Eiskunstlauf

Die unsichtbare Olympialäuferin

Alexia Paganini tritt an den Olym­pischen Spielen für die Schweiz und den Winterthurer SC an. Aber erst im April wird sie einige Zeit hier sein.

Ein Glücksfall für den Winterthurer Schlittschuh-Club ist die 16-jährige Alexia Paganini.

Ein Glücksfall für den Winterthurer Schlittschuh-Club ist die 16-jährige Alexia Paganini. Bild: Keystone

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Offenbar hat Winterthur ein Flair für junge Olympioniken. 2014 in Sotschi war die Eis­hockeyanerin Alina Müller die Jüngste der Schweizer Dele­gation und die für Deutschland startende Skispringerin Gianina Ernst die Jüngste der gesamten Spiele. Beide hatten ihren Wohnsitz in Winterthur. Das lässt sich über die Eiskunstläuferin Alexia Paga­nini, 2018 in Pyeongchang die Jüngste im Schweizer Olympiateam, nicht sagen. Die 16-jäh­rige Tochter eines Puschlavers startet für den Winterthurer Schlitt­schuhclub. Mehr nicht. Sie ist in den USA geboren, wohnt in Harrison (New York) und trainiert in Hackensack (New Jersey).

«Wir haben nicht wahnsinnig viel mit ihr zu tun. Einfach so, wie es gerade erforderlich ist», erklärt Patrick Meier, der das Trainerteam des Winterthurer SC zusam­men mit Nicole Brüngger-Skoda leitet. Vor den Schweizer Meisterschaften Mitte Dezember in Neuchâtel war Paga­nini einen Tag da und trainierte in der Eishalle im Deutweg. Einige WSC-Talente nutzten die Gelegenheit und sahen dem Gast aus den USA von der Tribüne aus zu. «Wir ­haben sonst keine Läuferin im Klub, die auf ihrem Niveau ist», betont Meier. «Das war eine spezi­elle Gelegenheit, mal eine Athletin aus der erweiterten Welt­spitze zu beobachten.»

Am Kids on Ice

Erst im April wird die Olympialäuferin sichtbarer und greif­barer. Alexia Paga­nini taucht ein paar Tage auf, um fürs Kids on Ice, das der WSC am 8. April erneut im Hallenstadion aufführt, zu üben. Dies sei «keine Grundbedingung» gewesen, die Startlizenz des Winterthurer SC zu erhalten, sagt Meier. «Aber die Idee war natürlich naheliegend, dass sie an unserem Schaulaufen auftritt. Für uns natürlich sehr interessant.»

Meier freut sich über den unver­hofften Zuzug aus den USA. Der Schweizer Verband habe ange­fragt, ob Alexia Paga­nini für den Winterthurer Traditionsklub laufen könne. «Wir scheinen im Verband als Klub wahrgenommen zu werden, der ein verlässlicher Partner ist und der einen guten Umgang mit Läuferinnen und Läufern pflegt», sagt Meier nicht ohne Stolz. Für den WSC ist Alexia Paga­nini ein Glücksfall. Der Klub findet, ohne viel Aufwand, durch sie Beachtung und erhält eine prominente Verstärkung für die Eisgala im Hallenstadion.

«Wir werden ihr per Mail viel Glück für den Wettkampf in Pyeongchang wünschen», sagt Patrick Meier. Alexia Paga­nini überzeugte zuletzt mit ihrem 7. Rang an der EM in Moskau. An Olympia traut Meier der neuen Spitzenläuferin einen Platz in den Top 20 zu. (Der Landbote)

Erstellt: 07.02.2018, 23:22 Uhr

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Patrick Meier

Wenn Alexia Paganini am 21. Feb­ruar zum olympischen Kurzprogramm antritt, ist Patrick Meier bereits nicht mehr in Pyeongchang. Der 41-jährige Henggarter reiste gestern Nacht nach Südkorea. In seiner Funktion als Mitglied der Technischen Kommission der International Skating Union wird er wie 2014 in Sotschi im Olympiaort sein und an Meetings teilnehmen. Erster Höhepunkt ist die Eröffnungsfeier am Freitag. «Auch als Funktionär ist das eindrücklich», sagt er. «Erst recht aber als Athlet.»

Patrick Meier weiss, wovon er spricht: 1998 war er, der sieben­fache Schweizer Meister im Eiskunstlauf, in Nagano am Start. Seine olympischen Ein­drücke gingen weit über den Wettkampf hinaus, den er auf Platz 22 abschloss. «Viele lebendige Erinnerungen» habe er an jene Tage in Japan. «Eindrücke, die man nicht vergisst. Das olympische Dorf ist mir immer noch sehr präsent», betont er. «An einer EM oder WM bewegt man sich immer im Eiskunstlauf-Zirkus. Olympische Spiele sind ganz anders, dort ist man Teil einer Sportfamilie und eines Schweizer Teams.»

Da damals die An- und Ab­reise noch nicht so strikte und knapp geregelt war wie heutzutage, kam er in den Genuss der kompletten Olympischen Spiele. Er war bei der Eröffnungs- und Schlussfeier in der Arena und sah sich diverse Wettkämpfe an. Nach Patrick Meier konnte sich kein Mitglied des WSC mehr für Olympia qualifizieren – bis Alexia Paga­nini auftauchte.

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