Skateboarden

Hinein in die olympische Dimension

Für eine weitere «Trendsportart» beginnt eine neue Ära. Mit dabei ist auch ein junger Winterthurer: Niko Feratovic.

Im Element ist Niko Feratovic, wenn er im Skills-Park über Treppen, Rampen und Geländer fährt.

Im Element ist Niko Feratovic, wenn er im Skills-Park über Treppen, Rampen und Geländer fährt. Bild: Marc Dahinden

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Wer Leistungssportler ist, der baut seinen Körper mit massgeschneiderten Einheiten in Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit auf. Nicht so Niko Feratovic. Der 15-jährige Winterthurer kennt bisher nur eine Art Training: Skateboarden.

Einen Trainer hat er nicht. Die Ideen holt er sich oft auf Videos oder er kreiert sie sich selbst. «Ich weiss, welche Tricks ich lernen will. Allerdings ist mir am Anfang noch nicht ganz klar, wie sie genau aussehen sollen.» Er versucht es mal, diskutiert vielleicht kurz mit Kollegen darüber – und dann wird geübt und geübt. Skateboarden ist ein Geduldspiel, denn das Gerät an den Füssen macht nicht immer genau das, was der Fahrer und die Schwerkraft wollen.

«Ich weiss, welche Tricks ich lernen will. Allerdings ist mir am Anfang noch nicht ganz klar, wie sie genau aussehen sollen.»

Vier bis fünf Mal in der Woche, meistens im Skills Park in Winterthur, trainiert Niko Feratovic, fährt, springt und fällt. «Man muss es halt immer wieder versuchen.» Stürze gehören dazu. Bei ihm gingen sie bisher immer glimpflich aus. Mal ein übertretener Fuss, mal eine Prellung. Vom Skateboarden hält ihn das nicht sonderlich ab. «Wenns nicht anders ging, setzte ich vielleicht eine Woche aus. Die Schmerzen gehen immer wieder weg.» Sein Sport sei ihm ohnehin «noch nie verleidet», erzählt er. «Es gibt schon Tage, an denen ich keine besondere Lust zum Skaten habe. Aber ich gehe trotzdem. Dann stehe ich aufs Brett und es macht Spass», betont er, der im Rychenberg die Sek A besucht und im Sommer eine Lehre als Polymechaniker anfängt.

Mit neun Jahren begann er mit einem Freund aus der Nachbarschaft in Hegi, der ein Skateboard besass. «Seither bin ich meistens am Skaten.» Seine kurze Laufbahn als Fussballer beim FC Oberwinterthur nahm ein Ende. «In der vierten Klasse habe ich damit aufgehört, weil ich keine Freude mehr daran hatte.»

Im Schweizer Team

Das lässt sich übers Skateboarden nicht sagen. Das Können und die neuen Tricks präsentiert er mit Videos auf Instagram, seine Kollegen und er filmen sich gegenseitig. Regelmässig tritt er zu Wettkämpfen an. «Wenns gerade einen hat, gehe ich gerne», sagt er.

«Es gibt schon Tage, an denen ich keine besondere Lust zum Skaten habe. Aber ich gehe trotzdem.» 

Kleinere Anlässe, die für sein Alter vorgesehen waren, hat er schon gewonnen, häufig stand er auf dem Podest, am grossen Checklist Contest in Paris 2016 wurde er Achter bei den U16 und er qualifizierte sich für den Final der deutschen Meisterschaft. «Ich möchte vom Skateboarden leben können», bemerkt Feratovic bestimmt und nennt seinen Traum: «Dass ein Hersteller ein Board mit meinem Namen drauf produziert.»

Seit einem halben Jahr gehört er zum Team der Swiss Skateboard Association (SSA). Sieben Schweizer umfasst es, drei in der Disziplin Park und vier im Street, Feratovic ist der Jüngste, mit dem gleichen Jahrgang 2002 wie Noel Schärer. «Für sein Alter ist er schon sehr gut», sagt Urs Morgenegg, der Präsident der SSA. «Er und Noel Schärer dominieren in ihren Jahrgängen in der Schweiz.»

Im Sommer 2016 erhielt Feratovics Sport eine neue Dimension. Denn an der 129. Session in Rio nahm das Internationale Olympische Komitee Baseball/Softball, Karate, Surfen, Sportklettern und Skateboard ins olympische Programm für Tokio 2020 auf. Das IOC erlaubt der Gastgeberstadt, neue Sportarten vorzuschlagen. Die Auswahl gilt immer nur für diese Spiele. Kriterien waren, dass die Sportarten in Japan populär und vor allem für junge Sportler attraktiv sind.

Podladtchikovs Interesse

In Tokio sind Park- und Street-Wettkämpfe für Männer und Frauen vorgesehen. Zuletzt hiess es, dass 80 Skater antreten können, je 40 pro Geschlecht. Das wäre nicht viel. Es sei allerdings noch offen, wie gross das Feld in Tokio sein werde, sagt Urs Morgenegg. «Das wird im Verlauf den nächstens Jahrs klar. 2018 beginnen auch die offiziellen Qualifikationswettkämpfe.»

Neben dem aktuellen Septett der SSA hat auch ein sehr prominenter Name sein Interesse angemeldet: Youri Podladtchikov, Snowboarder und Olympiasieger in der Halfpipe, liess schon mal verlauten, dass er in Tokio im Park, der Skateboard-Disziplin mit Halfpipes und Bowls, antreten möchte – gewissermassen als sein letztes olympisches Ziel. Mag sein, dass er sich nach den Winterspielen 2018 voll aufs Skateboarden, das bisher zum Trainingsprogramm gehört, konzentriert. Ein Neuling wäre Podladtchikov nicht: 2008 im Block in Winterthur wurde er erster Schweizer Elitemeister im Bowl…

Tokio 2020 sei «schon ein Ziel», sagt Feratovic, der junge Winterthurer, der im Street antritt. Wenns für den 15-Jährigen da noch nicht klappt, könnten sich 2024 oder 2028 vielleicht weitere Chancen bieten. «Er hat Potenzial», erklärt Morgenegg. «Ich hoffe sehr, dass Niko dran bleibt.» Macht er das, wird sich auf jeden Fall eines ändern: Zum ersten Mal in seinem Skaterleben erhält Niko Feratovic einen Trainer.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.11.2017, 16:38 Uhr

Skateboard an Olympia

Das Schweizer Sportparlament entscheidet am Freitag über die Aufnahme der Swiss Skateboard Association in die Dachorganisation Swiss Olympic.

Die Chancen dürften gut stehen, der Exekutivrat hat den Antrag vorgängig einstimmig angenommen. Klappt heute alles, beginnt der konkrete Aufbau hinsichtlich Tokio 2020. Die potenziellen Olympiaskater werden in den kommenden Wochen an einem Meeting im Haus des Sports in Ittigen über ihre Rechten und Pflichten (wie Antidoping) informiert. Dann werden die Kader erstellt. Nationaltrainer sind bereits bestimmt, Anfang 2018 beginnen die ersten offiziellen Trainings. «Wenn wir heute das «Go» erhalten, dann geht es tatsächlich los», sagt Urs Morgenegg, der SSA-Präsident.

Zunächst steht Skateboarden erst im olympischen Programm von Tokio 2020. Morgenegg denkt allerdings, dass sein Sport längerfristig dazu gehören kann. «Das IOC braucht Sportarten, die Junge ansprechen», meint er. Und: 2028 finden die Sommerspiele in Los Angeles statt, kein anderer Ort passt besser zum Skateboarding als dieser. «Wir sehen es positiv», sagt Morgenegg, der auch für Paris 2024 zuversichtlich ist. An der Session im Sommer 2020 in Tokio wird entschieden.
Die Aufnahme in die Olympische Familie mag nicht alle aus der Szene begeistern. Jene, die Skateboarden auch als Sport und nicht «nur» als Lebensgefühl sehen, scheinen indes dahinter zu stehen. «Das Skaten wird sich deswegen nicht fest verändern», meint der Winterthurer Niko Feratovic. Morgenegg sieht die Olympischen Spiele als grosse Chance: «Sie verschaffen uns sehr viel Aufmerksamkeit und helfen, dass wir in der Bevölkerung besser akzeptiert werden. Skateboarden wird dadurch als Sport wahrgenommen. Das ist sehr wichtig und hilft, dass mehr Hallen wie beispielsweise der Skills-Park entstehen.»
Olympia wird Skateboarding aufwerten und der neue Sport bereichert die Spiele – so, wie es schon mit Snowboard, Skicross oder BMX geschehen ist.

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