Unihockey

Unihockey putzt sich heraus

Ab heute überträgt das Schweizer Fernsehen jeden Samstagabend ein Playoff-Spiel live. Warum SRF die Sportart derart fördert – und wie diese die grosse Chance nutzen will.

Gut 2000 Zuschauer kamen im Januar zum Eventheimspiel des HCR gegen Langnau in die Eulachhalle.

Gut 2000 Zuschauer kamen im Januar zum Eventheimspiel des HCR gegen Langnau in die Eulachhalle. Bild: Martin Deuring

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Es ist eine Sprache wie auf Filmplakaten, stark, einprägsam, mit Ausrufe­zeichen und Grossbuchstaben. «WIR ZEIGENS DIR!» steht geschrieben. Als wäre es ein Blockbuster. Mit dem Slogan bewirbt Swiss Unihockey die Premiere, die am Samstagabend über die Bühne geht, und die, geht es nach dem Verband, die Sportart in ein neues Zeitalter führt.

Ab heute überträgt das Schweizer Fernsehen jeden Samstag ein Playoff-Spiel live, bis zum Superfinal, der am 21. April in der Swiss-Arena in Kloten steigt. Unihockey, im Breitensport verankert, erhält eine Plattform, wie sie sonst den Premiumteamsportarten Fussball und Eishockey vorbehalten ist. «Für uns ist es ein Meilenstein und eine Riesenchance», sagt Daniel Kasser, der bei Swiss Unihockey die Fernsehspiele verantwortet. Er versucht gar nicht erst, die Chance zu relativieren, seine Begeisterung ist in jedem Wort spürbar. Er sagt: «Das ist der Lohn für das Risiko, das wir eingegangen sind, als wir den Modus ­änderten.»

Bis zu 219 000 TV-Zuschauer

Das Risiko, das er anspricht, war der Superfinal, der 2015 die Playoff-Final­serie ersetzte. Das sorgte in der Szene für Kritik. Spieler fanden es unfair, die Saison in einer Einzelpartie zu entscheiden, Klubs beklagten sich über fehlende Einnahmen durch wegfallende Heimspiele. Und Thomas Berger, eine Kapazität im Unihockey und Trainer bei Rekordmeister Wiler-Ersigen, sagte vor der letzten Austragung: «Der Anlass wurde zweimal durchgeführt, der Effekt ist gleich null. Die Medienpräsenz ist nicht gestiegen, der Kreis der Zuschauer nicht viel grösser geworden. Krass ausgedrückt, ist es auch mit Superfinal eine Inzuchtveranstaltung.»

In der Tat hat der Superfinal-Tag aus Unihockey keine Boomsportart gemacht, die Zuschauerzahlen sind weiter rückläufig. Anderseits: Bis zu 219 000 Personen sahen den letztjährigen Final der Männer auf SRF 2 live. «Wir ­waren sowohl mit den Zahlen als auch mit der Produktion sehr zufrieden», sagt SRF-Sportchef Roland Mägerle und schwärmt von einer «attraktiven und dynamischen» Sportart, die vor allem auch beim jungen Publikum ankomme. Der mancherorts unbeliebte Superfinal hat Unihockey den Schritt auf die grosse Fernsehbühne erst ermöglicht. Aber nicht nur er allein.

Die Vorteile des Livesports

Unihockey profitiert zudem von einer Entwicklung, die den Fernsehmachern insgesamt Sorge bereitet. «Sport ist der einzige Content überhaupt, den man live verfolgen muss», sagt Sportmarketingexperte Dominik Schmid. Bei Streamingdiensten wie Netflix lassen sich Filme und Serien ohne nervende Werbeunterbrechungen ansehen, dank Angeboten wie Swisscom TV kann sich der Fernsehkonsument Sendungen zeitversetzt anschauen. Bei einer Livesport­sendung hingegen lässt es sich nicht über den Werbeblock hinwegspulen. «Der ­Zuschauer will die Emotionen live mit­erleben, danach ist es nicht mehr dasselbe», sagt Mägerle. Entsprechend ­attraktiv sind Sportübertragungen, entsprechend gut sind dort die Werbe­blöcke in der ­Regel gebucht.

Die zunehmende Wichtigkeit spiegelt sich in Zahlen wider. Übertrug SRF 2008 total 729 Stunden Livesport, so ­waren es im letzten Jahr 1333 – ein Plus von 83 Prozent. Die Tendenz ist weiterhin steigend. In diesem Jahr zeigt SRF auch mehr Schwingen: Das Fest auf dem Brünig wird live übertragen, sieben Anlässe werden per Stream und punktuell im Fernsehen zu verfolgen sein. Dabei will SRF vorab am Wochenende ganze Sportblöcke bringen, mit dem Ziel, das Publikum von einer Sendung zur nächsten zu führen. Dieser sogenannte ­Audience Flow ist erfahrungsgemäss besser, wenn Sendungen mit ähnlichem Inhalt aufeinanderfolgen. Heute etwa beginnt der Sporttag auf SRF 2 um 9.20 Uhr mit dem Männer-Riesenslalom und endet ab 16.55 Uhr mit Uni­hockey.

Es sind also keine schlechten Aussichten für Swiss Unihockey. Und der Verband hat alles daran gesetzt, die Chance zu nutzen. Eine von ihm finanzierte Crew wird die Spielstätten, für gewöhnlich Mehrzweckhallen, herausputzen. Schwarze Abdeckungen werden über Leerflächen und Sprossenwände montiert, die vielen überflüssigen Linien am Boden überklebt, LED-Banden installiert. «Wir stecken die Hallen ins Sonntagskleid», sagt Daniel Kasser. Für die Vereine fallen keine Kosten an.

Premiere in der Eulachhalle

Bleibt die Frage, ob das genügt. Die erste Fernsehpartie tragen der ­HC Rychenberg und die Tigers Langnau in der Eulachhalle aus. Auch wenn der HCR bei seinen Eventheimspielen stets viel Publikum anlockte, werden es andere Bilder sein als am Super­final in Kloten, der 2017 mit 8011 Zuschauern ausverkauft war.

Sind Swiss Unihockey und SRF mit dem Ergebnis zufrieden, dürfte die ­Zusammenarbeit um Jahre verlängert werden – vorausgesetzt, die No-Billag-Initiative wird morgen abgelehnt. Dann könnte aus der gross angekündigten Premiere ein Mehrteiler werden. (Der Landbote)

Erstellt: 03.03.2018, 10:10 Uhr

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Playoff-Viertelfinal

Nach den ersten zwei Partien der Viertelfinalserie zwischen Rychenberg und Langnau steht es leistungsgerecht 1:1.

Unerwartet ist der Zwischenstand nicht, ungewöhnlich aber seine Entstehung: Beide Male gab es einen Auswärtssieg.
Die Winterthurer verpassten es am Mittwoch in Oberseen, ihr verdientes Break von Biglen zu bestätigen. Als Hauptursache für die Niederlage hatte Trainer Rolf Kern die ungenügende Intensität im Auftritt seines Teams ausgemacht. Als Messlatte dafür, wie es im Playoff gemacht werden muss, kann der Gegner dienen. Anders als im Startspiel legte Langnau sehr viel mehr Energie und Überzeugungskraft in sein Verrichten und glich zu Recht aus.

Derlei Diskussionen dürften heute überflüssig sein. Die Eulachhalle wird wieder sehr gut gefüllt erwartet, was den HCR in der Vergangenheit stets zu einem Sondereffort animierte. Entsprechend positiv ist seine Bilanz aus diesen Eventspielen. Und heute ist ja auch noch das Schweizer Fernsehen live vor Ort. rab

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