Kunstturnen

«Dann habe auch ich eine Chance auf Tokio»

Der Winterthurer Taha Serhani bedauert, dass er die ersten zwei WM-Qualifikationen verpatzt hat.

An der SM in Romont beendete Taha Serhani den Mehrkampf auf Platz 6.

An der SM in Romont beendete Taha Serhani den Mehrkampf auf Platz 6. Bild: Urs Lindt (freshfocus)

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Taha Serhani, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Wettkampf an der SM?

Ich bin sehr zufrieden. Nachdem ich an der ersten und zweiten WM-Qualifikation nicht gut geturnt hatte, stand ich unter Druck. Das hat mir aber gutgetan. Es gab mir die nötige Power.

Im «Duell», dem neuen Wettkampfformat, mussten Sie im kleinen Final gegen Ihren Bruder Samir antreten. Er entschied es und gewann Bronze. Wollten sie Ihrem jüngeren Bruder den Vortritt lassen und wählten daher Ihr schwächstes Gerät, die Ringe?

Das haben mich viele gefragt. Im Turnen sind wir alle wie eine Familie. Im Wettkampf ist Samir für mich einfach einer dieser Turner. Ja, die Ringe sind eigentlich mein mit Abstand schlechtestes Gerät, das stimmt. Eigentlich wollte ich das Pauschenpferd wählen. Im Halbfinal turnte ich am Barren und merkte, dass ich müde Arme hatte, und wählte deshalb die Ringe, weil ich da nicht so viel stützen muss. Ich wollte mich so kurz vor der WM nicht «kaputt» turnen.

Wie Sie schon nach dem SM-Mehrkampf vermutet haben, sind Sie an der WM nur Ersatzturner. Sie konnten noch nie an einer WM starten. Ärgert Sie das und sehen Sie noch eine Chance, trotzdem zu turnen?

Ich war 2014 in Nanning bereits einmal Ersatzturner an einer WM, damals ärgerte mich das sehr. Dieses Mal weiss ich, dass ich das selber verbockt und in den ersten beiden Qualifikationen zu wenig gut geturnt habe. Das Schweizer Kunstturnen ist so gut aufgestellt, dass dies nicht drinliegt. Doch ich gebe nicht auf. Wir haben noch einen Länderkampf gegen Belgien und ein Trainingslager vor der WM. Es kann noch alles geschehen.

An der SM waren Sie am Reck besser als Brägger und Hegi. Sie hätten an diesem Gerät an der WM eventuell Finalchancen und laufen nun Gefahr, zusehen zu müssen.

Ja klar, im Hinblick aufs Reck ist es ärgerlich. Aber wie gesagt: Ich bin selber schuld. Würde ich nun aufgestellt werden, wäre es unfair gegenüber den anderen Turnern. An dieser WM steht eh die Teamleistung im Vordergrund. Wir wollen uns für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren. Gelingt es dem Team, dann habe auch ich eine Chance, in Tokio zu turnen.

Eine ganz andere Frage: An der SM wurden Sie unter dem Verein Kunstturnen Schaffhausen geführt und nicht mehr unter dem Turnverein Hegi. Wie kommt das?

Ich weiss es selber nicht. Mein Stammverein ist und bleibt der TV Hegi. Beim TV Hegi habe ich begonnen zu turnen. Mit Marcel Gisler, meinem ehemaligen Trainer, stehe ich in Kontakt. Als Jugendlicher wechselte ich ins Leistungszentrum Schaffhausen und starte seither an Schweizer Mannschaftsmeisterschaften für Schaffhausen. So gesehen, bin ich Winterthurer und Schaffhauser.

Erstellt: 11.09.2019, 22:16 Uhr

Infobox

Meister und WM-Ersatz

An den Schweizer Meisterschaften in Romont erturnte sich der Winterthurer Taha Serhani den Titel am Reck, seinem Paradegerät. Er überzeugte mit fünf Flugelementen. Seine Note 14,566 wurde nicht mehr überboten, und er klassierte sich vor Pablo Brägger und Oliver Hegi, den beiden EM-Medaillengewinnern und WM-Gerätefinalisten. Im Mehrkampf wurde Taha Serhani Sechster, sein Bruder Samir Serhani folgte auf Rang 7. Die SM galt zudem als dritte und letzte Qualifikation für die WM vom 4. bis 13. Oktober in Stuttgart. Taha Serhani wurde als Ersatzturner selektioniert.

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