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Der Aufstieg vom Talent zum Vorbild

Zum Ende der Olympiasaison trainiert Alexia Paganini, die beste Eiskunstläuferin mit Schweizer Lizenz, in der Halle «ihres» Winterthurer SC.

Sie ist da: Alexia Paganini, Olympialäuferin des Winterthurer Schlittschuhclubs, trainierte diese Woche in der Deutweg-Eishalle.
Sie ist da: Alexia Paganini, Olympialäuferin des Winterthurer Schlittschuhclubs, trainierte diese Woche in der Deutweg-Eishalle.
Heinz Diener

Dieser eine weise Entscheid brachte ihr die interessanteste Zeit ihres Sportlerlebens ein. «Vor einem Jahr hätte ich das nicht für möglich gehalten. Es war wie ein Traum – alle diese Wettkämpfe.» Alexia Paganini schwärmt von der Saison, die eben zu Ende gegangen ist. Zum ersten Mal startete sie an Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. «Es war anstrengend, aber ich liebe es.»

Der Schachzug, der ihr das alles ermöglichte, war bekanntlich ebenso banal wie naheliegend: Die 16-Jährige aus New York, Doppelbürgerin der Schweiz und der USA, entschied sich, auf die Olympiasaison hin fürs Heimatland ihrer Vorfahren zu starten. Sie fand im Winterthurer SC den nötigen Schweizer Club und bewältigte alle Qualifikationshürden. Platz 7 an der EM in Moskau, der 21. Rang an Olympia in Pyeongchang und zum Abschluss Platz 20 an der WM in Mailand. Als Eisläuferin, welche die USA vertritt, wären solche Auftritte nicht möglich gewesen. Zu stark war dort die Konkurrenz.

«Ich bin glücklich mit der ganzen Saison», strahlt sie. Jetzt, da Wettkampfpause ist, hat sie Zeit für einen längeren Besuch in der Stadt ihres Clubs, für den sie lizenziert ist. Letzten Dienstag reiste sie an, nächsten Dienstag fliegt sie mit ihrer Mutter nach New York zurück.

Winterthur gefällt

Täglich trainiert Alexia Paganini dieser Tage rund zwei Stunden in der Zielbau-Arena. Sie übt für sich und für die Gala «Kids on Ice», die morgen Sonntag unter anderem mit rund 200 WSC-Talenten im Zürcher Hallenstadion über die Bühne geht. «An einer so grossen Produktion habe ich noch nie mitgemacht. Ich freue mich auf die Show», sagt die 16-Jährige, die im Programm als «neuer Stern am Schweizer Eislaufhimmel» angekündigt wird. In der Aufführung «Heidi» wird sie ein Solo aufs Eis legen.

Vor den Schweizer Meisterschaften im Dezember in Neuenburg hatte sie sich bereits kurz in Winterthur aufgehalten. Nun bleibt etwas mehr Zeit. «In der Stadt alles anschauen und in Restaurants essen gehen» ist das touristische Programm von Tochter und Mutter Paganini, die in einem Hotel nahe dem Bahnhof wohnen. Es gefalle ihnen hier, sagt die Eisläuferin. «Die Leute kümmern sich um ihre Stadt, sie halten sie sauber. Und es ist ruhiger als bei uns zu Hause.»

Alexia Paganini, deren zwei Brüder Eishockey spielen, wohnt in Harrison (New York) und trainiert in Hackensack (New Jersey). Die Eishalle liegt nur eine halbe Autostunde vom Pruden­tial Center entfernt, wo die New Jersey Devils ihre NHL-Heimspiele austragen. Einer der Devils, die gestern Nacht die Playoff-Qualifikation schafften, ist der Winterthurer Mirco Müller. «Ich weiss, dass er bei den Devils spielt», erklärt Alexia Paganini. «Vielleicht gehe ich mal an ein Spiel. Allerdings bin ich eher für die New York Rangers . . .» Getroffen habe sie Mirco Müller noch nie; ebenso wenig – auf jeden Fall nicht bewusst – dessen jüngere Schwester Alina, die Olympia-Topskorerin 2018, obwohl beide in Pyeongchang antraten. Alexia Paganini war die Jüngste jener Schweizer Olympiadelegation. Diese Rolle hatte Alina Müller 2014 in Sotschi besessen.

Gewinn für beide Seiten

Zurück in den USA gehe das Leben weiter wie bisher. «Schule und Training.» Ferien hat sie bereits hinter sich: Zwischen der WM in Mailand und der Woche in Winterthur bereiste sie mit Paige Conners (einer Paarläuferin aus New York, die für Israel startet) Griechenland.

Im Eiskunstlauf will sich Alexia Paganini weiter verbessern und «bei der Elite konkurrenzfähiger werden». Sie nehme ihre Karriere «Jahr für Jahr» – mit dem Fernziel Peking 2022. «Ich möchte es nochmals versuchen», peilt sie eine zweite Olympiateilnahme an. Die Premiere behagte ihr sehr. «Das war eindeutig meine beste Erfahrung bisher», sagt sie über Pyeongchang 2018. «So viele Athleten waren dort, die alle so viele sportliche Ziele hatten.» Sie habe bekannte Sportlerinnen und Sportler getroffen. «Oder besser gesagt: Ich habe sie gesehen.» Für ein Treffen sei sie vielleicht «etwas zu schüchtern» gewesen, lächelt sie.

Paganinis Lebensmittelpunkt bleibt in New York und New Jersey. «Familie und Trainer sind dort.» Aber sie werde auch in Zukunft für den WSC starten und nach Winterthur zurückkehren. Für beide Partien war letzte Saison ein Gewinn. Alexia Paganini bestritt die wichtigsten Wettkämpfe der Welt, und der WSC erhielt eine Spitzenläuferin. «Sie ist zu einem Vorbild für unsere Kids geworden. Sie haben begonnen, sich mit ihr zu identifizieren», betont Patrick Meier, der das WSC-Trainerteam zusammen mit Nicole Brüngger-Skoda leitet. «Sie sehen – sogar in ihrer Eishalle – eine Läuferin der erweiterten Weltspitze und können abschauen, wie man ‹einfach so› einen dreifachen Sprung hinlegt.»

Vor nicht allzu langer Zeit war Alexia Paganini auch ein Talent, das zu Vorbildern hinaufschaute. Jetzt verteilt sie selbst Autogramme.

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