«Das Niveau von Roger und Rafa ist historisch einmalig»

John McEnroe traut beim dritten Laver-Cup in Genf als Captain seinem Team World trotz Aussenseiterrolle den ersten Sieg zu.

60 und noch immer ins Tennis vernarrt: John McEnroe gibt sich als Captain des Teams World in Genf die Ehre. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

60 und noch immer ins Tennis vernarrt: John McEnroe gibt sich als Captain des Teams World in Genf die Ehre. (Bild: Clive Brunskill/Getty Images)

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Sie waren von Anfang an ein grosser Befürworter des Laver-Cups. Welchen Stellenwert hat er für Sie heute?
Er ist für mich wohl wichtiger als für fast alle anderen hier. Denn erstens war Rod Laver mein Idol, schon dadurch habe ich einen starken Bezug zu ihm. Und dass zweitens Roger (Federer) ein Teil davon ist, gibt ihm weitere Glaubwürdigkeit. Ich coache heute nicht mehr oft, und aus verschiedenen Gründen spiele ich auch immer weniger Tennis.

Warum nicht? Sind Sie körperlich angeschlagen?
Generell bin ich gut in Form, verglichen mit anderen Leuten in meinem Alter, auch wenn mir die Hüfte schon seit Jahrzehnten zu schaffen macht. Aber ich wurde noch nie operiert. Ich würde zwar gerne noch öfter Tennis spielen, aber es ist nicht einfach, wenn man älter wird. Wenn ich heute auf den Platz gehe, muss ich versuchen, meine Limiten zu akzeptieren und das zu schätzen, was ich noch immer machen kann.

Sie sind inzwischen 60. Sind Sie ruhiger geworden?
Ich werde jedes Jahr etwas ruhiger. Aber ich würde sagen: Meine Ruhe ist anders als die der meisten Leute … (lacht) Ich stehe generell mehr unter Spannung. Mein Leben spielt sich heute hauptsächlich in New York und Malibu, Kalifornien, ab. Je eine Hälfte meiner Kinder lebt an diesen Orten.

Und was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht in der Tenniswelt und auch sonst nicht zwischen Ost- und Westküste unterwegs sind?
Gitarre spielen. Am liebsten locker mit Freunden.

Ihr Lieblingsgitarrist?
Eine schwierige Frage. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann für Jimi Hendrix.

Roger und Rafa hören vielleicht schon nach diesem Wochenende auf, wenn wir ihnen den Hintern versohlt haben.

Nun machen Sie in Genf am Laver-Cup die Musik. Weshalb?
Der Reiz dieser Veranstaltung ist enorm. Am liebsten würde ich selber spielen. Es ist auch eine grossartige Gelegenheit, mit Leuten zusammen zu sein, die ich mag. Und hoffentlich kann ich einen kleinen Unterschied ausmachen, meiner Mannschaft Energie und Vertrauen geben.

Mit dem Laver-Cup lebt Ihre Rivalität mit Björn Borg auf. Wie blicken Sie darauf zurück?
Es war die grösste Rivalität, die ich hatte, und eine grossartige Zeit für das Tennis. Wir verbesserten uns gegenseitig. Wie heute auch Roger, Rafa und Novak.

Die Rivalität zwischen Federer und Nadal gilt für viele als die grösste des Tennis. Sehen Sie das auch so?
Ihre Duelle sind zweifellos grossartig, aber es gab früher schon grosse Rivalitäten, etwa zwischen Becker und Edberg, Agassi und Sampras, mir und Björn oder mir und Jimmy (Connors). Aber das Niveau, das Roger, Rafa und auch Novak erreicht haben, ist historisch einmalig.

Nadal hat inzwischen 19 Majortitel, Federer 20, Djokovic 16. Denken Sie, dass jener mit den meisten Titeln als bester Spieler der Geschichte betrachtet werden sollte?
Die Antwort ist: Ich weiss es nicht. Und ich bin nicht sicher, dass irgendjemand das weiss. Warum diskutieren wir das nicht in ein oder zwei Jahren? Wir wissen mehr, wenn ihre Karrieren beendet sind, und irgendwann müssen sie ja aufhören. Roger und Rafa hören vielleicht schon nach diesem Wochenende auf, wenn wir ihnen den Hintern versohlt haben. (lacht) An dieser Story wären wir gerne beteiligt.


Der Laver Cup 2019 in Zahlen und Fakten


Was läuft denn falsch mit dem Rest der Tenniswelt, dass dieses Trio in fortgeschrittenem Alter noch so dominieren kann?
Man könnte auch eine Gegenfrage stellen: Was machen die drei alles richtig, damit die anderen es nicht schaffen, durchzubrechen? Ich wünschte, ich wüsste die Antwort. Und ich bin sicher, dass viele sie gerne kennen würden. Diese Kerle sind einfach fähiger als frühere Grössen, sich immer weiter zu verbessern. Deshalb haben sie eine innere Ruhe, wenn sie gegen jüngere Herausforderer spielen. Als ich älter wurde, hatten viele der älteren Spieler das Gefühl: «Oh, ich lasse nach, ich werde langsamer.» Es scheint, dass das bei ihnen nicht geschieht, und das ist schon erstaunlich.

Wie gut ist Federer mit 38 noch?
Er ist unglaublich. Er hatte ja noch zwei Matchbälle gegen Novak im Wimbledon-Final. Ich hätte nie gedacht, dass das möglich sein würde, das gebe ich zu.

Wie hart musste es für ihn sein, nach diesen Matchbällen bei eigenem Aufschlag noch zu verlieren?
Ich wünschte, ich wüsste das. Aber man kann das auch aus einem anderen Blickwinkel anschauen: Wenn Sie Roger gefragt hätten, ob er lieber in der ersten Runde oder im Final nach zwei Matchpunkten verlieren würde, hätte er sich bestimmt für das zweite Szenario entschieden.

Am Laver-Cup herrscht eine ganz andere Begeisterung und Stimmung herrscht als an anderen Turnieren.

Ihr Team in Genf ist auf dem Papier klar schlechter als das der Europäer. Was lässt Sie an eine Überraschung glauben?
Wir waren sehr nahe am Sieg in den ersten beiden Jahren, verloren aber letztes Jahr gleich vier Partien nach Matchbällen. Wir sind zwar ziemlich grosse Aussenseiter, doch der Modus hilft uns. Hier gibt es keine Abnützungskämpfe, in denen man Topstars über fünf Sätze schlagen muss. Du brauchst nur zwei Sätze zu bestreiten und allenfalls ein Tiebreak auf zehn Punkte, das dauert im Normalfall 60 bis 90 Minuten. Und wir haben Spieler im Team, die jedem das Racket aus der Hand schlagen können, wie John (Isner), Nick (Kyrgios) oder Milos (Raonic). Das haben sie auch im Laver-Cup schon gezeigt. Wir müssen einfach unsere Chancen besser nützen.

Sie sind bereits zum dritten Mal Captain dieses Teams. Fällt es Ihnen jedesmal leichter?
Das gilt vielleicht für Björn Borg, der beide bisherigen Austragungen gewonnen hat. Ich bin es doch, der auf dem heissen Stuhl sitzt und den Druck spürt. Aber es ist ein angenehmer Druck.

Nick Kyrgios ist der neue Bad Boy des Tennis. Sie bauen auf ihn und scheinen ihn zu mögen. Was halten Sie von ihm, ist er gut für das Tennis?
Das ist er, solange er konstant gute Leistungen bringt. Dann ist er sogar sehr gut für das Tennis. Er ist ein guter Kerl und ein toller Mannschaftsspieler, und er liebt diesen Anlass.


Aufbau des Planeten Laver-Cup


Der letzte Grand-Slam-Titel eines Amerikaners, durch Andy Roddick, liegt inzwischen 16 Jahre zurück. Was stimmt nicht im Männertennis der USA?
Unser Land könnte tatsächlich wieder einmal einen Schub brauchen; Spieler, die um Grand-Slam-Titel spielen und sie gewinnen können. Es gibt einige, die sich in die richtige Richtung entwickeln, beispielsweise Taylor Fritz. Aber er muss auf diesem Weg weiterfahren und noch einen höheren Gang einlegen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Laver-Cups, wenn Federer einmal nicht mehr spielt?
Er sollte unbedingt Teil des Tennis bleiben und weiterwachsen. Alles andere wäre schade für das Publikum und die Spieler. Diese Art von Wettkämpfen sind gut für das Tennis. Ich selber war immer gerne Teil eines Teams, deshalb spielte ich auch oft Doppel und im Davis-Cup. Einige Spieler hatten gedacht, sie würden solche Mannschaftswettbewerbe gar nicht mögen, und dann realisierten sie am Laver-Cup, dass hier eine ganz andere Begeisterung und Stimmung herrscht als an anderen Turnieren. Auch den Namen sollte man behalten. Laver war ein Idol für Millionen.

Erstellt: 20.09.2019, 06:34 Uhr

John McEnroe

Der New Yorker John McEnroe (60) gewann 77 Turniere im Einzel und 78 im Doppel. Zwischen 1979 und 84 holte er sieben Grand-Slam-Titel im Einzel, drei in Wimbledon und vier am US Open. Er war 170 Wochen die Nummer 1. Der heissblütige Linkshänder, bekannt für sein virtuoses Angriffsspiel, war in erster Ehe mit der Schauspielerin Tatum O’Neal zusammen, das Sorgerecht für die drei Kinder bekam er. Seit 1997 ist er mit der Sängerin Patty Smyth verheiratet. Das Paar lebt mit insgesamt drei Töchtern in Manhattan. Kunst- und Musikliebhaber McEnroe gilt als einer der weltbesten TV-Reporter im Tennis. (rst)

Laver-Cup in Genf

Federer heute nur im Doppel. Am Starttag in Genf kommen für Europa im Einzel neben Thiem zwei Debütanten zum Einsatz, Fabio Fognini und Stefanos Tsitsipas. Federer beendet das Tagesprogramm im Doppel neben Alexander Zverev, mit dem er 2018 in Chicago eine seiner bisher zwei Niederlagen im Laver-Cup erlitt (beide im Doppel). Pro Sieg wird ein Punkt verteilt. (rst)

Freitag
Thiem (AUT) - Shapovalov (CAN) 13.00
Fognini (ITA) - Sock (USA) anschl.
Tsitsipas (GRE) - Fritz (USA) 19.00
Federer/Zverevanschl.- Shapovalov/Sock anschl.

Sa 2 Einzel ab 13.00, 1 Einzel u. 1 Doppel ab 19.00
So 4 Einzel ab 12.00

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