Schach

Winterthurer Amateure trotzen Profis den Titel ab

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Saisonfinale in der NLA hat die Schachgesellschaft Winterthur den Schweizer-Meister-Titelgewonnen – erstmals seit 36 Jahren.

In einem starken Team trugen Richard Forster (rechts) und Gabriel Gähwiler Entscheidendes zum Titelgewinn bei.

In einem starken Team trugen Richard Forster (rechts) und Gabriel Gähwiler Entscheidendes zum Titelgewinn bei. Bild: zvg

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Winterthur war als Tabellen­führer in die letzten beiden Wettkämpfe gegangen, traf dort aber auf äusserst starke Gegner, unter anderen den direkten Titelkonkurrenten Zürich. In der zweitletzten Runde gegen Luzern setzte sich Winterthur 4,5:3,5 durch, was aufgrund der Partien ein zu knappes Ergebnis war. Winterthur lag allerdings zwischenzeitlich im Rückstand und war unter entsprechendem Druck, konnte diesem allerdings standhalten und das Resultat noch umdrehen.

Genf verliert unerwartet

Die Höhe des Resultats war im Meisterrennen nicht entscheidend. Viel bedeutender war, dass der dritte Titelkandidat Genf patzte und gegen den Aussenseiter Mendrisio verlor. Damit war klar, dass Winterthur und Zürich in der letzten Runde den Titel unter sich ausmachen würden, wobei Winterthur ein Unentschieden genügte.

Die nominellen Vorteile waren aufseiten der in Topbesetzung antretenden Stadtzürcher, dieals Rekordmeister und aufgrund ihrer grossen Erfahrung für entscheidende Situationen genau dann immer noch etwas stärker auftreten und kaum zu bezwingen sind. Dementsprechend entwickelte sich ein zäher Wettkampf, in dem Zürich eigentlich immer Vorteile hatte. Winterthur setzte dem seine kämpferischen Qualitäten entgegen, die die Zürcher verzweifeln liessen, blieb doch der Wettkampf nach knapp fünf Spielstunden mit fünf mit Remis beendeten Partien resultatmässig ausgeglichen.

Trotzdem stand Winterthur immer noch mit dem Rücken zur Wand, weil Zürich an zwei der drei verbleibenden Bretter klare Vorteile aufwies. Obwohl eine dieser beiden Partien remis en­dete, übernahm Zürich dank eines Sieges am fünften Brett die Führung und schien auf der Zielgeraden.

Winterthur benötigte in der letzten Partie einen Sieg, um ­wieder gleichzuziehen und mit einem Mannschaftsunentschieden seine Leaderposition zu behaupten. Nach knapp sieben Stunden führte IM Forster diese allerletzte Partie der Saison gegen Zürichs IM Hug zumSieg, welcher Winterthur jubeln liess.

Ein Team von Einheimischen

Der erste Winterthurer Titelin der schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft seit 1981ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Winterthur ausser ­seinem Spitzenspieler GM Jussupow eine reine Amateurmannschaft aus praktisch ausschliesslich in Winterthur gross gewordenen Spielern besitzt, während bei Zürich praktisch ausschliesslich Profis spielen.

Entscheidend waren am Schluss wie so oft im Sport die mannschaftliche Geschlossenheit und die fast schon heroischen kämpferischen Qualitäten, mit welchen der nominell über­legene Gegner niedergerungen werden konnte. Die Basis des Winterthurer Erfolgs liegt viele Jahre zurück und ist in der ausserordentlich erfolgreichen und nachhaltigen Jugendarbeit zu finden, dank welcher die Kinder von damals zu den Stars von heute wurden – und dabei ihrem Verein die Treue hielten.

Gähwilers Grossmeister-Norm

Ganz nebenbei erzielte einer dieser jungen Spieler, IM Gabriel Gähwiler, dank seines heraus­ragenden Saisonresultats von 7 Punkten aus 9 Runden seine erste Grossmeister-Norm. Vor nur ­wenigen Monaten hatte GM Nico Georgiadis, der im Wettkampf Zürichs stärksten Spieler GM Bauer fast schon mit spielerischer Leichtigkeit in Schach hielt, ebendiesen Titel verliehen erhalten, wozu drei solche Normen plus eine entsprechende Leistungszahl nötig sind. (Landbote)

Erstellt: 17.10.2017, 10:18 Uhr

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