Triathlon

Ein perfektes Rennen zum Durchbruch

Auch zwei Verletzungen konnten den Winterthurer Simon ­Westermann nicht vom Weg abbringen. Der 10. Platz an der Junioren-WM und eine Auszeichnung waren der Lohn.

Der Winterthurer Triathlet Simon Westermann schaffte es an der Junioren-WM in Rotterdam in die Top 10.

Der Winterthurer Triathlet Simon Westermann schaffte es an der Junioren-WM in Rotterdam in die Top 10. Bild: pd

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Der eine Höhepunkt liess den nächsten folgen. Im September in Rotterdam war Simon Westermann zur U20-WM im Triathlon angetreten, um in die Top 30 zu gelangen. Dann lief er als Zehnter durchs Ziel. Der Exploit hatte Auswirkungen bis in den Dezember hinein: Letzten Samstag in Biel ehrte ihn der Verband Swiss Triathlon zum Junior Athlete of the Year 2017. «Dieser Award gibt mir nochmals zusätzlichen Schub», freut sich der 19-jährige Winterthurer über die Auszeichnung, seinen zweiten Saisonhöhepunkt.

«Bis auf ein paar Details war das ein perfektes Rennen», blickt er auf seine erste WM überhaupt zurück. Das Schwimmen in der Maas glückte ihm ausgezeichnet, auf dem Rad hielt er in einer kleinen Gruppe vorne mit und im Laufen holte er nochmals alles aus sich heraus. Dass er seine letzten Titelkämpfe als U20-Junior auf Platz 10 abschliessen würde, sei «unerwartet» gekommen und «umso schöner, weil es meine letzte Chance auf dieser Stufe war».

Kein Schweizer beendete die Junioren-WM schneller als Westermann. Zum ersten Mal in diesem Jahr liess er Maxime Fluri hinter sich. An der Schweizer Meisterschaft und in der natio­nalen Nachwuchsserie belegte er jeweils Platz 2 hinter dem ein Jahr jüngeren Romand, der mit einem Sturz an der EM und dem 25. Rang an der WM international erfolglos blieb.

Steigerungslauf

Westermanns Weg in die Top 10 einer WM verlief nicht geradlinig. 2014 und 2015 erlitt er jeweils im April Verletzungen, die ihn beinahe zwei Saisons gekostet haben. Zuerst brach er sich im Trainingslager in Tenero, als er vom Randstein abrutschte, den Fuss. Ein Jahr darauf verletzte er sich bei einem 5000-m-Testlauf an der Hüfte. «Beides ist gut verheilt», kann der Seemer jetzt feststellen. Die beiden Rückschläge hätten ihn nicht in eine Krise gestürzt: «Ich machte mir nicht zu viele Gedanken, sondern schaute einfach, dass es so schnell wie möglich vorbeigeht.» Bereits Ende 2015 bestritt er wieder erste Wettkämpfe. «Das machte mir Mut.»

Das Jahr 2017 wurde zum Steigerungslauf. Die EM im Juni in Kitzbühel schloss Westermann auf dem 21. Rang ab. «Zusammen mit meinem Trainer fand ich ein paar Sachen, die ich noch verbessern könnte.» Mit Erfolg, wie die WM in Rotterdam zeigen sollte. Die Vielseitigkeit ist seine Stärke. Eine «wirkliche Schwäche» habe er nicht. Am ehesten würde er noch im Laufen Zeit verlieren.

Ein Flyer mit Folgen

Seit 2013 ist Simon Westermann Mitglied der TG Hütten; dort ­betreut ihn Michael Rüegg, der Trainer und Lebenspartner von Olympialäuferin Fabienne Schlumpf. Vor zwei Jahren begann er, dreimal wöchentlich mit der Elitegruppe der Limmat Sharks zu schwimmen. Er gehört zum Elite-C-Nationalkader von Swiss Triathlon. Genauso wie der 20-jährige Winterthurer Julian Sackmann, der ebenfalls bei der TG Hütten trainiert.

Mit vier etwa gleichaltrigen Triathleten aus Winterthur und Henggart unternimmt Westermann regelmässig längere Läufe oder Veloausfahrten in der Region. Er trainiert jeden Tag, rund 18 Stunden wöchentlich. Durch den Wechsel von der Sprintdistanz auf mehrheitlich die olympische Distanz wird sich die Kadenz noch erhöhen. Die Trainings und das Jusstudium in Zürich liesssen sich gut vereinen, erklärt Westermann. «Ich bin freier als zu Gymizeiten.»

Ein Kindertriathlon in Königstein im Taunus, dem früheren Wohnort der Familie, brachte ihn erstmals auf den Geschmack; seine Schwester hatte den Veranstaltungsflyer aus der Schule mitgebracht. 6-jährig war er damals. Landhockey und Tennis, in denen er sich zuvor versucht hatte, verloren allmählich an Reiz. Triathlon wurde sein Sport. «Ich spürte, dass ich das weitermachen wollte.» Seit 2009 ist er ambitioniert bei der Sache.

Ein Jahr später zog die Familie aus Deutschland nach Ricketwil, inzwischen wohnt sie in Seen. Zunächst trainierte er mit den Finishers Winterthur, im Winter 2012 besuchte er die ersten Talenttrainings der TG Hütten. Dann gings immer weiter. Seine Fortschritte bestätigten sich nicht nur an dieser Junioren-WM: 2017 bestritt er die zweite Saison in der 1. Bundesliga mit dem TuS Griesheim, einem polysportiven Klub in Hessen. «Eine gute Sache, um auf ­Profiniveau Erfahrungen zu sammeln», sagt Simon Westermann über die Bundesliga-Wettkämpfe, in denen er in diesem Jahr gegenüber 2016 um 15 bis 20 Plätze besser abschnitt.

Eine neue Ära

Mit dem Übertritt in die U23-Klasse bricht nun eine neue Ära an. Ab nächster Saison wird er häufiger im Elite-Europacup antreten, zumal international reine U23-Wettkämpfe selten sind.

«Das wird ein grosser Sprung», erklärt Westermann. «Viele fallen in ein Loch, weil sie sich an vordere Platzierungen gewöhnt sind und dann eher hinten im Feld sind. Es braucht meistens ein Jahr, um sich ans neue Niveau zu gewöhnen.» Immerhin konnte er bereits 2017 erste Erfahrungen sammeln. Seine Erkenntnisse: «Im Schwimmen war ich auch auf Eliteebene recht gut. Auf dem Velo konnte ich ebenfalls mithalten. Aber im Laufen müsste ich noch einen Gang höher schalten.»

Die World Triathlon Series bilden sein längerfristiges Ziel. Und sein Traum sind, «wie bei jedem Sportler», die Olympischen Spiele. 2024 nimmt er ins Visier. «Ich habe auf jeden Fall den Biss, um dranzubleiben.» Nach diesem 2017 erst recht.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.12.2017, 11:21 Uhr

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