Faustball

Der italienische Gast im Schweizer Teambus

Moritz Menz will mit Italiens Nationalmannschaft bereit sein für die WM im August in Winterthur.

Für die WM im August wird Moritz Menz nach Winterthur zurückkehren.

Für die WM im August wird Moritz Menz nach Winterthur zurückkehren. Bild: Fabio Baranzini

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Letzten Sommer reisten die Schweizer Faustballer im Teambus nach Adelmannsfelden zur EM. An Bord waren die Nationalspieler und der gesamte Betreuerstab um die Nationaltrainer Oliver Lang und Hanspeter Brigger. Zusätzlich hatte sich ein weiterer Spieler «hineingeschmuggelt»: Moritz Menz, Angreifer der italienischen Nationalmannschaft.

Der 23-jährige Medizinstudent weilte im Sommer 2018 für zwei Monate in Winterthur, wo er im Kantonsspital ein Praktikum in der Chirurgie absolvierte. «Ich wollte unbedingt ein Praktikum in der Schweiz machen», erklärt der Südtiroler, der mittlerweile in Wien lebt und studiert. «Einerseits, weil das Kantonsspital Winterthur einen sehr guten Ruf hat, und andererseits, weil ich durch Faustball in der Schweiz viele Leute kenne.»

Während seines Aufenthalts in Winterthur durfte er im Nationalliga-A-Team von Elgg-Ettenhausen mittrainieren und reiste wenig später im Schweizer Teambus an die EM. Die Schweizer holten Silber, Italien klassierte sich auf dem 4. Rang.

Eine Familientradition

Faustball liegt bei Moritz Menz in der Familie; bereits sein Grossvater und sein Vater hatten gespielt. Letzterer gehörte viele Jahre zur italienischen Nationalmannschaft und nahm an Weltmeisterschaften teil. Und so kam es, dass Moritz schon in jungen Jahren mit diesem Sport in Berührung kam. Allerdings nur kurz: «Mich zogs danach zum Eishockey. Erst etwa mit 16 bin ich zum Faustball zurückgekehrt und so richtig eingestiegen.»

Wie sein Grossvater und sein Vater spielt Moritz Menz beim SSV Bozen. Das ist kein Zufall, denn in Italien gibt es nur einen einzigen Faustballverein: den SSV Bozen. «Bei uns in der Region kennt man den Faustballsport inzwischen relativ gut. Vor allem seit der Europameisterschaft in Griesskirchen vor drei Jahren, wo wir gegen den grossen Favoriten Deutschland im Halbfinal einen Satz gewinnen und das gesamte Spiel offen gestalten konnten. Das war wohl das beste Spiel in der Geschichte der italienischen Nationalmannschaft», sagt Menz, der in dieser denkwürdigen Partie ebenfalls mitmischte. «Seither haben wir auch mehr Nachwuchsspieler im Verein. Das ist gut für unsere Zukunft. Aber ehrlicherweise muss man sagen: Ausserhalb von Südtirol kennt man in Italien den Faustballsport nicht.»

Die Top 5 im Visier

Entsprechend ist der Aufwand, den Moritz Menz und seine Kollegen vom SSV Bozen für ihren Sport betreiben, sehr gross. Da mit nur einem Verein nicht an einen Meisterschaftsbetrieb zu denken ist, hat sich der SSV Bozen der österreichischen Liga angeschlossen. Dort spielt er mittlerweile in der höchsten Spielklasse und kann sich im hinteren Mittelfeld halten.

Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die italienischen Spieler in Deutschland, Österreich und Italien wohnen und daher den grössten Teil des Jahres kaum gemeinsam trainieren. «Wir dürfen uns zum Training glücklicherweise anderen Teams anschliessen. Aber natürlich ist es ein grosser Aufwand, denn für die Meisterschaftsrunden haben wir im Schnitt einen Anreiseweg von fünf Stunden», sagt Menz.

Trotz des ohnehin schon grossen Aufwands will das Nationalteam eine Schippe drauflegen. Ab Mai trainieren Moritz Menz und seine Kollegen dreimal pro Woche gemeinsam in Bozen. Dies auch, um sich ideal auf die WM vom 11. bis 17. August auf der Schützenwiese vorzubereiten, denn der SSV Bozen stellt zugleich auch die gesamte italienische Nationalmannschaft. «Wir wollen an der WM in Winterthur die Top 5 erreichen und den besten Nationen das Leben so schwer wie möglich machen», betont Moritz Menz, der sich auf seine Rückkehr nach Winterthur freut.

Erstellt: 18.05.2019, 11:17 Uhr

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