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Polizist stoppt Froome und bringt ihn zu Fall

Chris Froome hat die Tour über Jahre dominiert, jetzt endet seine Herrschaft: Er wird abgehängt. Auch nach der Zieleinfahrt wartet Unheil.

Der Sturz nach dem Rennen: Chris Froome kommt zu Fall. Quelle: Tamedia/Twitter

Im Nachhinein ist es leicht zu sagen: Der Einbruch kündigte sich an. Nur schien im Fall von Chris Froome auch letztes und vorletztes Jahr der Einbruch zu drohen. Und das Jahr davor. Froomes – gelinde gesagt – etwas eigenartige Sitzposition auf dem Rennvelo bringt es mit sich, dass er im Rennen am Berg stets ein wenig so aussieht, als ob er im nächsten Moment abgehängt würde. Was dann aber doch nicht passiert, sondern meist eher das Gegenteil: Er fährt allen davon.

Doch an diesem Mittwochnachmittag, es ist kurz vor 17.30 Uhr, macht Froome nicht nur den Eindruck, dass ihn seine Gegner ans Limit gebracht hatten. Es ist tatsächlich so. Es lohnt sich, den Zeitpunkt zu notieren: Erstmals seit 2012, seit er mit dem Team Sky seine erste Tour bestritt, zeigt er in diesem Rennen eine echte Schwäche. Nicht nur ein Flackern, das gab es schon. Aber das waren jeweils nur Momente, viel zu kurz, um das Rennen auf den Kopf zu stellen.

Er funkt, er sei am Limit

Nun ist das anders: Vier Kilometer vor dem Ziel neigt Froome seinen Kopf leicht zur Seite, nimmt eine Hand vom Lenker und bedient damit das Mikrofon des Mannschaftsfunks, der unter seinem Leibchen auf Brusthöhe festgemacht ist. Er sei am Limit, meldet er den Kollegen und dem Teamauto. Prompt wird er leicht distanziert, als kurz darauf ­Primoz Roglic, der Vierte des Gesamtklassements, erneut antritt.

Es war eine besondere Etappe, die 17. der diesjährigen Tour de France. Nur 65 Kilometer betrug die Distanz. Ungewohnt war auch das Bild am Start. In Formel-1-Manier mit Startaufstellung inklusive Pole-Position fuhren die Fahrer los. Zuvorderst stand Geraint Thomas, der Mann im Maillot jaune.
Es war eine besondere Etappe, die 17. der diesjährigen Tour de France. Nur 65 Kilometer betrug die Distanz. Ungewohnt war auch das Bild am Start. In Formel-1-Manier mit Startaufstellung inklusive Pole-Position fuhren die Fahrer los. Zuvorderst stand Geraint Thomas, der Mann im Maillot jaune.
Keystone
So kurz die Strecke sich präsentierte, so anspruchsvoll war sie. Zwei Bergpreise sowie eine Bergankunft auf 2200 Metern über Meereshöhe standen auf dem Programm.
So kurz die Strecke sich präsentierte, so anspruchsvoll war sie. Zwei Bergpreise sowie eine Bergankunft auf 2200 Metern über Meereshöhe standen auf dem Programm.
Keystone
Nicht mithalten konnte Chris Froome. Der Brite musste zwei Kilometer vor dem Ziel abreissen lassen und verlor am Ende fast 50 Sekunden auf Thomas.
Nicht mithalten konnte Chris Froome. Der Brite musste zwei Kilometer vor dem Ziel abreissen lassen und verlor am Ende fast 50 Sekunden auf Thomas.
Keystone
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Der Slowene ist der aktivste Fahrer im Schlussaufstieg, nachdem sich die Favoriten zwei Pässe lang beäugt haben. Schon weit unten an der 16 Kilometer langen Strasse hinauf zum Col du Portet tritt er ein erstes Mal an – Froome folgt ihm. In dem Moment denken alle, Froome werde tatsächlich das tun, was die Zuschauer seit zweieinhalb Wochen hoffen oder befürchten – je nachdem, in welchem Lager sie sind. Er werde von der Rennkonstellation profitieren und seinem Teamkollegen und Gesamtleader Geraint Thomas davonfahren.

Doch der erste Angriff wird neutralisiert, Tom Dumoulin bringt die Favoritengruppe wieder heran. So ähnlich schafft auch Froome bei Roglics erwähntem zweiten Angriff wieder den Anschluss.

Es kommt: Keine Reaktion

Doch Dumoulin, nur elf Sekunden hinter Froome klassiert, ist die Schwäche des Titelverteidigers, des vierfachen Tour-Siegers, nicht entgangen. Kompromisslos forciert nun der Holländer, bis zum Ziel sind es noch etwas mehr als zwei Kilometer. Eigentlich keine Distanz – ausser man ist am Limit.

Das ist bei Froome der Fall. Er ist nicht mehr zu einer Reaktion fähig. Auch der letzte verbliebene Sky-Helfer, der 21-jährige Tour-Debütant Egan Bernal, kann ihn nicht mehr aus dem Loch herausziehen, derweil Gesamtleader Thomas mit Dumoulin und Roglic davonprescht – und den beiden noch weitere ­Sekunden abluchst. Der Etappensieg ist da längst weg, Nairo Quintana hat einen seiner raren grossen Tour-Momente, gewinnt solo und (erst) zum zweiten Mal nach 2013 eine Tour-Etappe.

Die Verwechslung

48 Sekunden sind es, die Froome auf Thomas einbüsst. Es ist eine kleine Welt, Dumoulin verdrängt ihn vom zweiten Platz. Damit ist dieser Tour-Tag, der Froomes schlechtester ist, seit er zum grossen Rundfahrer wurde, nicht vorüber: Froome muss noch, mit Jacke und Handtuch gegen den Wind geschützt, den halben Pass hinunterrollen, zum dort parkierten Teambus. Dick eingepackt wird er von einem Gendarmen für einen Fan gehalten. Dieser will ihn aufhalten, Froome kommt zu Fall – der Vorfall passt zum Tag, bleibt aber glücklicherweise folgenlos.

Der Sturz nach dem Rennen: Chris Froome kommt zu Fall. Quelle: Twitter

Trotzdem hat er beim Bus sein Lächeln bereits wiedergefunden, und es wird in diesem Moment klar: Froome ist nicht nur im Sieg souverän, sondern auch in der Niederlage. Er sagt: «Klar ist das eine Enttäuschung. Aber ich habe keine Reue. Geraint ist exzellent, er hat es völlig verdient, in Gelb zu sein, bis nach Paris.»

Froomes nicht ganz nette Reaktion auf die Verwechslung. Quelle: Twitter

Statt des erhofften Giro-Tour-Doubles, des fünften Tour-Siegs, der ihn zum Rekordsieger gemacht hätte, muss er sich an einem kleineren Ziel orientieren. 16 Sekunden Vorsprung hat er auf den formstarken Roglic. Das Zeitfahren am Samstag wird keine Ausfahrt.

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