Fussball

Eine Jahrzehntserie – allerdings negativ

Der FCW ist auch nach einer raren Negativserie noch immer Vierter der Challenge League. Aber vor dem Spiel gegen den Abstiegskandidaten FC Biel empfiehlt sich doch, in der Tabelle auch mal nach unten zu blicken.

Nach dem Muster Eckstoss-Kopfball kassiert der FCW notorisch Gegentore: Hier das 0:1 gegen Lugano durch Marco Basic (Nummer 8).

Nach dem Muster Eckstoss-Kopfball kassiert der FCW notorisch Gegentore: Hier das 0:1 gegen Lugano durch Marco Basic (Nummer 8). Bild: Heinz Diener

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Zwei in Zahlen gekleidete Fakten markieren den Stand der Dinge und die Entwicklung des FCW in dieser Saison unmissverständlich: Aus den ersten 15 Spielen holte er 27 Punkten, aus den 15 seither nur noch 12; zuerst waren es acht Siege, dann nur noch drei. Akzentuiert hat sich das Ganze mit noch einem Punkt aus den letzten sieben Spielen, als zwischen zweimal drei Niederlagen nur noch ein Heim-0:0 gegen den FC Chiasso herausschaute. Das ist die schlechteste Serie seit der Saison 2003/04, als der FCW die Vorrunde mit sechs Niederlagen (unter dem Duo Hanjo Weller/René Weiler) beendete und die Rückrunde mit einer Niederlage (unter Gianni Dellacasa) gegen Sion begann.

Was also, lässt sich danach fragen, ist passiert seit dem 3:0 am 8. November in Wil. An jenem Samstagabend lag der FCW noch vier Punkte hinter dem Leader; Trainer Jürgen Seeberger lobte für eine gute Punktzahl in den letzten drei Spielen des Jahres ein paar Ferientage aus. Aber dann gab es nur noch einen Punkt – notabene nach einer 2:0-Führung in Biel – und der Trainingsbeginn 2015 fand zum frühest möglichen Zeitpunkt statt. Heute also liesse sich sagen: Kaum wurde beim FCW ernsthaft davon gesprochen, mit der Spitze mithalten zu können, war man kein «Spitzenteam» mehr. Kaum kam ein gewisser Druck auf, war ihm die Mannschaft dieses Vereins nicht gewachsen. Das zieht sich nun wirklich durchs ganze letzte Jahrzehnt, durch die Zeit des Präsidenten Hannes W. Keller.

Die negative Entwicklung

Natürlich ist auch die Feststellung zu machen, die Entwicklung im Laufe der Saison sei kein Leistungsausweis des neuen Trainers. Anfangs gut, dann zusehends schwächer. Seeberger selbst redet da nicht um den Brei herum. Zwar hat er die Mannschaft – Folge des schwachen Personalmanagements des Klubs – erst ein paar Tage vor der Saison übernehmen können. «Aber ganz klar, die Entwicklung fällt in meine Verantwortung», sagt er. Er sieht als eine Art Knackpunkt, «dass bis zum 8. November nur über Fussball gesprochen wurde». Das habe sich eben geändert, als die Spitze nur noch vier Punkte entfernt war. «Danach kamen immer viele Kleinigkeiten hinzu – und natürlich schwand mit den jüngsten Niederlagen auch das Selbstvertrauen.»

Zur jüngsten Serie habe beigetragen, «dass wir vier dieser sieben Spiele gegen die beiden Topteams Wohlen und Lugano bestritten». Aber es ist auch ihm klar, «dass es uns immer wieder an Kon­zen­tra­tion in einzelnen Szenen fehlte, dass wir oft nicht von Anfang an präsent waren». Der FCW geriet also (zu) oft in Rückstand und konnte dies, anders als im Herbst, als es ihm wiederholt gelungen war, nur noch je einmal in ein Unentschieden (in Wil) und einen Sieg (daheim gegen Schaffhausen) verwandeln.

Aus dem Kreis der Spieler analysiert es einer wie Patrik Schuler sehr ähnlich. Auch er stellt fest, «dass wir zu oft in Rückstand geraten und dies in letzter Zeit nicht mehr kehren konnten.» Und dass diese Rückstände oft Konsequenz individueller Fehler sind. Es wurde in den vergangenen Wochen ja schon notorisch, dass des Gegners 1:0 nach dem «simplen» Muster Eckstoss-Kopfball fiel. Die Negativspirale führe zu einer gewissen Verunsicherung. «Es gibt natürlich Gründe und wir wissen darum», sagt Schuler, aber es sei schwierig herauszuarbeiten, was welchen Anteil habe. Klar sei, dass es in der Mannschaft grundsätzlich «stimme». Die letzten Leistungen gegen Lugano und Wohlen, die aufs einsatzmässige Zwischentief gegen Chiasso folgten, machten auch deutlich, dass sich das Team nicht gehen lässt und die Saison keineswegs als beendet sieht. «Steigern müssen wir», sagt Schuler noch, «die Effizienz in beiden Strafräumen. Das ist klar.»

Wieder mal die Mentalität

Man kommt eben nicht um die grundsätzliche Feststellung herum, es fehle einer Mannschaft des FCW ein weiteres Mal an Winnermentalität, am physischen und mentalen Durchsetzungsvermögen in entscheidenden Si­tua­tio­nen. Es brauchen Teams wie zuletzt Wohlen oder Lugano, aber auch Servette weniger, um in einem Spiel gleich viel zu erreichen, wie der FCW. Oder sie siegen mit vergleichbarem Aufwand. Fünf Punkte aus elf Spielen gegen das Toptrio sind klarer Nachweis, seit dem Heim-0:0 gegen Lugano Anfang November sind es sechs Niederlagen.

Man wird in der definitiven Analyse der Saison sagen müssen, der FCW habe in der Zusammenstellung der Mannschaft zu wenig Lernfähigkeit gezeigt – wenn sich das mit dem Defizit an Winnermentalität immer wieder wiederholt. Ein weiteres Mal ist der FCW jenes Team, das zwar für «schöne», aber eben nicht für mehr Tore als der Gegner bekannt ist. Doch so, wie sich die Lage präsentiert, sind die Prioritäten so zu setzen: Erst ist mal «die Blutung zu stillen», ist diese Jahrzehnt-Negativserie zu stoppen, danach die Behandlung anzugehen. Das empfiehlt auch der Blick auf die Tabelle, selbst wenn zehn und elf Punkte Reserve auf gleich drei Teams sechs Runden vor Schluss noch nicht bedrohlich wirken. Aber wie heissen die nächsten drei Gegner – und zwei von ihnen auswärts? Biel, Le Mont und Chiasso; der Achte, der Neunte und der Zehnte.

Keine wesentliche Rolle zu spielen braucht, ob der Trainer den für eine automatische Vertragsverlängerung festgeschriebenen 4. Platz braucht. Ein nächster Trainerwechsel ist nicht angezeigt. Aber es wäre schon beruhigend, würde diese Frage nicht doch zum Thema, weil die Blutung nicht rechtzeitig gestillt werden konnte.

(Landbote)

Erstellt: 02.05.2015, 10:23 Uhr

FCW - FC Biel

Der FC Biel ist, über die ganze Rückrunde gesehen, der Gewinner in der unteren Tabellen­hälfte. 18 Punkte hat er in den zwölf Spielen 2015 gewonnen, nur das Spitzentrio brachte es auf mehr, nicht aber der FCW mit seinen mageren elf Pünktchen. Am Donnerstag allerdings waren die Seeländer der Verlierer der 30. Runde: Während der FC Le Mont mit dem 4:0 gegen den ebenfalls bedenklich schwächelnden FC Wil den mit Abstand höchsten Sieg seiner Challenge-League-Geschichte feierte, kassierte Biel in der 89. Minute des Heimspiels gegen Servette das entscheidende Tor.

Nach Chiassos 1:1 tags zuvor in Lausanne liegen die drei Letzten nur noch einen Punkt auseinander, Wils Reserve auf Platz 10 beträgt noch fünf Längen. Für den FC Biel war es erst die zweite Niederlage des Jahres. Die Eckdaten des Spiels: In der 40. Minute wurde sein defensiver Mittelfeldspieler Steven Ukoh zum zweiten Mal verwarnt und vom Platz gestellt; in der 81. Minute hatte Biels Luzerner Angreifer Nico Siegrist den Matchball auf dem Fuss, scheiterte aber; und in der 89. drosch Servettes 19-jährige FCB-Leihgabe Robin Kamber den Ball via Lattenunterkante ins Tor. «Bitter» – das war danach das meistgebrauchte Bieler Wort.

«Es wird Änderungen geben», sagt FCW-Trainer Jürgen See­berger vor dem Spiel gegen die Bieler. Er hofft, Marco Köfler sei wieder fit; Stefan Iten darf nach seiner Sperre wieder spielen; Antonio Marchesano fällt mit seiner in Wohlen erlittenen Knöchelverletzung schon wieder aus. Sie wird erst am Montag genauer diagnostiziert.

Die Bieler müssen Ukoh ersetzen, was der dänische Rou­tinier Michael Silberbauer tun wird, der gegen Servette gesperrt war. Wichtig ist, dass Top­sko­rer Giuseppe Morello nach monatelanger Verletzungspause wieder da ist. Am Montag gegen Le Mont wurde er eingewechselt, gegen Servette begann er. Bisher ist die Bilanz aus den sehr torreichen Direktbegegnungen ausgeglichen, allerdings mit steigender Tendenz für die Bieler: Auf eine 3:4-Niederlage auf der Schützenwiese folgten daheim ein 2:2 (nach 0:2) und ein 4:1 (nach 0:1). hjs

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