BMX

Schnell wie noch nie

Der Winterthurer David Graf fühlt sich in einmaliger Form. Am Wochenende beginnt in Manchester die Weltcupsaison, die wegweisend für Olympia 2020 in Tokio sein wird.

In letzter Zeit fährt David Graf der Konkurrenz regelmässig davon – ausser es kommt wie in Zolder etwas dazwischen.

In letzter Zeit fährt David Graf der Konkurrenz regelmässig davon – ausser es kommt wie in Zolder etwas dazwischen. Bild: Silvia Butti

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An keinem anderen Radrennen geraten sich die Fahrer derart in die Quere wie im BMX, Stürze sind ebenso häufig wie schmerzhaft. Letzten Samstag im Sechzehntelfinal des Europacups in Zolder verlor David Graf auf der letzten Geraden, kurz vor dem Ziel, zuerst die Aufmerksamkeit und dann die Balance. Er prallte auf die Piste, der Pilot hinter ihm fuhr auf und überschlug sich, zwei weitere verschwanden zwischen Bahn und Zuschauertribüne. «Recht heftig» sei der Sturz gewesen, beschreibt Graf in der einem BMX-Fahrer eigenen Bescheidenheit.

«Die paar Stiche im Ellbogen», die er sich nähen lassen musste, hielten den Winterthurer nicht davon ab, am nächsten Tag zum zweiten Europacuplauf auf der diesjährigen WM-Strecke anzutreten. Souverän stiess er in den Final vor, erwischte einmal mehr den besten Start, ehe die Konkurrenz in der ersten Kurve an ihm vorbeizog und ihn auf Rang 5 verwies. «Für das, was am Samstag geschah, ist ein 5. Platz eigentlich sehr gut», bilanzierte Graf. Andererseits: «Es ist enttäuschend, wenn man das Gefühl hat, man sei an einem Wochenende der schnellste, und dann noch nur Fünfter wird.»

Das gute Gefühl

Er fühle sich «super in Form» und denkt, dass «eigentlich nichts fehlt» für Ränge ganz vorne in der Weltspitze. «Ich war noch nie so schnell im Leben wie jetzt, ich habe mich noch nie so gut gefühlt auf dem Velo», betont der 29-Jährige. «Irgendwann kommen die Resultate schon.» Zweimal ist es 2019 bereits aufgefangen: Im Februar an den Gator Nationals in Florida verwies er in beiden Rennen einige Weltklassefahrer auf alle Ehrenplätze.

Auf diese Saison hin hat Graf den Trainingsplan wieder selbst an die Hand genommen. Im Jahr davor hatte das Nationaltrainer Grant White für ihn erledigt. «Das war auch gut», bemerkt Graf. «Aber ich möchte mich selber mit meinem Training befassen. Ich kann nicht von jemand Anderem erwarten, dass er so auf meine Details schaut, wie ich es mache.» Er habe einen «neuen Ansatz» im Aufbau gefunden, «mehr Volumen in den Einheiten. Ich habe noch nie so viel trainiert wie jetzt.» Offensichtlich passt die Vorbereitung: «Bisher funktioniert alles sehr gut.»

Seit der olympischen BMX-Premiere 2008 in Peking stand jeweils nur ein Schweizer am Start, immer ein Winterthurer: zuerst zweimal Roger Rinderknecht, dann 2016 David Graf. Zum ersten Mal winkt für Tokio 2020 nun die realistische Chance, dass zwei Schweizer an Olympia starten können. Von 20 Weltcuprennen zählen die besten 14 jedes Fahrers für die massgebende Nationenwertung; erst zwei (2018 in Argentinien) sind absolviert. Dieses Ranking müssen die Schweizer mindestens auf Rang 5 abschliessen, damit sie zwei Olympia-Quotenplätze erhalten. Momentan sind sie Vierte, knapp vor Australien; nicht weit dahinter folgt Kolumbien auf Rang 6. «Das wird eine enge Geschichte», meint Graf. Die Qualifikationsphase dauert bis zur WM Ende Mai 2020 in Houston.

Auf der Piste statt im Auto

Die Wettläufe, an denen die meisten Punkte verteilt werden, folgen jetzt – wie an diesem Wochenende am Weltcup in Manchester. «Wir hoffen, dass wir unsere Form auch in den nächsten Rennen ausspielen können», sagt Graf.

Der WM-Dritte von 2015 sowie EM-Zweite und Olympia-Halbfinalist von 2016 ist seit sieben Jahren die Nummer 1 der Schweiz. Seinen Wohnsitz hat der «Ur-Winterthurer» noch immer in Töss, meistens aber lebt er in Würzburg bei seiner Freundin. Auf Ende Jahr planen sie einen Umzug nach Stuttgart. «Dort gibt es eine neue, sehr gute Strecke. In Stuttgart kann ich so trainieren, wie ich es brauche», erklärt Graf. Die Hoffnung, dass im heimischen Dättnau mal eine Piste entsteht, die höchsten Ansprüchen genügt, hat er so ziemlich aufgegeben.

In Stuttgart trainiert er bereits jetzt regelmässig. Ein Wohnortswechsel würde «die letzte Olympiavorbereitung einleiten», sagt Graf. Die Zeit, die bisher mit Autofahrten drauf geht, verbringt er lieber auf der BMX-Piste. (landbote.ch)

Erstellt: 24.04.2019, 20:33 Uhr

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