Reiten

Auf die Enttäuschung folgte der Jubel

Der bei Steve Guerdat in Elgg angestellte Anthony Bourquard erlebte am CSI Humlikon mit dem Grand-Prix-Sieg den schönsten Moment in seiner Karriere – und tags zuvor den schwärzesten.

Auf der Ehrenrunde: Anthony Bourquard freut sich über seinen Sieg am Grand Prix des CSI Humlikon.

Auf der Ehrenrunde: Anthony Bourquard freut sich über seinen Sieg am Grand Prix des CSI Humlikon. Bild: Madeleine Schoder

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Am Samstagabend war Anthony Bourquard gar nicht gut zu sprechen. «Ich war sehr traurig und enttäuscht», sagt der 22-jährige Jurassier, der seit drei Jahren als Bereiter bei Steve Guerdat angestellt ist und auch mit ihm nach Elgg umgezogen ist. Nach der ­ersten Wertungsprüfung der Schweizer Meisterschaft (siehe Kasten) hatte Bourquard souverän in Führung gelegen. Im ersten Finaldurchgang folgte der Absturz: Mit vier Abwürfen qualifizierte er sich nicht einmal mehr für die zweite Runde. «Wir haben definitiv einen schlechten Tag eingezogen», meinte er zerknirscht.

Ein Telefonat mit seinem Arbeitgeber, der an diesem Wochenende in Brüssel im Einsatz war, baute ihn wieder auf. «Steve hat mir gesagt, ich soll mich auf den Grand Prix konzentrieren und zeigen, was ich kann.»

Parcours mit vielen Klippen

Und Anthony Bourquard tat, was ihm aufgetragen wurde. Im Sattel des 9-jährigen Janus zeigte er im sehr schwierigen Parcours des mit 60 000 Franken dotierten LerchPartner.ch Grand Prix einen fehlerfreien Ritt. Davon gab es unter den 48 Teilnehmern nur deren zehn, denn der vom Bülacher Guido Balsiger meisterhaft aufgebaute Kurs bot über den ganzen Parcours verteilt kleine, feine Klippen, die sofort zu Fehlern führten, wenn die Reiter sich nicht konzentrierten oder die Abstimmung mit dem Pferd nicht perfekt war. Das Gleiche galt für das Stechen, in dem Anthony Bourquard fehlerlos in der schnellsten Zeit blieb. Sein erster Grand-Prix-Sieg auf Dreisterneniveau sei, wie er sagte, «zusammen mit dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft der Jungen Reiter 2017 der schönste Moment meiner Karriere».

Start «etwas verschlafen»

Laura Renwick mit Bintang wurde Zweite und war mehr als eine halbe Sekunde langsamer. «Ich habe vielleicht den Anfang des Stechens etwas verschlafen, da hätte ich schneller sein können», resümierte die aktuell beste Springreiterin Grossbritanniens. Die 43-Jährige war zum ersten Mal in Humlikon am Start und gewann drei Prüfungen, inklusive der Six Barres am Samstagabend, als sie eine Höhe von 2,01 Metern übersprang.

Dritter wurde der Holländer Gerco Schröder, der Olympiazweite von London hinter Steve Guerdat, der gestern vor rund 5000 Zuschauern den Schimmel Cognac Champblanc ritt und den Seuzacher Werner Muff mit Pollendr auf Rang 4 verdrängte.

Die beiden Publikumslieblinge aus der Region zeigten gute Runden: Tamara Schnyder aus Gütighausen musste im Sattel von Quinsten TS bei ihrem ersten Grossen Preis auf diesem Niveau lediglich einen Abwurf in Kauf nehmen. Bei Melanie Freimüller und der auf diesem Niveau ebenfalls noch nicht so erfahrenen Stute Viva La Vida waren es deren drei.

Gute Bilanz trotz Wetterpech

OK-Präsident Paul Freimüller zog ein positives Fazit von der 14. Austragung des LerchPartner.ch CSI: «Trotz des schlechten Wetters sind wir noch gut weggekommen.» Das Bodenpflegeteam leistete ganze Arbeit, so dass das Terrain bis auf eine Ausnahme in ­gutem Zustand war. Nur eine einzige Prüfung musste verschoben werden. Und auch die Zuschauer liessen sich nicht von der Witterung abschrecken: Über die gesamte Turnierwoche wurden rund 20 000 Besucherinnen und Besucher gezählt, die hochstehenden Springsport zu sehen bekamen. (Der Landbote)

Erstellt: 02.09.2018, 20:48 Uhr

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Elite-SM im Springreiten

Ein Trio aus der Westschweiz holte an der Schweizer Meisterschaft der Springreiter, die in den CSI Humlikon integriert waren, die Medaillen.

Gold sicherte sich der 21-jährige Bryan Balsiger, der bereits nach der ersten Wertungsprüfung auf dem 2. Zwischenrang gelegen war und sich bei seinem ersten Start in der Elite auch in den beiden finalen Umgängen durchsetzte. Er sass dabei im Sattel des 10-jährigen Belgiers Clouzot de Lassus, mit dem er 2017 Einzel-Europameister bei den Jungen Reitern geworden war. Mit drei Siegen beim CSI in Verbier vor einer Woche hatte Balsiger seine gute Form angedeutet. Silber holte sich der überraschende Jean-Maurice Brahier, der wie der Sieger aus Neuenburg stammt. Bronze ging an die 23-jährige Psychologiestudentin Aurelia Loser aus Crans-Montana.

Sehr zur Freude des Publikums kämpfe auch eine Einheimische um die Medaillen: Die Huemlikerin Melanie Freimüller zeigte auf Dora Rütimanns Carino B reiterlich starke, selbstsichere Runden und sprang bei ihrer ersten Teilnahme an Schweizer Meisterschaften der Elite auf den ausgezeichneten 5. Rang. «Mein Pferd und ich haben mittlerweile mehr Routine in schweren Parcours und ich kann auf das Können von Carino vertrauen», erklärt sie ihren Erfolg. In den vergangenen zwei Monaten hat sie ausserdem das Training mit dem Deutschen Eckard Kürten, dem Mann der ehemaligen irischen Weltklassereiterin Jessica Kürten, wieder aufgenommen. «Davon konnte ich sicher auch sehr profitieren», sagte die 29-jährige.

Geschlagen geben mussten sich dagegen die Favoriten. Titelverteidiger Pius Schwizer wurde nach zwei Abwürfen im sehr schweren ersten Finalumgang Achter, WM-Teilnehmer Martin Fuchs verpasste nach ebenfalls zwei Abwürfen sogar den Cut der besten 50 Prozent, die zum zweiten Umgang zugelassen wurden. Sein Teamkollege bei den Weltreiterspielen Mitte September in den USA, Paul Estermann, gab mit seinem Nachwuchspferd sogar auf. Der spätere Grand-Prix-Sieger Anthony Bourquard, der nach der ersten SM-Wertung noch Führung gelegen war, fiel mit vier Abwürfen auf Rang 19 zurück.

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