Para-Leichtathletik

Fliegen im Highspeed-Modus

Die Winterthurer Sprint-Europameisterin Abassia Rahmani blickt voller Optimismus der Sommersaison entgegen.

Abassia Rahmani und der Genuss der langen Beschleunigungsphase.

Abassia Rahmani und der Genuss der langen Beschleunigungsphase. Bild: Keystone

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Die Namen des Trios stehen für Erstklassigkeit und für Tempo: Lea Sprunger, Mujinga Kambundji und Abassia Rahmani. Die Organisatoren des Internationalen Berner Leichtathletik-Meetings präsentierten die drei Athletinnen den Medien als Botschafterinnen ihres Anlasses. Um die Europameisterin im Freien wie in der Halle über 400 m Hürden und 400 m handelt es sich, um die 10,95-Sekunden-Weltklassesprinterin sowie um die 100-m-Europameisterin bei den Blade Runners, den Beinamputierten.

Die Exklusivität der Athletinnen illustriert den Aufstieg Abassia Rahmanis. Den grössten Erfolg ihrer Karriere feierte die 26-Jährige der LV Winterthur an der EM letzten Spätsommer. Zwei Jahre zuvor hatte sie auf dieser Ebene mit dem Gewinn von Bronze in derselben Disziplin geglänzt. Nun will sie den neu erlangten Status auf der Weltbühne manifestieren. Die WM in Dubai Anfang November steuern sie und ihr Coach Georg Pfarrwaller an. Wettkämpfe in der Schweiz und im Ausland sollen sie in Bestform bringen.

Grosser Schritt

Und dabei hat sich einiges verändert. «Um Grosses zu erreichen, braucht es ein grosses Risiko», sagt Rahmani. Letzten August begann sie, voll auf die Karte Sport zu setzen. Ihre Teilzeitanstellung als kaufmännische Angestellte gab sie auf. Zur Optimierung ihres Alltags zog sie von Wila nach Winterthur. «Ich spare mir so etliche Stunden im Auto fürs Hin- und Herfahren», streicht sie als Vorteil hervor. Unter der Woche kann sie so von Montag bis Mittwoch vor- und nachmittags trainieren und am Donnerstag und Freitag jeweils ausschliesslich am Abend. Von wöchentlich 10 bis 12 Stunden steigerte sie ihren Trainingsumfang auf 16 bis 20. Seit Januar besucht sie zusätzlich an zweieinhalb Wochentagen die Berufsmittelschule. «Kurze Wege» sind auch hier ein Vorteil. Mit dem Velo fährt sie jeweils hin.

Den «Feinschliff geholt» im Hinblick auf den nun anstehenden Saisonauftakt hat sie sich zuletzt in einem Trainingslager mit der LVW im Süden Portugals. Am traditionellen Hürden- und Sprint-Cup am Samstag in Basel wird sie doppelt antreten: über 100 und 150 m. Das passt. «Die 100 m werden auch in diesem Jahr im Zentrum stehen», sagt sie. Noch schneller laufen, ihre Bestmarke weiter herunterdrücken, Erfolge feiern – das strebt sie an.

Die Angst beiseitegeschoben

Die letzten Monate machen Mut. «Im Winter investierten wir viel in die Kraft», sagt Rahmani. Und je länger, je mehr wurde das Training sprintspezifischer. Dem Start schenkte das Duo Rahmani/Pfarrwaller höchste Aufmerksamkeit. «Wir veränderten etliches an der Position», sagt sie und verdeutlicht: «Aus Angst vor einem Sturz schnellte ich jahrelang mit dem Kopf hoch.» Jetzt gelingt es ihr immer besser, eine gleichförmige Bewegung zu generieren. «Das fühlt sich schon recht geschmeidig an», freut sie sich über die Fortschritte des heikelsten Abschnitts.

Das Handicap wird sich aber gerade beim Start weiter zeigen: «Mein Start ist im Vergleich zu einem zweibeinigen Sprinter deutlich weniger explosiv», sagt sie zu dem, was schnell ersichtlich ist. Demgegenüber dauert die Beschleunigungsphase deutlich länger an. Das Berauschende dieser Tempoerhöhung kann sie daher umso länger geniessen. Das Höchsttempo ist meist erst kurz vor der Ziellinie erreicht. «Das fühlt sich toll an», sagt Rahmani und verdeutlicht: «Toll, besonders, wenn ich aus der Kurve heraus voll beschleunigen kann.» Dann kommt nicht selten vor, dass sie in den Vereinstrainings am Schluss an ihren Sprintkolleginnen und -kollegen vorbeirauscht. «Das ist ein beflügelndes Gefühl», sagt sie und hebt hervor: «So können wir uns gegenseitig enorm pushen.»

Abassia Rahmani und der Genuss der langen Beschleunigungsphase. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Erstellt: 15.05.2019, 17:44 Uhr

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