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Dieser Sieg überrascht sogar Guerdat

Der Weltranglisten-Erste gewinnt in Göteborg seinen dritten Titel bei den inoffiziellen Hallen-Weltmeisterschaften. Sein Freund und Trainingspartner Martin Fuchs wird Zweiter.

Unerwartete Freude ist die schönste Freude: Steve Guerdat nach dem Hattrick beim Weltcup-Final.

Unerwartete Freude ist die schönste Freude: Steve Guerdat nach dem Hattrick beim Weltcup-Final. Bild: Mathias Bergeld (Freshfocus)

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Als Führender der Weltrangliste war Steve Guerdat in der Favoritenrolle. Für ihn selber kam der erneute Sieg beim Weltcupfinal der Springreiter – es ist sein Dritter – dennoch unerwartet. «Das macht mich sprachlos. Damit hätte ich niemals gerechnet», sagte er. Nicht, dass der 36-jährige Jurassier an seinen Fähigkeiten gezweifelt hätte. Und auch an Motivation fehlt es ihm nie: «Der Weltcup hat für mich seit je eine grosse Bedeutung.»

Es war das Pferd Alamo, das sogar seinen Reiter überraschte. Noch keine 18 Monate hat er den 11-jährigen Holländer unter dem Sattel, der zuvor von einem Mexikaner geritten wurde. Verschiedentlich hatte der schwarze Wallach mit der grossen Galoppade in dieser Zeit seine Klasse angedeutet, zum Beispiel bei seinem Sieg im Top-Ten-Final in Genf.

Alamo brach nicht ein

Dort entstand Guerdats Plan, Alamo im Weltcupfinal einzusetzen. Ganz sicher war er sich dabei nicht, weshalb er auch die Nr. 1 in seinem Stall, sein WM-Pferd Bianca einsatzbereit hielt. Doch der Instinktreiter mit dem untrüglichen Gespür für das Management seiner Vierbeiner hat wieder einmal auf das richtige Pferd gesetzt. Der Einbruch von Alamo nach dem Sieg im Zeitspringen am ersten Tag blieb aus, obwohl er zum ersten Mal an einem Championat über mehrere Tage teilnahm. «Ich bin sehr stolz auf ihn», sagte Guerdat.

Der Schwede Peder Fredricson und der Spanier Eduardo Alvares Aznar, die vor dem letzten Tag vor ihm lagen, patzten beide im ersten Umgang. Derweil gelang sowohl Steve Guerdat als auch Martin Fuchs, der mit seinem 13-jährigen Schimmel Clooney von Platz 4 gestartet war, über den schweren Parcours je einer von nur fünf fehlerfreien Ritten. Die engen Freunde und Trainingspartner setzten sich dadurch bereits vor dem zweiten Umgang auf Rang 1 und 2 des Zwischenklassements.

In diesem forderte der designierte Olympia-Kursdesigner Santiago Varela aus Spanien noch einmal alles: «Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal einen so mächtigen Parcours gesprungen bin», sagte Guerdat. Die Hindernisse hatten alle die erlaubten Maximalabmessungen, kein Steilsprung war unter 1,60 Meter hoch. Doch Guerdat und Fuchs konnten sich keinen einzigen Abwurf erlauben. Sie behielten die Nerven – und standen, in einer ähnlichen Situation wie vor sechs Monaten bei den Weltreiterspielen in Tryon, wieder gemeinsam auf dem Podest.

Im September hatten die beiden Reitsportgeschichte geschrieben, als sie mit Silber und Bronze die ersten WM-Einzelmedaillen für die Schweiz gewannen. Gestern holten sie den ersten Doppelsieg für die Schweiz in einem Weltcupfinal.

Fokus ist gesetzt

Für seinen dritten Titel nach 2015 in Las Vegas mit Albführens Paille und 2016 mit Corbinian, ebenfalls in Göteborg, kassierte Steve Guerdat ein Preisgeld von über einer Viertelmillion Franken. Und er zog gleich mit den anderen Dreifachsiegern: dem Österreicher Hugo Simon, dem Brasilianer Rodrigo Pessoa, der für Deutschland startenden gebürtigen Amerikanerin Meredith Michaels Beerbaum und dem Deutschen Marcus Ehning.

Für Martin Fuchs ist der zweite Rang der erste Podestplatz bei bisher drei Finalteilnahmen. 2015 in Las Vegas war er mit PSG Future Elfter gewesen, 2017 in Omaha ritt er Clooney auf den 4. Rang. «Ich hätte auch gerne gewonnen, aber wenn ich schon geschlagen werde, dann am liebsten von Steve», meinte der Zürcher Oberländer. «Es tut mir nur leid für Clooney, dass er schon wieder Zweiter geworden ist. Er ist während des gesamten Finals so fantastisch gesprungen, dass er den Sieg verdient hätte», erklärte der 26-Jährige, der den zehn Jahre älteren Steve Guerdat als sein Vorbild bezeichnet.

Für die nächsten gemeinsamen Trainings – beide Reiter werden von Martins Vater Thomas Fuchs gecoacht – ist der Fokus bereits gesetzt, auf die Europameisterschaften von Ende August in Rotterdam.

Erstellt: 08.04.2019, 10:13 Uhr

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