Golf

«Golf ist in der Schweiz verpönt»

Im Leben des Illnauers Neal Woernhard dreht sich alles um den Golfsport. Das nächste Zwischenziel sei der Aufstieg zum Profispieler, sagte der 22-Jährige.

Neal Woernhard erklärt, wie sein Leben auf der Golftour aussieht und was er dafür investieren muss.

Neal Woernhard erklärt, wie sein Leben auf der Golftour aussieht und was er dafür investieren muss. Bild: Silvano Umberg

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Neal Woernhard galt als eines der grössten Nachwuchstalente im Schweizer Golfsport. Bereits vor drei Jahren wurde dar­über spekuliert, wann der damals ­19-jährige Illnauer den Schritt von der Amateur- auf die European Tour wagt.

Nach den jüngsten Ergebnissen auf dem Golfplatz ­– Woernhard schaffte als einziger Amateur den Cut an der Swiss Challenge – zeigt sich der Illnauer zuversichtlich, dass es bald so weit sei. Der 22-Jährige will das Qualifikationsturnier, entweder in diesem Herbst in Europa (European Tour Qualifying School) oder im März 2019 in Südafrika (Sun­shine Tour Qualifying School), bestreiten. «In der Vergangenheit hätte mir noch die Konstanz gefehlt, um mich längerfristig auf der Pro Tour zu etablieren», verrät der Spitzenamateur.

Drucksituation wird simuliert

Der Schweizerische Golfverband bietet Amateuren immer wieder die Möglichkeit, sich an Chal­lenge-Turnieren, die zur European Tour gehören, zu beweisen. In dieser Saison zeigte Woernhard, dass er den Cut an Chal­lenge-Turnieren schaffen kann. Dies, obwohl er jeweils noch Luft nach oben hatte. «Wenn ich mich regelmässig für die Endrunden bei Chal­lenge-Turnieren qualifiziere, macht ein Statuswechsel vom Amateur zum Profi Sinn», stellt Woernhard klar. Pro-Tour-Spielern ist es nämlich untersagt, an unterklassigen Wettkämpfen teilzunehmen.

«An einem Tag alles zusammenzubringen, das ist die grosse Herausfor­derung.»Neal Woernhard

Zum Golf kam der Illnauer über seinen Vater, der ihn als kleinen Jungen auf den Golfplatz mitgenommen hatte. Woernhard schloss seine kaufmännische Lehre im Architekturbüro seiner Eltern ab. Noch immer arbeitet er sporadisch in der Buchhaltung des Betriebs. Alle Spesen, die an internationalen Golfturnieren entstehen, werden von dem Nationalmannschaftverband ASG gedeckt. «Die knapp zwei Monate im Jahr, die ich zu Hause verbringe, werde ich finanziell von meinen Eltern unterstützt.» Geld lässt sich auf der Amateurtour noch keines verdienen.

Trotzdem ist Golf für Woernhard ein Fulltime-Job, der ihm täglich acht bis zehn Stunden abverlangt. Neben den Physiotherapiestunden und den adminis­trativen Angelegenheiten kommen die verschiedenen Trainingseinheiten dazu: Kraft und Kondition stehen ebenso auf dem Programm wie die Verbesserung der technischen Finessen und das wettkampforientierte Training. «Golf wird im Kopf entschieden», sagt der 22-Jäh­rige. Um den mentalen Druck zu simulieren, übt er etwa das Einlochen auf dem Grün aus einem Meter Distanz.

«Golf wird im Kopf entschieden.»Neal Woernhard

Dabei muss ihm der Putt 50-mal hintereinander gelingen, ansonsten muss er nochmals von vorne anfangen. «Nach 49 erfolgreichen Schlägen spürt man dann vor dem letzten Schlag eine gewisse Anspannung», lässt der Spitzenamateur durchblicken.

Das Aushängeschild fehlt

Es ist die Variabilität, die den Illnauer am Golf fasziniert: «An einem Tag alles zusammenzubringen, das ist die grosse Her­ausfor­derung.» Die Taktik, die Schlagwahl sowie der Entscheid für das richtige Arbeitsgerät sind nur drei von mehreren Aspekten, die bedenkt werden müssen.

Während Golf in Amerika einen hohen Stellenwert hat, ist es in der Schweiz nur eine Randsportart. «Golfen ist in der Schweiz verpönt», findet der 22-Jährige deutliche Worte. Viele empfinden den Sport als zu teuer, obwohl er im Vergleich zum Skifahren mit etwa gleich hohen Kosten verbunden ist. Seiner Sportart zu mehr Popularität zu verhelfen, ist eines von Woernhards langfristigen Zielen: «Es wäre toll, wenn das Schweizer Fernsehen in Zukunft wichtigste Golfturniere übertragen würde.» Noch fehlt in der Schweiz das Aushängeschild dazu, welches bei den Besten der Welt mitmischt. (Landbote)

Erstellt: 13.06.2018, 10:34 Uhr

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