Andelfingen

Nicht als Touristin in Rio

Die Leichtathletin Angelica Moser hat viel vor und peilt den Final im Stabhochsprung an. Dabei helfen könnte ihr auch die schnelle Bahn in Rio.

Übernehmen den touristischen Part der Rio-Reise: Familie Moser, hier mit Stabhochspringerin Angelica Moser.

Übernehmen den touristischen Part der Rio-Reise: Familie Moser, hier mit Stabhochspringerin Angelica Moser. Bild: zVg

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Amsterdam, Bydgoszcz in Polen und jetzt Rio. «Schon toll, wie ich in der Welt herum komme. Das gefällt mir sehr. So kann das nicht jede 18-Jährige.» Angelica Moser, Maturandin und Stabhochspringerin, geniesst ihre Sommermonate. Zwischen Bydgoszcz und Rio lag Frauenkappelen, was geographisch zwar nicht überwältigend ist, aber sportlich sehr wertvoll war. Dort nämlich, am 1.-August-Meeting, schraubte sie ihre persönliche Bestmarke in die Höhe: Auf 4,57 Meter, die U20-Jahresweltbestleistung.

Jene 4,57 m stellten den bisherigen Abschluss eines Steigerungslaufs seit Anfang Juli dar: Von den 4,45 Meter sowie dem bemerkenswerten 7. Platz an der Elite-EM in Holland über die 4,55 Meter sowie die Goldmedaille an der U20-WM in Polen bis hin zu Frauenkappelen. Und jetzt Rio. «Der Aufbau», erklärt die Andelfingerin, «war auf die drei Höhepunkte im Sommer ausgerichtet.» Auf die EM, die U20-WM und auf Olympia. Er scheint aufzugehen. «Die Form ist ständig gestiegen. Ich bin fit und hoffe, dass ich das hier auch umsetzen kann. Ich bin zuversichtlich.»

«Gerne hohe Ziele»

Zielstrebig und motiviert wie sie ist, hat sie eine klare Vorstellung, was sie heute Dienstag ab 14.45 Uhr Schweizer Zeit im Olympiastadion in der Qualifikation erreichen möchte: «Ich will ich in den Final», sagt die 18-Jährige. «Das ist ein hohes Ziel. Aber ich setze mir gerne hohe Ziele.» 4,60 Meter beträgt die Qualifikationshöhe. Sie müsste also ihre eigene Bestmarke überspringen. Ausser: Falls nicht genügend Athletinnen die 4,60 Meter überqueren, würden einfach die besten zwölf im Final antreten. Das Olympiastadion konnte sie schon besichtigen. «Es ist riesig», sagt sie. «Und die Bahn ist schnell.» Je schneller ihr Anlauf ist, desto härtere Stäbe kann sie verwenden und desto höher könnte sie fliegen. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, hat sie vom Hersteller in den USA härtere Exemplare kommen lassen.

Unter den Stars

2013 war sie Gewinnerin des Europäischen Olympia-Festivals der Jugend, 2014 wurde sie Jugend-Olympiasiegerin. Sie hat damit bereits Anlässe von olympischem Format erlebt. Rio stellt aber auch in dieser Beziehung eine Steigerung dar. «Damals war die besten Sportler der jeweiligen Jahrgänge vertreten. Jetzt sind die wirklichen Weltstars da. Und alles ist nochmals viel grösser», sagt sie.

Sie geniesse es auch, mit prominenten Schweizer Sportlern zu wohnen. «Kürzlich war ich mit Steve Guerdat im Lift, wir haben etwas geplaudert», erzählt sie. Olympische Spiele seien «sehr eindrücklich. Es ist sicher ein Traum, der in Erfüllung geht», sagt sie, um gleich zu relativieren: «Aber ich bin nicht als Touristin hier, sondern ich will zeigen, was ich drauf habe.»

Kurzes Familientreffen

Den touristischen Teil übernimmt der Rest der Familie. Schwester Jasmine, Mutter Monika und Vater Severin sind am 2. August in Brasilien gelandet und erkundeten den Regenwald. Pantanal, die Wasserfälle von Iguazu und Argentinien waren die Stationen. Man kam Krokodilen unangenehm nahe und angelte Piranhas (wie Bilder beweisen). Am Donnerstag reisten sie nach Rio weiter; Severin Moser war seit 1988, als er als Zehnkämpfer in Seoul startete, nie mehr an Olympischen Spielen. Zum ersten Mal seit dem Abflug sahen sie Angelica, die Tochter beziehungsweise jüngere Schwester, wieder, als sich diese beim Schweizer TV-Studio in Ipanema locker und souverän den nationalen Medien präsentierte.

Dort, am Pedra do Arpoador, einem der Ausflugsziele Rios, gabs ein kurzes Familientreffen. Einen Moment lang hielt sich Angelica Moser wenigstens an einer Stelle auf, wo die Touristen sind. Anschliessend tauchte sie wieder ins olympische Leben ab, um am Dienstag im Stadion ihr Debüt auf der grösstmöglichen Sportbühne zu geben. (Landbote)

Erstellt: 15.08.2016, 17:14 Uhr

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