere Aufenthalte dagegen bleiben ohne böse Folgen. Oulun Kärpät könnte ab Januar sehr wohl eine Möglichkeit für Jokinen sein. Dort hat er seine Karriere begonnen, und er hält immerhin einen (kleinen) Aktienanteil am Club.

Das soziale Engagement

Kalajoki in Nordösterbotten ist bekannt für seine Sandstrände, Jussi Jokinen ist der bekannteste Sportler aus dem Ort in der Nähe von Oulu. Und wie fast alle finnischen NHL-Spieler fühlt auch er sich der Heimat verpflichtet, ist es ihm ein Bedürfnis, etwas zurückzugeben. «Ich habe in den 13 Jahren Nordamerika genug Geld verdient», sagt er. Seit 8 Jahren existieren die Jussi Jokinen All Stars, die jeden Sommer einmal gegen JHT Kalajoki (Junkkarit Hockey Team) antreten. Pekka Rinne, Sebastian Aho, die Brüder Mikael und Markus Granlund, Patrik Laine, Jesse Puljujärvi und natürlich Jokinen führten das Staraufgebot 2018 an, zwei bekannte finnische Bands traten auf. «Und wir konnten dem Club rund 60 000 Euro übergeben.»

Zusammen mit Pekka Rinne, Roman Josis Goalie in Nashville, führt er auch ein Golfturnier durch, dessen Erlös von 65 000 Euro dieses Jahr dazu verwendet wurde, minderbemittelten Kindern Sportutensilien zu kaufen.

Neun Penaltys in Folge

Die Dressnummer 36, die er in der NHL, in der Nationalmannschaft und auch in Kloten trägt, begleitet ihn seit dem NHL-Debüt. «Ich war kein Erstrundendraft, ich hatte zu nehmen, was übrig blieb», erinnert sich Jokinen, dessen Nummer in Finnland die 8 gewesen war. In Dallas schuf er sich schnell den Ruf eines Penaltyspezialisten. Die neun ersten Versuche in der NHL waren alle erfolgreich, gestoppt wurde er erst von einem . . . finnischen Goalie (Vesa Toskala).

«Ich habe so meine zwei, drei Tricks», lächelt Jokinen. Und liefert gleich eine normale Erklärung, warum er so erfolgreich war. «In Finnland ist das Penaltyschiessen schon 2 Jahre zuvor eingeführt worden, ich hatte also einen Vorsprung.» Denn in der NHL wurden erst 2005 die ersten Penaltys geschossen.

An der Seite von Malkin

Aber auch Jahre später war Jokinen noch ein sicherer Wert in dieser Disziplin. Als er 2013 zum ersten Mal für Pittsburgh spielte, erzielte er das einzige Tor für das Team – und im Penaltyschiessen auch den einzigen Treffer. Das reichte zum Sieg gegen die Rangers. Auch das brachte ihm einen Platz in der Linie mit Jewgeni Malkin ein, einem der besten Center. Auf 57 Punkte (21 Tore) kam er in der ersten Saison. «Das war ein spezielles Jahr, wohl mein bestes in der NHL. Ich im gleichen Team wie Sidney Crosby und Malkin!»

Jokinen hält noch immer den Rekord für das späteste NHL-Tor der Geschichte in Partien, die nicht in die Verlängerung gingen. 2009 erzielte er für Carolina gegen die New York Islanders das Siegtor zum 4:3 nach 59:59,8, also 0,2 Sekunden vor Ertönen der Schlusssirene.

Erstellt: 15.11.2018, 21:36 Uhr

Heute Freitag gratis die Unterländer gegen Ticino Rockets sehen

Fast zwei Wochen Pause haben die Spieler des EHC Kloten hinter sich, zumindest einer konnte seine Verletzung auskurieren: Patrick Obrist ist wieder fit, wenn es heute Freitag um 19.45 Uhr zu Hause gegen die Ticino Rockets geht. Er dürfte Center von Jussi Jokinen sein. Adrian Brunner (Knie) fällt dagegen länger aus, Philippe Seydoux ist ebenfalls verletzt, Simon Kindschi sitzt eine Sperre ab. Die Saisonkartenbesitzer haben die Möglichkeit, gratis ein zusätzliches Ticket abzuholen. So viele Leute wie möglich sollen die Chance haben, Jokinens Debüt mitzuverfolgen. Der finnische Flügel wird auch am Sonntag in Küsnacht gegen die GCK Lions spielen. Für Kloten geht es aber trotz NHL-Prominenz noch immer in erster Linie darum, Punkte zu holen, sich den vorderen Teams anzunähern. Aus den letzten fünf Partien vor der Pause holte der EHC 12 Punkte, darunter auch 3 beim 8:1 in Biasca. jch

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