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Hamilton vermiest Ferrari die Heim-Party

Es war angerichtet für «rote Festspiele» im königlichen Park von Monza. Dann kam alles anders.

Der von Platz 3 gestartete Lewis Hamilton gewinnt den Grossen Preis von Italien in Monza. Es ist sein 68. Sieg.
Der von Platz 3 gestartete Lewis Hamilton gewinnt den Grossen Preis von Italien in Monza. Es ist sein 68. Sieg.
Luca Bruno, Keystone
Ferrari wartet seit 2010 auf einen Heimsieg. Die Tifosi müssen sich weiter gedulden. Wieder vermiest ihnen Hamilton die Party.
Ferrari wartet seit 2010 auf einen Heimsieg. Die Tifosi müssen sich weiter gedulden. Wieder vermiest ihnen Hamilton die Party.
Antonio Calanni, Keystone
Aber acht Runden vor Schluss quetscht sich Hamilton an Räikkönen vorbei. Es ist das entscheidende Manöver.
Aber acht Runden vor Schluss quetscht sich Hamilton an Räikkönen vorbei. Es ist das entscheidende Manöver.
Luca Bruno, Keystone
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120'000 Zuschauer träumten nach dem Qualifying und der 60. roten Frontreihe von einem Doppelsieg im 966. WM-Rennen von Ferrari. Es wäre auch ein Geschenk an den vor sechs Wochen in Zürich verstorbenen Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne gewesen. Vor 30 Jahren hatten 1988 Gerhard Berger und Michele Alboreto wenige Tage nach dem Tod von Firmengründer Enzo Ferrari in Monza einen Doppelsieg gefeiert.

Der Traum platzte schon in der ersten Runde. Vettel drehte sich im Kampf gegen Hamilton und fiel an den Schluss des Feldes zurück. Mit einem neuen Frontflügel startete der Wahl-Thurgauer seine Aufholjagd und klagte am Boxenfunk «Die Balance ist unter jedem Hund». Weil auch seine Soft-Reifen nicht durchhielten, musste der 31-jährige Deutsche nochmals an die Box und klassierte sich nach 52 Runden im 4. Rang. Mit den gewonnenen 12 WM-Punkten beträgt sein Rückstand nach dem 14. von 21 Saisonrennen nun 30 Zähler auf Hamilton (226:256).

Vettel profitierte am Schluss noch von einer Strafe gegen Max Verstappen, der in seinem Red Bull-Renault als Dritter über die Ziellinie gefahren war. Doch weil der Niederländer im Rennen Valtteri Bottas im Mercedes behindert hatte, wurden ihm fünf Sekunden Strafe aufgebrummt. Hamiltons Teamkollege erbte den 3. Platz.

Bottas als Räikkönen-Bremse

Bottas hatte massgeblichen Anteil am 68. GP-Triumph des 33-jährigen Briten. Nach dem Boxenstopps des vom Start wegen führenden Kimi Räikkönen und Verfolger Hamilton liess er sich an der Spitze so lange nicht von Räikkönen überholen, bis Hamilton wieder aufschliessen konnte. Erst dann wechselte auch er die Reifen.

Hamilton gelang neuen Runden vor Schluss das entscheidende Überholmanöver: «Ferrari hat uns das ganze Wochenende einen harten Kampf geboten. Die Stimmung war allgemein gegen uns. Aber das hat mich motiviert. Ich sah im ganzen roten Fahnenmeer auch einige britische Flaggen und konnte die ganze Negativität ins Positive umwandeln», erklärte der vierfache Weltmeister.

Räikkönen blieb die Rolle des unbelohnten Helden. Am Samstag hatte er im Qualifying mit einem Runden-Durchschnittstempo von 263,587 km/h einen Formel-1-Rekord aufgestellt. Der letzte Ferrari-Weltmeister (2007) war drauf und dran, für das Team aus Maranello den ersten Monza-Triumph seit 2010 (Fernando Alonso) herauszufahren.

Am Ende blieb ihm statt seines 21. GP-Sieges (letztmals gewann er 2013 auf Lotus in Melbourne) mit Rang 2 nur der 100. Podestplatz in seinem 284. WM-Rennen. Und ob das für den 38-Jährigen reicht, um einen neuen Vertrag zu erhalten, ist mehr als offen. Vieles deutet darauf hin, dass er 2019 von Charles Leclerc abgelöst wird, weil dieser einen von Sergio Marchionne unterschriebenen Vorvertrag besitzen soll.

Erfolgloses Sauber-Team im Heimrennen

Für das Hinwiler Team Alfa Romeo Sauber-Ferrari endete das Heimrennen in Monza ohne Erfolgserlebnis. Beide Fahrer beendeten den Grand Prix von Italien mit einer Runde Rückstand. Charles Leclerc wurde Zwölfter, Marcus Ericsson an seinem 28. Geburtstag 16.

Schon am Samstag deutete wenig darauf hin, dass Sauber zum neunten Mal im 14. Saisonrennen in die Punkteränge fahren könnte. Sowohl der Monegasse als auch der Schwede schieden schon im ersten Teil der Qualifikation aus. Leclerc fehlten als 17. aber nur gerade 0,157 Sekunden auf Rang 8. Und Ericsson (19.) hatte nach einem Horror-Crash am Freitag wegen eines Motorenwechsels eine Grid-Strafe von zehn Startplätzen erhalten. Im Rennen konnte sie nie in den Kampf um die Punkte eingreifen. Schuld war weniger der Ferrari-Power im Heck als die stark abbauenden Reifen.

In der Konstrukteuren-Wertung fiel Sauber wieder in den 9. Rang zurück. Das Team Racing Point Force India-Mercedes gewann dank Esteban Ocon (7.) und Sergio Perez (8.) erneut WM-Punkte und hat bereits wieder 28 Zähler auf dem Konto. Mit den nach dem Besitzerwechsel gestrichenen 59 Zählern würden die «Pink Panther» hinter den drei Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull im 4. Gesamtrang liegen.

Ob am Ende der Saison das von Lawrence Stroll und weiteren Investoren übernommene Team einen zweistelligen Millionen-Betrag aus dem Bonustopf erhalten wird, ist allerdings noch offen. Vor allem Haas-Ferrari wehrt sich dagegen. Gemäss Reglement waren die Amerikaner in ihren ersten zwei Formel-1-Jahren von Bonuszahlungen ausgeschlossen, das soll nun auch für Racing Point gelten. Für Haas ist Racing Point kein bestehendes, sondern ein neues Team.

Monza (ITA). Grand Prix von Italien

(52 Runden à 5,891 km/306,720 km): 1. Lewis Hamilton (GBR), Mercedes, 1:16:54,484 (239,288). 2. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari, 8,705 Sekunden zurück. 3. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, 14,066. 4. Sebastien Vettel (GER), Ferrari, 16,151. 5.* Max Verstappen (NED), Red Bull-Renault, 18,208. 6. Romain Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari, 56,320. 7. Esteban Ocon (FRA), Racing Point Force India-Mercedes, 57,761. 8. Sergio Perez (MEX), Racing Point Force India-Mercedes, 58,678. 9. Carlos Sainz (ESP), Renault, 1:28,140. 10. eine Runde zurück: Lance Stroll (CAN), Williams-Mercedes. 11. Sergej Sirotkin (RUS), Williams-Mercedes. 12. Charles Leclerc (MON), Alfa Romeo Sauber-Ferrari. 13. Stoffel Vandoorne (BEL), McLaren-Renault. 14. Nico Hülkenberg (GER), Renault. 15. Pierre Gasly (FRA), Toro Rosso-Honda. 16. Marcus Ericsson (SWE), Alfa Romeo Sauber-Ferrari. 17. Kevin Magnussen (DEN), Haas-Ferrari. - * = 5-Sekunden-Strafe (Behinderung Bottas). Ausfälle: Brendon Hartley (NZL), Toro Rosso-Honda (1. Runde/an 16. Stelle): Aufhängung. Fernando Alonso (ESP), McLaren-Renault (9./11.): Motor. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull-Renault (24./11.): Motor.

WM-Stand (14/21).

Fahrer: 1. Hamilton 256. 2. Vettel 226. 3. Räikkönen 164. 4. Bottas 159. 5. Verstappen 130. 6. Ricciardo 118. 7. Hülkenberg 52. 8. Magnussen 49. 9. Perez 44. 10. Alonso 44. 11. Ocon 43. 12. Grosjean 35. 13. Sainz 32. 14. Gasly 28. 15. Leclerc 13. 16. Vandoorne 8. 17. Ericsson 6. 18. Stroll 5. 19. Hartley 2.Teams: 1. Mercedes 415. 2. Ferrari 390. 3. Red Bull-Renault 248. 4. Haas-Ferrari 84. 5. Renault 84. 6. McLaren-Renault 52. 7. Toro Rosso-Honda 30. 8.* Racing Point Force India-Mercedes 28. 9. Alfa Romeo Sauber-Ferrari 19. 10. Williams-Mercedes 5. - * Nach dem Besitzer- und Namenwechsel wurden die zuvor gewonnenen 59 Punkte aus der Team-Wertung gelöscht.Nächstes Rennen: Nacht-GP Prix von Singapur am 16. September in Singapur.

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